Die Stadt untersucht gemeinsam mit der Technischen Universität München das Abwasser aus Augsburg und den ans Kanalnetz angeschlossenen Umlandgemeinden auf Coronaviren. Eine aktuelle Studie läuft seit August. Ziel ist es, dem Gesundheitsamt ein zusätzliches Instrument an die Hand zu geben, um die aktuelle Infektionslage beurteilen zu können. Es gehe um eine Art Frühwarnsystem, so das für die Stadtentwässerung zuständige Baureferat. Ein ähnliches Projekt, das weiter fortgeschritten ist, gibt es bereits im Landkreis Berchtesgaden. Vorrangig, so das Baureferat, gehe es nun darum, die Labordaten so aufzubereiten, dass sie dem Krisenstab der Stadt ständig zur Verfügung gestellt werden können.
Die höhere Virenlast spiegelte sich auch im Augsburger Abwasser wider
Die Stadtentwässerung ist bereits seit August 2020 an dem Forschungsvorhaben beteiligt. Im ersten Jahr ging es darum, das Nachweisverfahren zu optimieren. Dafür wurden Proben an mehreren Stellen im Kanalnetz und unmittelbar vor dem Klärwerk, wo alles Abwasser zusammenfließt, genommen. In der vorausgegangenen Studie, so das Baureferat, seien gewisse Zusammenhänge mit dem Infektionsgeschehen in der Stadt erkennbar gewesen. Unter anderem spiegelte sich die höhere Virenlast der Beta-Variante, die in der dritten Welle im Frühjahr 2021 herrschte, auch im Abwasser wider. Allerdings sei eine Vorhersage steigender oder sinkender Infektionszahlen in der ersten Studie nicht möglich gewesen, weil der Spielraum bei der Interpretation der Ergebnisse noch zu groß war.
Der kommissarische Gesundheitsamtsleiter Dr. Thomas Wibmer sagte zuletzt im Stadtrat, dass man sehen müsse, welchen praktischen Stellenwert die Abwasseruntersuchungen in der täglichen Arbeit haben werden. Theoretisch hat die Methode aber Potenzial: Es wird vermutet, dass die Abwasser-Überwachung schon einige Tage, bevor Infektionsfälle durch Tests nachgewiesen sind, Hinweise aufs Infektionsgeschehen gibt.
Corona-Infektionsgeschehen lässt sich über das Abwasser nachvollziehen
Hintergrund ist, dass Infizierte die Viren schon vor Beginn von Symptomen auszuscheiden beginnen. Darüber hinaus, so das Baureferat, werde mit den Beprobungen die Gesamtbevölkerung unabhängig von der Testbereitschaft erfasst. Inzwischen könne man auch verschiedene Mutanten im Abwasser identifizieren. Letztlich, so die Stadt, schlage das Verfahren bei etwa 20 Infizierten pro 100.000 Einwohnern an. Im Rahmen des Forschungsvorhabens mit der TU München soll auch geprüft werden, ob das Abwassermonitoring auf andere Viren angewendet werden kann.