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Augsburg: Grausige Knochenfunde im Schrebergarten

Augsburg

Grausige Knochenfunde im Schrebergarten

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    Werner Schindel hält in einer Kleingartenanlage in Augsburg einen Zeitungsausschnitt mit einem historischen Kupferstich des Geländes. In der kleinen Schrebergartenanlage mitten in Augsburg hegen und pflegen Hobbygärtner seit Jahrzehnten ihre Parzellen. Doch noch vor gut 200 Jahren war das Gelände ein Friedhof. dpa
    Werner Schindel hält in einer Kleingartenanlage in Augsburg einen Zeitungsausschnitt mit einem historischen Kupferstich des Geländes. In der kleinen Schrebergartenanlage mitten in Augsburg hegen und pflegen Hobbygärtner seit Jahrzehnten ihre Parzellen. Doch noch vor gut 200 Jahren war das Gelände ein Friedhof. dpa

    Die kleine Schreibergartenanlage ist umgeben von der hohen Augsburger Stadtmauer. Auf dem verwunschenen Gelände wachsen üppige Sträucher, Blumen und Gemüsepflanzen. Doch vor gut 200 Jahren buddelten hier nicht Hobbygärtner, sondern Totengräber. Das Areal im Herzen der Fuggerstadt war einst ein Friedhof. Noch heute finden die Garten-Pächter beim Graben in der Erde menschliche Überreste aus dieser Zeit.

    "Es reicht, wenn man 30 Zentimeter in die Tiefe geht - und schon findet man etwas", erzählt Quirin Bauer. Der 30-Jährige ist seit 2011 Pächter einer Parzelle auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Gelände - und hat bereits unfreiwillig einen Schienbeinknochen und ein paar menschliche Zähne aus dem Erdreich geholt. "Wir schmeißen sie nicht weg, sondern vergraben sie dann wieder, nur etwas tiefer. Meine Nachbarin sagt immer, man muss die Totenruhe bewahren", sagt Bauer.

    "Hier und da etwas liegen lassen"

    Auf ganze Skelette oder auch Schädel können Bauer und die anderen Kleingärtner aber nicht stoßen - 1806 war der Friedhof wegen eines königlichen Ediktes hinter die Stadtmauer verlegt worden. Die Toten wurden exhumiert und auf das neue Gelände umgebettet. Deshalb finden sich am ehemaligen Friedhof am Lueginsland heute nur noch kleinere Knochen oder auch Zähne. "Die haben eben hier und da etwas liegen lassen", erzählt Bauer. "Am Anfang war es schon etwas komisch, aber heute stört uns das nicht weiter", sagt der 30-Jährige. Vor allem für die älteren Pächter seien die Funde schon zur Normalität geworden.

    Zu ihnen gehört auch der Obmann der Schrebergartenanlage, Werner Schindel. Der 68-Jährige hat seit rund 20 Jahren eine Parzelle und kennt die Geschichte des Geländes gut. 1494 kaufte die Stadt seinen Angaben zufolge das Grundstück und machte es zum Friedhof für katholische Ordensschwestern. "Die Kirche hat richtige Lagepläne. Sie können uns auf den Meter genau sagen, wo das Grab einer bestimmten Nonne lag", sagt Schindel. Zu bestimmten Festtagen kämen die Nonnen noch heute regelmäßig und zündeten Kerzen für die Verstorbenen an.

    Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 ging der Friedhof an die evangelische Kirche und wurde im Spanischen Erbfolgekrieg (1703/04) von den bayerischen und französischen Besetzern zweckentfremdet. "Sie haben eine Zitadelle hier aufgebaut und die Stadt beschossen, um sie einzunehmen. Das war das Ziel", erzählt Schindel. Danach wurde das Areal wieder zu einem Gottesacker gemacht und blieb es bis zum königlichen Edikt 1806. Erst dann nutzten Gärtner das brachliegende Stück Land. "1882 wurde der Obst- und Gemüsebau sowie der Bienenzuchtverein hier gegründet", sagt Schindel.

    Wunderbare Idylle in der Großstadt

    Wie seinen jungen Gartennachbarn Quirin Bauer stört Schindel nicht, dass Knochen unter der Erde schlummern. "Da liegen ja schon Jahrhunderte dazwischen", sagt der Rentner. "Für die meisten von uns hier ist die ganze Anlage eine wunderbare Idylle in der Großstadt. Dass ab und zu mal ein Knochen gefunden wird oder irgendwelche anderen Insignien aus den Gräbern, wie Tonscherben, das gehört dazu."

    Zudem seien die Funde heute lange nicht mehr so zahlreich wie zu Beginn der Gärtnerzeit. "In 130 Jahren sind hier Massen von Erde bewegt und es ist Erde aufgeschüttet worden. Aber es wandert eben immer mal wieder etwas nach oben", sagt der 68-Jährige. Und wenn Bäume entfernt werden müssten, dann gehe man automatisch in die Tiefe, "da kommt sowas schon mal zum Vorschein". dpa

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