Unterschiedlicher könnte die Gemütslage kaum sein. Während Renate und Uwe Benno, Inhaber der Gaststätte "Zum Schober" in Lechhausen, sehr zufrieden sind, fürchtet Kegelburg-Inhaber Thomas Preißler um seine wirtschaftliche Existenz. Beide riefen unlängst den RTL-Restaurant-Tester Christian Rach zu Hilfe, weil sie keinen Ausweg aus ihren wirtschaftlichen Problemen mehr sahen.
Den Bennos bescheinigte der gefürchtete Kritiker 2008 eine gute Küche. Seine Verbesserungsvorschläge betrafen vor allem die triste Außenfassade und die Milchglasfenster, die dann ersetzt wurden. Nach der Ausstrahlung der Sendung setzte ein Ansturm ein, der die Inhaber völlig überraschte. "Wir waren sechs bis acht Wochen im Voraus ausgebucht", erinnert sich Renate Benno. Wenn sie zehn Prozent dieser Kunden halten könnten, sei er glücklich, sagte Uwe Benno damals. Es kam besser: Auf 40 bis 50 Prozent beziffert er zwei Jahre später den Zugewinn. "Wenn Christian Rach im Fernsehen zu sehen ist, merken wir sofort, wie die Nachfrage anzieht. Die Leute erinnern sich an uns", äußert sie. Das Geschäft laufe insgesamt "gut".
Auch viele Stammgäste seien hinzugekommen. So auch Angelika und Klaus Bachhuber. "Die Gaststätte kenne ich noch aus den Fünfzigern, als ich in Lechhausen aufgewachsen bin", sagt Bachhuber. Wiederentdeckt haben die Eheleute die Gaststätte durch die Ausstrahlung bei Rach. Weil der Starkoch die Küche des Gasthauses lobte, reservierten sie Plätze, waren begeistert und fahren seither häufiger von Pfersee nach Lechhausen. "Die Qualität ist super. Weil hier sehr viele Familienfeiern stattfinden, rufen wir vorher aber immer an und reservieren Plätze", so Angelika Bachhuber.
Über einen solch dauerhaften Zuspruch würde sich auch Thomas Preißler im Spickel freuen. Nachdem Rach ihm 2009 unter die Arme Griff, lief die Kegelburg zunächst auch wieder. In der Weihnachtszeit und im Januar habe der Laden "gebrummt", so Preißler. Dann jedoch begannen die Bauarbeiten in der Friedberger Straße. "Nach der Sendung kamen viele Besucher aus dem Friedberger Raum. Durch die Arbeiten für die Straßenbahnlinie 6 und die damit verbundenen Teilsperrungen war eine Anfahrt aus Richtung Friedberg nicht mehr möglich", so Preißler. Die Fertigstellung der Straßenbahn Ende diesen Jahres sehnen viele Gewerbetreibende entlang der vierspurigen Straße herbei. Während diese dann aufatmen können, kommt für Preißler der große Hammer erst noch.
Seine Kegelburg befindet sich ebenso wie das Kanu-Leistungszentrum "Am Eiskanal". Dieses wird in den kommenden zwei Jahren abgerissen und neu aufgebaut. "Die Stadt hat für diese Zeit ein absolutes Halteverbot für die Straße beschlossen. Ich habe aber keine eigenen Parkplätze", beschreibt der Inhaber sein Dilemma. Laut Preißler hat die Stadt empfohlen, seine Kunden sollten am Kuhsee oder am Schwabencenter parken. "Wer nimmt den Fußweg schon auf sich?", fragt er. In seiner Stimme schwingt Resignation mit, auch wenn er betont, "weiterkämpfen" zu wollen.
In seinem Lokal wurde auf Rachs Anraten eine Fensterfront eingesetzt, damit die Essenden die Kegler sehen, aber nicht durch deren Lärm gestört werden. Zudem wurde die Speisekarte umgestellt. Dies machte Preißler aber teils wieder rückgängig. "Wir haben beispielsweise die Schweinefilets wieder rein genommen, weil die Kunden dies wollten. Als Christian Rach noch mal hier war, hat er uns gelobt, schließlich sei entscheidend, was der Gast will."
Preißler hatte nach eigenen Aussagen versucht, den Kontakt zu Rach zu halten, nach mehreren vergeblichen Versuchen aber aufgegeben. Anders bei den Bennos. "Wir telefonieren regelmäßig. Im Mai haben wir ihn in Hamburg besucht", so Uwe Benno. Die Gespräche drehen sich meist ums Kochen und die Krankheit des Wirts. Benno kämpft seit Jahren gegen den Krebs und musste sich auch schon operieren lassen. "Christian Rach schimpft immer, dass mein Mann ruhiger machen soll, aber das ist in der Gastronomie eben schwierig", sagt Renate Benno und zuckt mit den Schultern. Trotz der Probleme sind sie und ihr Mann aber zufrieden, wie sich ihr Berufsleben positiv verändert hat. Christian Mühlhause