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Augsburg: Die Invasion der Zwergfledermäuse - sogar im Kopierer stecken sie

Augsburg

Die Invasion der Zwergfledermäuse - sogar im Kopierer stecken sie

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    Die winzigen Zwergfledermäuse sind etwa so groß wie eine Streichholzschachtel und wiegen nicht mehr als ein Stück Würfelzucker. In Augsburgs Altstadt fühlen sich die Tiere ausgesprochen wohl.
    Die winzigen Zwergfledermäuse sind etwa so groß wie eine Streichholzschachtel und wiegen nicht mehr als ein Stück Würfelzucker. In Augsburgs Altstadt fühlen sich die Tiere ausgesprochen wohl. Foto: Annette Zoepf

    Der erste Schreck war groß. Als eine Mitarbeiterin der Augsburger Stadtkämmerei ein vorübergehend unbenutztes Büro betreten wollte, fand sie dort Hunderte von Zwergfledermäusen. Sie waren über den ganzen Raum verteilt – an Vorhängen, am Büromobiliar und auf dem Boden. Sogar im Kopierer steckten welche. Eine Zählung ergab später, dass es über 800 waren. Eine derart massive Invasion in einem Gebäude gilt als außergewöhnlich. Selbst Experten sind überrascht.

    Dass sich junge Zwergfledermäuse in Wohnungen und Häuser verirren, kommt auch in Augsburg regelmäßig vor. „Jedes Jahr gibt es mehrere Fälle“, sagt Carmen Liegl von der Koordinierungsstelle für Fledermausschutz am Landesamt für Umwelt. Das jährlich wiederkehrende Phänomen in den Monaten August und September hat einen Grund: Zu diesem Zeitpunkt verlassen die im Sommer geborenen Jungtiere ihre Kinderstuben und beginnen, ihre Umgebung zu erkunden. „Zwergfledermäuse sind extrem neugierig und anpassungsfähig“, sagt Liegl. Deshalb verfliegen sich unerfahrene Jungtiere öfter in bewohnte Häuser.

    Einflugschneise über ein offenes Oberlicht

    Die jüngste Invasion in der Stadtkämmerei hat aber auch für Liegl außergewöhnliche Dimensionen. Nachforschungen ergaben, dass die Fledermäuse über ein offenes Oberlicht eine Einflugsschneise in den Büroraum hatten. Fatalerweise fanden sie über das gekippte Fenster aber nicht mehr den Weg hinaus. „Der Raum wurde für die Tiere zur Falle“, sagt Liegl. Sie vermutet, dass die bereits im Raum gefangenen Tiere mit ihren Schreien über mehrere Nächte hinweg weitere Artgenossen angelockt haben, sodass sich letztlich über 800 ansammelten.

    Aus Sicht der Expertin wäre es eine Katastrophe geworden, wenn die Invasion nicht durch einen glücklichen Zufall entdeckt worden wäre. Denn sonst wären die nächtlichen Jäger jämmerlich verhungert und verdurstet. So aber konnte der größte Teil der streng geschützten Tiere noch gerettet, eingesammelt und an einem sicheren Ort wieder in die Freiheit entlassen werden. Nach wie vor gibt die riesige Zahl der Jungtiere mitten im Stadtzentrum den Fachleuten Rätsel auf. Das Fledermausvorkommen in Augsburg ist eigentlich gut erforscht. Von der Zwergversion wurden im ganzen Stadtgebiet bislang aber nur rund 600 erwachsene Tiere gezählt. Ein bereits bekanntes größeres Fledermaus-Quartier in der Innenstadt ist im Theater. Aber auch dort kann ein Weibchen pro Jahr nur höchstens zwei Junge bekommen. „Es muss noch eine große Dunkelziffer von Populationen im Zentrum geben“, vermutet Liegl.

    Expertin ist fast täglich im Einsatz

    Aktuell ist die Expertin als Tierretterin fast täglich im Einsatz. Vor wenigen Tagen wurden ihr rund 100 Zwergfledermäuse in einem Seniorenheim in der Innenstadt gemeldet. Am Dienstag entdeckte man weitere 40 bis 50 Exemplare im Landratsamt Augsburg. Die ungebetenen Gäste hatten sich in einem Büro der Bauabteilung einquartiert. Es liegt auf der Ostseite der Fassade im dritten Stock.

    „Wir hatten in diesem Teil des Gebäudes in Zusammenhang mit Dacharbeiten schon einmal ein Problem mit Fledermäusen“, sagt Heidi Heuchler von der Pressestelle. „Der Schutz der Tiere liegt uns aber sehr am Herzen.“ Deshalb seien gleich die zuständigen Stellen informiert und die Tiere eingesammelt worden. Expertin Carmen Liegl soll den betroffenen Büroraum zur Sicherheit nachts noch einmal kontrollieren, damit bei der Rettungsaktion auch wirklich keine Fledermaus vergessen wird.

    Bei der Auswilderung arbeitet Liegl mit dem Landesbund für Vogelschutz in Augsburg zusammen. Claudia Weißschädel bringt die eingesammelten Zwergfledermäuse zunächst in einem luftigen Moskitozelt unter. Dort können sich geschwächte Tiere erholen. Nachts ist es dann soweit: Sicher vor Feinden dürfen sie in gewohnter Manier in die Dunkelheit entschwinden.

    In der Stadtkämmerei hat man nach der Fledermaus-Invasion reagiert. Ab sofort müssen die Fenster von Juli bis September nachts geschlossen bleiben. Laut Amtsleiter Franz Käsbohrer ist durch den Vorfall auch ein nicht unerheblicher Schaden entstanden. Das betroffene Büro muss renoviert werden, bevor es wieder benutzbar ist.

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