Startseite
Icon Pfeil nach unten
Augsburg
Icon Pfeil nach unten
Innenstadt
Icon Pfeil nach unten

Augsburg: Fundamente einer riesigen römischen Therme entdeckt?

Augsburg

Fundamente einer riesigen römischen Therme entdeckt?

  • |
  • |
  • |
    Ausgrabungen aus der Römerzeit im Augsburger Domviertel: Dort glauben Archäologen, eine große Thermenanlage entdeckt zu haben.
    Ausgrabungen aus der Römerzeit im Augsburger Domviertel: Dort glauben Archäologen, eine große Thermenanlage entdeckt zu haben. Foto: Michael Hochgemuth

    Schon die Römer waren Wellness-Fans. In ihren Städten legten sie große Thermenanlagen an, in denen sie sich pflegten, ausruhten oder auch Sport trieben. Bei Grabungen im Domviertel sind jetzt Fundamente gefunden worden, die zu einer riesigen Thermenanlage gehören könnten.

    Die Vermutung, dass in der Erde im Georgs- und Kreuzviertel eine Therme steckt, gibt es schon lange, sagt Stadtarchäologe Sebastian Gairhos. Schon im 19. Jahrhundert, 1930 und 1948 habe man bei Grabungen Hinweise darauf gefunden, dass hier bedeutende Zeugnisse der römischen Vergangenheit im Boden liegen. Vermutet wird eine Therme mit einer Ausdehnung von 60 mal 30 Metern Fläche. Damals waren bereits Bereiche und Räume der Therme offengelegt und dokumentiert worden. Zu den aktuellen Grabungen will er sich nicht äußern. Nur so viel: „Es sieht aus, als würden die alten Pläne der Realität entsprechen.

    Die Anlage ragt demnach weit über das derzeit untersuchte Grundstück hinaus und erstreckt sich wohl unter den Nachbarhäusern in Richtung Frauentorstraße. In sechs bis acht Meter hohen Kuppelbauten gab es mehrere Räume, die vermutlich luxuriös verziert waren, wie ältere Funde beweisen. So hätten die Archäologen bislang vor allem Unmengen von kleinen Steinwürfelchen gefunden, die zu Mosaiken gehört haben dürften, so Gairhos.

    Die jetzt freigelegten Fundamente sind nach Auskunft des Bauherren, Klaus-Wohnbau-Geschäftsführer Manfred Ruhdorfer, etwa zwei Meter groß.

    Extrem seltener Fund

    Gairhos gerät ins Schwärmen, wenn er die Funktion römischer Thermen erläutert, die man aus anderen Grabungen sehr genau kennt. „Die Anlagen waren ingenieurtechnisch extrem anspruchsvoll“, sagt er. Die Badetempel hatten verschieden temperierte Räume – einen kalten, einen lauwarmen und einen heißen Raum. Oft gab es auch wie in einem türkischen Hamam auch noch einen feuchtwarmen Bereich. In den Bereichen standen verschieden temperierte Wasserbecken, die über Rohrleitungen befüllt wurden. Für die Raumtemperatur sorgte eine raffinierte Fußbodenheizung mit Hypokaustum genannten Doppelböden, durch die von einer Feuerstelle heiße Luft geleitet wurde.

    Derartige Badeanlagen hätten für die Römer eine wichtige soziale Rolle gespielt. Hier habe man nicht nur geruht und gebadet, sondern auch gegessen, sich rasieren und frisieren lassen. Man traf sich zu Gesprächen mit Freunden und Geschäftspartnern – oder man trieb Sport. Ein Fund wie in Augsburg sei extrem selten und unterstreiche die Bedeutung Augsburgs als Hauptstadt der Provinz Rätien, so der Stadtarchäologe. Es dürfte sich um einen bayernweit herausragenden Fund handeln.

    Planungen liefen in Abstimmung mit der Stadt und den Archäologen

    Bauherr Manfred Ruhdorfer, der auf dem Grundstück 70 Wohnungen bauen möchte, will das Ganze nicht so hoch gehängt wissen. „Es ist nicht richtig, dass es sich dabei um einen unerwarteten Fund handelt“, sagt er. Es sei im Vorfeld bekannt gewesen, dass an dieser Stelle Römerfunde im Boden schlummern. Alle Planungen liefen in enger Abstimmung mit der Stadt und den Archäologen. „Es gibt jetzt ein Stück Mauer, von dem niemand weiß, ob es sich weiter fortsetzt“, so Ruhdorfer.

    Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD ) spricht von einem überraschend guten Zustand der ausgegrabenen Mauer: „Einerseits haben sich zwischen den Mauern in großer Dicke ältere Schichten von Holz und womöglich auch Steingebäuden erhalten; andererseits sind aus bisher unbekannten Gründen die mehr als zwei Meter tief reichenden Mauer- und Fundamentreste nicht ausgebrochen, sondern als Ganzes bestehen geblieben“, sagt Dorothee Ott vom BLfD.

    Trotzdem wird der Fund wohl wieder im Boden verschwinden. „Auf Augsburg bezogen ist das Ziel jetzt, den im zu bebauenden Grundstück liegenden Teil der Therme nicht weiter auszugraben. Die Möglichkeit, die Mauern quasi als das ,Gerippe‘ des antiken Gebäudes zugänglich zu machen, steht unseres Erachtens nicht zur Debatte“, so die Denkmalschützerin. Vielmehr solle das Bodendenkmal möglichst als Ganzes ungestört im Boden erhalten bleiben. Dazu sei man mit dem Bauherrn im Gespräch.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden