Vor ein paar Tagen ist es wieder passiert. Da lag er wieder auf dem Boden. Der Stein des Anstoßes. Brachial aus seiner betonierten Verankerung gerissen. Der Poller vor der Eisdiele "Tutti Frutti" in der Altstadt soll eigentlich eine feste Konstante sein, um den Verkehr vom Fußweg vor dem Lokal abzuhalten. Aber wie es so ist im Leben – Konstanten brechen oft weg. Oder werden einfach übersehen und umgefahren.
Christian Bagatella kann ein Lied davon singen. Seit dreieinhalb Jahren betreibt er die kleine Eisdiele am Eck Pfladergasse/Weiße Gasse. Die mit dem wohl am meisten umgefahrenen Poller davor. Nicht immer würde der Schaden sofort behoben. „Für mich ist es dann mühsam, weil das Ding sauschwer ist. Aber teilweise muss ich ihn beiseite räumen, weil sonst die Menschen darüber stolpern.“ Tatkräftige Hilfe bekomme er da von seinem Nachbarn aus dem Schmuckladen. Schließlich wiegt ein Steinpoller rund 100 Kilogramm.
Das zuständige Tiefbauamt bestätigt: der Poller an der Eisdiele gehört auf jeden Fall zu den Top-Ten der meist beschädigten Pfosten. Ebenso gerne umgefahren würden die kleinen Pfeiler am Vorderen Lech, hinter der Metzg und rund um den Moritzplatz. Bis zu 1000 Poller verwaltet das Tiefbauamt allein in der Altstadt. „Drei bis fünf Mal pro Woche müssen die Bautrupps ausrücken, um wieder einen aufzustellen“, informiert Amtsleiter Josef Weber. Liegt mal wieder einer flach, würde dieser schnellstmöglichst repariert.
Etliche "Poller-Umfahrer" begehen Fahrerflucht
Billig ist das nicht. Wird ein Steinpfosten umgefahren, aber nicht beschädigt, kostet das Wiederaufstellen rund 200 Euro. Noch teurer wird es, wenn der Auto- oder Lkw-Fahrer so vehement dagegen fährt, dass der Poller zerbricht. Dann sind nochmal 200 Euro fällig. Ein Metallpfosten ist da günstiger. „Wegen ihrer Sollbruchstelle erzeugen sie oft keine größeren Schäden an der Oberfläche, müssen aber ausgetauscht werden.“ In dem Fall bleibt es bei 200 Euro.
Wie Eisladenbesitzer Bagatella erzählt, wird der Poller vor seinem Laden eher im Herbst umgefahren. Da schließt er nämlich die Eisdiele früher am Abend. Plakataufsteller, Tische und Stühle stehen als erkennbare Zeichen dann nicht mehr draußen. „Das passiert vor allem beim Rückwärtsfahren. Manchmal hauen die Autofahrer einfach ab.“
Josef Weber vom Tiefbauamt spricht von etwa 50 Prozent, die Fahrerflucht begehen. „Besonders in der Innenstadt werden Unfallflüchtige oft beobachtet und gemeldet. Dann kommt es zu einer Anzeige durch die Polizei“, sagt der Amtsleiter. Was man machen soll, wenn man unfreiwillig angeeckt ist? Am Besten sei es, sich bei der nächsten Polizeidienststelle zu melden. Denn wer habe schon die Kontaktdaten des Amtes parat. Außerdem sollte die Polizei sowieso informiert werden, um nicht eine Anzeige wegen Fahrerflucht zu riskieren.
Die Poller haben übrigens einen tieferen Sinn, als Autofahrer zu ärgern. Sie schützen Gebäude, autofreie Aufenthaltsbereiche, Einfahrten, exponierte Plätze und besondere Bauteile, wie etwa historische Laternen. „Poller können wie Verkehrszeichen betrachtet werden“, heißt es aus dem städtischen Tiefbauamt. Wenn sie nur im Rückspiegel auch so auffallen würden wie Verkehrszeichen.