Markus Ziegler ist ein großer Hundefreund, einer, der sagt: „In mir fließt Hundeblut.“ Der Inhaber der Augsburger Hundeschule sagt aber auch: „Viele Leute sind mit der Hundehaltung überfordert.“ Ziegler, der zwei Rottweiler besitzt und auch als Gutachter tätig ist, betont: „80 Prozent der Hunde sind super.“ Bei denen, die Ärger machen, andere Hunde oder Menschen angreifen, habe das fast immer denselben Grund: schlechte Sozialisation.
20 Prozent Hunde, die Probleme bereiten können, das sind bei 8100 Vierbeinern in Augsburg – Tendenz steigend – immer noch über 1600. Bei Polizei und Stadtverwaltung landen trotzdem vergleichsweise wenig Anzeigen. Unlängst biss ein freilaufender Hund in Oberhausen eine Zehnjährige ins Gesicht, als diese ihn streicheln wollte. Der Besitzer konnte bislang nicht gefunden werden. Schlagzeilen machte vergangenes Jahr ein Vorfall im Landkreis Aichach-Friedberg, bei dem ein Bullterrier seinen Besitzer und dessen Freundin angriff und schließlich von der Polizei erschossen werden musste.
Hilft ein Hundeführerschein vor Übergriffen?
In Augsburg gingen 2015 etwa 20 Anzeigen bei der Ordnungsbehörde ein. In anderen Jahren sind es schon mal 60. Polizei und Stadtverwaltung gehen davon aus, dass vieles nicht zur Anzeige gebracht wird. In 80 Prozent der Fälle kommt es laut Ordnungsreferat zu einer Anleinpflicht für bestimmte Bereiche, aufgrund des Tierschutzrechts nur sehr selten auch zu einem Maulkorbzwang. Im Sommer gewann die Stadt einen Prozess gegen eine Frau, die gegen die Anleinpflicht geklagt hatte. Dabei kam heraus: Andere Kommunen verschärfen die Vorschriften. In Augsburg sieht man dazu keinen Anlass. Leinenzwang besteht für erlaubnispflichtige Kampfhunde in den Naherholungsbieten Kuhsee und Autobahnsee sowie in der Grünanlage Hettenbachufer. Die Tiere dürfen außerdem nicht auf Spielplätze und in der warmen Jahreszeit nicht auf Liegeflächen der Naherholungsgebiete.
Wer sich mit dem Welpen zu wenig beschäftigt, bereut das später
Gibt es Ärger, muss der Besitzer in vielen Fällen ein Wesensgutachten erstellen lassen. Michael Ziegler nimmt solche Gutachten vor und weiß: Viele Menschen beschäftigen sich nicht so intensiv mit dem Tier, dass es gut erzogen und ausgelastet ist. Seiner Ansicht nach machen sich viele keine Gedanken darüber, welche Hunderasse sie sich zulegen. So manches Herrchen lässt auch dem putzigen jungen Hund einiges durchgehen, was ihm später nur schwer abzugewöhnen ist, statt anzufangen, ihn schon als Welpen an grundlegende Verhaltensweisen zu gewöhnen. Etwa daran, zu gehorchen, wenn er gerufen wird.
Was soll man tun, wenn ein Hund zu nahe kommt?
„Man muss Verständnis haben, dass manche Leute Hunde nicht wollen“, betont Ziegler. Damit Besitzer lernen, damit umzugehen, fordert der Experte einen Hundeführerschein, wie ihn Niedersachsen als erstes Bundesland verpflichtend für alle neuen Hundehalter eingeführt hat. Auch anderswo gibt es ihn: In München wird man ein Jahr von der Hundesteuer befreit, wenn man die Prüfung abgelegt hat, in Hamburg muss man sein Zamperl dann nicht anleinen. Ziegler glaubt, dass sich so viel regulieren ließe. Denn selbst das Futter habe Einfluss auf das Verhalten. Vielen sei auch nicht klar, welcher Stress es für die Tiere bedeutet, wenn sich 8000 Hunde in einer Stadt tummeln und ständig Reviergrenzen überschritten werden.
Was aber rät er, wenn einem ein Hund näher kommt, als einem lieb ist? Gerade Joggern und Radlern passiert das, weil die Bewegung den Jagd- bzw. Hütetrieb anregt. Ruhig bleiben, ruhig atmen, nicht anstarren, nicht weglaufen, nicht reden, die Kommunikation nicht „füttern“, weil dann im besten Fall der Hund etwas anderes spannender findet. „Entspannt in den Himmel schauen.“ Ziegler gibt zu, dass das nicht einfach ist. Man solle sich vor Augen führen: Wenn ein Hund hätte beißen wollen, hätte er es schon getan. Doch wenn er auf ein Kind losgeht, helfe nur eines: Dazwischenstellen, drei Schritte vor und brüllen. Und hoffen, dass man es nicht mit einem der wenigen völlig gestörten Tiere zu tun hat.