Herrenbach/Spickel „Das kann ich auch“, lautet das Credo von Sait Içboyun, das er auch anderen jungen Menschen vermitteln möchte. Gerade im Herrenbach mit einer Migrantenquote zwischen 60 und 70 Prozent, wo er jüngst den Vorsitz im SPD-Ortsverein übernommen hat, möchte er eines zeigen: Sich in eine Stadtgesellschaft einzubringen, erweitere den Horizont ungemein. Der 29-Jährige, der durch seine sprachliche Kompetenz auffällt, hat, wie seine Vita zeigt, auch hart und beharrlich daran gearbeitet.
Im Alter von sieben Jahren kam der kurdisch-alevitisch-stämmige Sait Içboyun nach Deutschland. In einem einjährigen Sprachkurs für ausländische Kinder machte er erste Erfahrungen mit einer fremden Sprache, die er kontinuierlich erweitern, aktivieren, ja, „schmecken“ will. Es folgten Hauptschulabschluss, Werkrealschule, Berufsausbildung zum staatlich geprüften Wirtschaftsassistenten, College im englischen Crawley und zweiter Bildungsweg zum Abitur. Heute steht der Jura-Student vor seinem ersten Staatsexamen.
Zwischendurch fühlte Sait Içboyun auch mal eine „niederdrückend, sinnkrisenähnliche Last“ – als er merkte, dass er nicht der BWL-Typ ist. „Wofür hast du das alles gemacht, wenn du nicht tust, was du eigentlich wolltest“, so seine Überlegung, die ihn die juristische Laufbahn einschlagen ließ. Die Tiefen zu meistern, um die Höhen umso mehr zu genießen – darin besteht für Sait Içboyun die Kunst des Lebens. Seiner Schilderung zufolge kennt er nicht nur Gipfel, sondern auch Niederungen. Im Moment schwimmt er dem eigenen Empfinden nach aber eher oben auf dem Wellenkamm.
Eine starke Truppe an seiner Seite
Die Führung des kleinen SPD-Ortsvereins mit 24 Mitgliedern sieht er als Herausforderung und Chance zugleich. Seit 2001 Parteimitglied, kann er eigenen Worten nach auf eine schlagkräftige Truppe zurückgreifen. Denn Leute wie Sieghard Schramm und Lothar Fürst, die ihm als Beisitzer und stellvertretender Vorsitzender zur Seite stehen, stünden für „Kontinuität und Stabilität“. Als Vize gehören ferner Engin Sanli und Sibel Altunay als Schriftführerin Sevgi Yalcin, als Kassier Orhan Güzelgün und als weitere Beisitzer Anneliese Eberle und Frederik Moser dem Vorstand an.
Früher war Sait Içboyun in Pfersee aktiv. Für ihn sei es jedoch selbstverständlich gewesen, sich nach Umzug in den Herrenbach auch dort im Ortsverein – zu ihm gehört auch der Spickel – zu engagieren. Ungeachtet der Tatsache, dass seine Vorgängerin Gaby Tauber aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, hätte er im kommenden Jahr ohnehin bei den turnusmäßigen Wahlen kandidiert. Seiner Vorgängerin attestiert er jedoch, den Ortsverein mit ihrem Engagement am Leben gehalten zu haben.
Sait Içboyun will junge Menschen für Politik und damit ihre Zukunft begeistern. Die Aufgabe als Ortsvorsitzender versteht er als „Lobby-Politik“ für seinen Stadtteil. Deshalb möchte er, politische Bildungsarbeit leisten und jedem die Möglichkeit geben, etwas zu sagen. Diskussionsrunden auch für Nichtmitglieder seien dafür vorgesehen. (sil)