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Augsburg: Familie lebte mit über 40 Tieren auf engstem Raum

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Familie lebte mit über 40 Tieren auf engstem Raum

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    Die Feuerwehr beim Abtransport der verwahrlosten Tiere.
    Die Feuerwehr beim Abtransport der verwahrlosten Tiere. Foto: Foto: Feuerwehr

    Das Kätzchen blickt verschreckt in die Kamera. Eine Hand umklammert fest den Körper des kleinen Tieres. „Perserbabys, reinrassig“ ist die Anzeige überschrieben, die im Internetauktionshaus eBay eingestellt ist. 150 Euro kostet das Tier. Inzwischen gilt das Angebot nicht mehr. Polizei, Feuerwehr und Veterinäramt holten das Tier am Montag aus einer völlig verdreckten Wohnung in Hochzoll. In der Vierzimmerwohnung fanden die Beamten mehr als 40 verwahrloste Tiere. Das Unvorstellbare: Ein 65-Jähriger soll dort mit seinen drei volljährigen Söhnen gelebt haben.

    Die Sache wird für die Bewohner wohl ernste Konsequenzen haben. Die Stadt will den Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeben, ein Strafverfahren könnte folgen. „Aus unserer Sicht ist massiv gegen den Tierschutz verstoßen worden“, sagt Ordnungsreferent Volker Ullrich. „Milde wäre hier fehl am Platz.“

    Aufgedeckt wurde der Fall, weil eine Frau auf das Online-Inserat sah und das Katzenbaby kaufen wollte. Wie es heißt, sollte das Geschäft im Treppenhaus des Mietshauses stattfinden. Doch damit war die Frau nicht einverstanden. Sie ließ sich in der Wohnung die Mutter des Katzenbabys zeigen und war schockiert. Deshalb rief sie die Polizei. Einer der Bewohner soll ihr dann gedroht haben. Wenn sie die Behörden verständige, „knalle“ es, sagte er angeblich. Auch eine Pistole will die Frau gesehen haben. Die Beamten rückten deshalb mit gezogenen Waffen zum Haus in der Ammerseestraße an. Außer einer Softair-Waffe zum Verschießen von Plastikkugeln, die in einem Rucksack war, fanden sie aber nichts.

    Doch der Zustand der Wohnung erschreckte auch die Beamten. „Die Tiere machten einen unterernährten und verstörten Eindruck“, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Der Boden war mit Kot und Urin verdreckt, Wände zerkratzt, Matratzen zerfetzt. Es stank, überall schwirrten Fliegen herum. Von den anderen Bewohnern des Hauses wollte gestern niemand etwas zu dem Fall sagen. Gemeldet hatte die Zustände in der Wohnung bisher aber keiner der Nachbarn. „Sonst hätten wir schon früher reagiert“, sagt Ordnungsreferent Ullrich.

    Zwei Amtstierärzte entschieden, die Tiere sofort aus der Wohnung zu nehmen. Die Feuerwehr brachte die Tiere ins Tierheim Lechleite in Derching, im Augsburger Heim war kein Platz. Tierheim-Chefin Gerlinde Bitzl ist entsetzt: „Die Tiere sind in einem erbärmlichen Zustand. Sie haben sich wie wild auf das Futter gestürzt.“ Die Tiere – 22 Hunde, 17 Katzen, fünf Echsen und zwei Meerschweinchen – sollen nun erst einmal aufgepäppelt werden. Fälle, in denen Menschen Dutzende Tiere in ihren Wohnungen horteten, gebe es leider immer wieder.

    Der 65-jährige Wohnungsmieter ist mit dem Vorgehen der Behörden überhaupt nicht einverstanden. Seine Frau habe die Tiere nach und nach angeschafft, sagte er unserer Zeitung. „Es war eine Sucht.“ Er habe deshalb in ein Haus mit großem Garten in Thüringen umziehen wollen. Der Umzug laufe, zuletzt habe er seine Söhne zwei Wochen alleine in Augsburg gelassen. Er räumt ein, es sei einiges schief gelaufen. Doch er sagt auch: „Ich will die Tiere wieder zurück.“ Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus. Die Behörden ermitteln nicht nur wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Sie prüfen auch, ob der Mann möglicherweise einen illegalen Handel mit den Tieren betrieben hat.

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