Als Max Schmauß am 1. Juli 1989 zum Direktor des Bezirkskrankenhauses (BKH) gewählt wurde, war er mehr oder weniger Herr über eine Baustelle. Der erste von fünf Bauabschnitten war damals in seiner Endphase – der letzte Abschnitt endete 2017. Schmauß erklärt, „der damalige dänische Architekt schlug eine dörfliche Struktur vor. Als Kontrapunkt zur jetzigen Uniklinik, und damit die Patienten sich wohler fühlen“.
Sport und Bewegung sind wichtig
Damals wurde die Idee populär, psychiatrische Kliniken zu verkleinern und näher an die Patienten zu verlagern. „Wir haben schließlich am 1. Oktober mit 80 Betten eröffnet – und gerade, als wir die Planungen für den zweiten Bauabschnitt fertig hatten, kam uns die Wiedervereinigung dazwischen“, erzählt Schmauß und lacht. Dann habe sich die Finanzierung des zweiten Abschnitts erst einmal verzögert. Nahezu sein gesamtes Berufsleben als Ärztlicher Direktor des BKH begleiteten den 68-Jährigen also die einzelnen Bauabschnitte; sie fügten der Einrichtung ein Schwimmbad, weitere Sport- und Kunstmöglichkeiten sowie mehr Stationen und Betten hinzu. „Ein wichtiger Baustein bei uns ist“, erklärt er, „die Aktivitätsförderung des Patienten.“ In Zukunft kümmert sich darum Alkomiet Hasan. Der gebürtige Münsteraner hat vor seinem Amtsantritt am BKH in München gelehrt und gearbeitet.
Heute sagt Schmauß: „Das hier ist mein berufliches Lebenswerk.“ 16 Stationen mit jeweils 20 Betten, ambulante und stationäre Therapie. Hier wird Drogenabhängigen geholfen, aber auch Depressiven oder Senioren, die an Altersdemenz erkrankt sind. Und die Krönung sei erfolgt, als das BKH zusammen mit dem Klinikum zur Uniklinik wurde. „Ein Glückstreffer hoch zehn.“ Nur wenige psychiatrische Kliniken hätten diese Möglichkeit – und so könnten vielleicht auch mehr Medizinstudenten für den Fachbereich Psychiatrie gewonnen werden.
Es fehlen Mediziner und damit auch Psychiater
Denn der fristet zwar kein Nischendasein – zu den beliebtesten gehört er aber auch nicht. „Wir leiden in Deutschland an einem Medizinermangel, also auch an zu wenig Psychiatern.“ Dabei sind die heute aus dem medizinischen Alltag kaum wegzudenken: Sie betreuen die Patienten von Ärzten anderer Fachrichtungen psychiatrisch, sie behandeln psychische Leiden medikamentös und therapeutisch und geben Patienten Strategien an die Hand, um das Leben zu meistern. Während der 68-Jährige vom BKH und seiner Entwicklung erzählt, nimmt er nicht einmal das Wort „ich“ in den Mund. Immer spricht er von „wir“. Meist in gut überlegten, ruhig vorgetragenen Sätzen – hier redet kein eitler Professor, sondern ein Teamspieler, einer, der auch heute noch an dem hängt, was er und seine Kollegen geschaffen haben.
Als Schmauß mit dem Studium in München begann, war sein Karriereweg keineswegs klar: „Neurologie und Psychiatrie oder Innere Medizin – so ganz wusste ich noch nicht, wohin ich wollte. Und Psychiatrie galt als ein Orchideenfach, Psychiater teilweise als verschroben.“ Das Wechselspiel zwischen psychiatrischer und körperlicher Medizin habe ihn allerdings schon damals fasziniert. Warum er sich dann für diese fachärztliche Ausbildung entschieden hat, schreibt Schmauß in Teilen einem Mann zu. „Ich hatte einen Chef an der psychiatrischen Universitätsklinik in München. Er war als Psychiater, als Chef und als Mensch für mich eine ideale Führungspersönlichkeit.“ Dieser habe ihn geprägt, er sei ein Vorbild gewesen.
Das Stigma der Depressionen hat abgenommen
Nun ist Schmauß seit Februar offiziell im Ruhestand. Hat gesehen, dass das Stigma mancher psychiatrischen Erkrankungen – etwa Depressionen – abgenommen hat. Hat manchen Wandel in der Psychiatrie miterlebt, etwa, dass heute besser die Zusammenhänge zwischen körperlichen und psychischen Erkrankungen erforscht und verstanden werden. Hat 30 Jahre in München Studenten unterrichtet, in Augsburg Patienten therapiert, dass BKH geführt. 60 Stunden die Woche kamen da schnell zusammen. Seine Ehefrau und die Kinder haben alles mitgetragen – bis heute ist Schmauß verheiratet, beide Kinder haben Medizin studiert. Die Tochter ist sogar selbst Psychiaterin geworden.
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