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Augsburg: Der Städtevergleich: Gibt es in Augsburg zu viele Tram-Unfälle?

Augsburg

Der Städtevergleich: Gibt es in Augsburg zu viele Tram-Unfälle?

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    Im Juli kam es in Lechhausen zu einem Unfall zwischen einem Sattelschlepper und einer Straßenbahn.
    Im Juli kam es in Lechhausen zu einem Unfall zwischen einem Sattelschlepper und einer Straßenbahn. Foto: Anne Wall (Archiv)

    Fast jeden zweiten Tag ist in Augsburg eine Straßenbahn in einen Unfall verwickelt. 148 Zusammenstöße zwischen Trambahnen und Autos gab es voriges Jahr. Eine Studie zeigt jetzt: Im Vergleich zu anderen deutschen Städten mit einem Straßenbahnnetz schneidet Augsburg bei der Zahl der schweren Tram-Unfälle eher schlecht ab.

    Unfallzahlen aus 58 Städten wurden dafür untersucht. Das Ergebnis: Augsburg gehört demnach zu einer Gruppe von zehn Städten, in denen das Unfallrisiko besonders hoch ist.

    Für die Studie des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft wurden rund 4100 Straßenbahnunfälle in den Jahren 2009 bis 2011 untersucht. Forschungsleiter Siegfried Brockmann ist überzeugt, dass die Studie aussagekräftig ist: „Es ist eine sehr umfassende Untersuchung.“ Für die Rangliste wurden die Zahl der Unfälle mit Toten und Verletzen ins Verhältnis zur Länge des Streckennetzes gesetzt.

    In dem Zeitraum gab es in Augsburg 20 Schwerverletzte und einen Todesfall. Am unsichersten ist der Tramverkehr der Studie zufolge im badischen Karlsruhe. Auch Nürnberg schneidet etwas schlechter ab als Augsburg. Dennoch legt die Untersuchung zumindest nahe, dass es in Augsburg einigen Verbesserungsbedarf geben könnte. Denn immerhin schnitten noch 51 deutsche Städte teils deutlich besser ab.

    Tramgleise sollten getrennt von der Straße liegen

    Interessant ist die Frage, in welchen Situationen sich besonders viele schwere Unfälle abgespielt, haben. Denn sie könnte sich auch auf den Bau von künftigen Straßenbahnlinien auswirken. In Augsburg soll eine neue Linie 5 vom Hauptbahnhof bis zum Klinikum gebaut werden.

    Glaubt man den Unfallforschern, dann ist die geplante Streckenführung nicht ideal. In der Bürgermeister-Ackermann-Straße sollen die Straßenbahngleise in der Mitte verlegt werden. Dort, wo sich jetzt noch ein Grünstreifen befindet. Doch genau solche Lösungen werden in der Studie kritisch beäugt.

    Die Forscher meinen: „Bei der durchgeführten Analyse der Straßenbahnnetze zeigten sich mehrspurige Straßen mit separatem Gleis in Mittellage deutlich unsicherer als Straßen mit den Gleisen an der Seite.“ Siegfried Brockmann sagt, in der Regel seien die Kreuzungen deutlich unübersichtlicher, wenn die Straßenbahnen in der Mitte von mehrspurigen Straßen fahren.

    Und die allermeisten Straßenbahnunfälle, bei denen Menschen verletzt werden oder sterben, ereignen sich an Kreuzungen oder deren direktem Umfeld – in 86 Prozent der untersuchten Unfälle war das so. Er rät deshalb, die Tramgleise in einem separaten Bett links oder rechts neben der Straße zu verlegen. Forschungsleiter Siegfried Brockmann weiß aber auch: „In der Praxis scheitert das leider häufig an den Platzverhältnissen.“

    Beim zuletzt realisierten großen Tramprojekt, der Linie 6 nach Friedberg ist die Lage der Schienen demnach auf weiten Strecken ungünstig. In der Friedberger Straße liegen die Gleise im Stadtgebiet von Augsburg überall in der Mitte. Erst kurz vor der Endhaltestelle schwenken sie an den Rand. Anders sieht es bei den Linien 2 und 3 aus – zumindest teilweise. Die Linie 3 fährt in Richtung Uni und weiter in Richtung Süden lange Zeit neben der Straße, ebenso ist es bei der Linie 2 entlang der Haunstetter Straße.

    Mehr "Bompeln" in Augsburg?

    Allerdings hat die Studie auch ihre Schwächen. So kann die Zahl der Verletzten in einem Jahr auch stark verzerrt werden. Dafür reicht ein schwerer Unfall mit vielen Verletzten – so wie im Jahr 2012, als ein Lastwagen eine Tram seitlich aufschlitzte und fast 50 Fahrgäste verletzt wurden. Dieser Unfall ereignete sich zudem ausgerechnet in einem vermeintlich besonders sicheren Bereich, in dem die Schienen getrennt neben der Fahrbahn verlaufen.

    Allgemein gilt: Fahrgäste in einer Tram sind relativ sicher. Sie kommen auch bei Unfällen meist glimpflich davon. Die meisten Verletzten bei Tramunfällen sind Fußgänger gefolgt von Autofahrern und Radfahrern. Sie sind gleichzeitig auch in den meisten Fällen die Verursacher. Die Tramfahrer waren bundesweit nur an 16 Prozent der untersuchten Unfälle schuld. Diese Werte seien auch in Augsburg ähnlich, heißt es.

    Einer Forderung der Studie kommen die Stadtwerke nach – sogar als Vorreiter. Die Autoren empfehlen dringend, Überwege für Fußgänger besser zu schützen. Dazu gibt es einen Pilotversuch. An der Haltestelle Haunstetter Straße und in der Von-Parseval-Straße wurden sogenannte Bodenampeln installiert. Das brachte weltweite Aufmerksamkeit – sogar Medien in den USA und Australien berichteten darüber.

    Die Stadtwerke haben die Tramfahrer nach ihren Erfahrungen mit den „Bompeln“ – so der Spitzname – befragt. Demnächst sollen Ergebnisse vorgestellt werden. Davon hängt auch ab, ob weitere Haltestellen entsprechend ausgestattet werden.

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