Drei Wochen sind seit dem Jugendfestival Modular vergangen. An drei ausverkauften Tagen hatte es insgesamt 30.000 vorwiegend jüngere Besucher auf das Gelände am Wittelsbacher Park beim Kongress am Park gelockt. Der Stadtjugendring als Veranstalter und die Besucher waren danach begeistert. Alles verlief gut und friedlich. Doch es gab auch Kritik: Anwohner klagten über den Lärm und teils über unliebsame Hinterlassenschaften von Festivalbesuchern im Umfeld der Festzone. Unmittelbar nach Ende des Festivals tauchte die Frage auf, ob Modular mittelfristig eine Zukunft am Wittelsbacher Park hat.
Diese Entscheidung liegt beim Stadtjugendring, der aber auf das Wohlwollen der Politik angewiesen sein dürfte. Immerhin unterstützt die Stadt das Modular mit einem jährlichen Zuschuss von 75.000 Euro. Damit dürfte ein Mitspracherecht beim Standort verbunden sein. Als Alternative zum Wittelsbacher Park kommt das Gaswerkareal in Oberhausen ins Spiel. Dieses Gelände, das den Stadtwerken gehört, wird gegenwärtig zu einem Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft umgebaut. Früher gab es dort das Grenzenlos-Festival, das aufgegeben wurde.
Die Frage des Modular-Standortes bewegt die Gemüter. Das räumte die Stadtspitze am Donnerstag ein. Oberbürgermeister Kurt Gribl spricht von vielen Zuschriften, die Bürger an die Verwaltung gerichtet hatten. Es waren Schreiben von erbosten Anwohnern ebenso dabei wie Stimmen, die Modular in der Innenstadt halten wollen. Bislang hat es die Stadtspitze vermieden, sich klar zu positionieren. An dieser Strategie hat sich vorerst nichts geändert. Gribl und die für den Kongress am Park zuständige Bürgermeisterin Eva Weber haben sich auf einen Weg zur Entscheidung festgelegt, wie sie mitteilen: „Das Modular-Festival steht nicht zur Debatte. Wir unterstützen es uneingeschränkt seit 2008. Aber wir sollten mit den Bürgern sprechen und nicht an ihnen vorbei entscheiden.“
Anwohner sollen beim Modular mitreden
Die Stadtspitze sucht deshalb den direkten Draht zu den Bürgern. Deswegen soll im September eine Dialogveranstaltung im Kongress am Park stattfinden, an der sich sowohl Befürworter einer Fortsetzung im Wittelsbacher Park wie auch Anwohner und Kritiker beteiligen können. Der „Bürgertalk Modular“ wird von Stadt organisiert. Bürgermeisterin Weber sagt: „Es ist mir wichtig, dass das Modularfestival kein Streitfall wird, denn wir können stolz auf das sein, was der Stadtjugendring mit seinen vielen ehrenamtlichen Helfern auf die Beine stellt. Und wir wollen dem Stadtjugendring Planungssicherheit verschaffen“.
In den Gesprächen sollen es unter anderem darum gehen, was für den Naturschutz getan wird und wie das Ordnungsamt das Festival sieht. Kulturreferent Thomas Weitzel sieht in der Veranstaltung eine gute Gelegenheit, die unterschiedlichen Interessen abzuwägen: „Das Modularfestival ist Popkultur vom Feinsten mit einen hohen Maß an bürgerschaftlichem Engagement. Wir sollten uns bemühen, dass daraus kein Politikum wird“.
Franz Schenck, Vorsitzender des Stadtjugendrings, bestätigt, dass der Verband sich mit der Stadt „in guten Gesprächen“ befinde. „Wir werden sicher gemeinsam einen Standort für 2018 finden“, sagt er am Donnerstag. Eine Präferenz vom Veranstalter werde es zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben, sagt Schenck: „Es ist alles offen.“ Das hört sich etwas anders an als zum Ende von Modular. Da hatte der Stadtjugendring durchblicken lassen, dass er im Wittelsbacher Park gerne bleiben wolle, denn ursprünglich sollte das Festival dort 2017 zum letzten Mal sein.
Das moderierte Format „Bürgertalk“ war erstmals im Dezember 2016 zur Theatersanierung in der Brechtbühne abgehalten worden. Es gibt dem Publikum die Möglichkeit, auf dem Podium mitzureden und ins direkte Gespräch mit den Verantwortlichen zu kommen.
Andere Gruppen legen sich fest
Während sich die Stadtspitze bei der Standortwahl für 2018 noch nicht festgelegt hat, gibt es in einigen Rathaus-Fraktionen bereits erste Präferenzen. Die SPD will das Modular bis zum Jahr 2020 am Wittelsbacher Park belassen. In der Abwägung der beiden möglichen Standorte Wittelsbacher Park und Gaswerk spricht sich Pro Augsburg zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls dafür aus, den Park beim Kongress am Park vorerst weiter zu nutzen. Zumal das Gaswerk gegenwärtig umgebaut werde. Die Stadtwerke hatten zuletzt wissen lassen, „dass Modular prinzipiell auch 2018 durchführbar wäre“.
Die Dimension des Modularfestivals zeigt sich am Etat. 800.000 Euro waren dieses Jahr veranschlagt. Der Stadtjugendring veranstaltet das Fest im Auftrag der Stadt. Sie gibt einen Zuschuss von 75.000 Euro. Sponsoren zahlen 100.000 Euro. Der Ticketverkauf erzielt 350.000 Euro. Alle drei Tage waren ausverkauft. Über Standmieten und Getränkeverkauf kommen 250.000 Euro zusammen.
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