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Augsburg: Stirbt der Wendehals in Augsburg aus?

Augsburg

Stirbt der Wendehals in Augsburg aus?

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    Der Wendehals brütet in Augsburg nur noch an einer Stelle.
    Der Wendehals brütet in Augsburg nur noch an einer Stelle. Foto: Herbert Henderkes/LBV-Archiv

    Der Wendehals ist ein ungewöhnlicher Specht, und das in vieler Hinsicht. Sein Gefieder sieht ähnlich wie Baumrinde aus. Deshalb ist er in freier Natur schwer zu entdecken. In Bayern ist er so selten geworden, dass er vom Aussterben bedroht ist. Auch in Augsburg ist die Lage für diese Vogelart dramatisch, wie Vogelschützer in einer neuen Untersuchung herausgefunden haben. Und doch gibt es noch einen Funken Hoffnung.

    Seinen Namen hat der Wendehals, weil er schnell und ruckartig seinen Kopf verdreht. Der kleine Specht hat auch noch viele andere interessante Eigenheiten. Wie Martin Trapp von Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Augsburg erläutert, verbringt der Wendehals als einziger der heimischen Spechte den Winter nicht bei uns, sondern in warmen Gebieten wie West- und Zentralafrika. Wendehälse hämmern sich selber keine eigenen Höhlen in Bäume. Und sie sind ausgesprochen wählerisch, was ihre Nahrung angeht. Vor allem fressen sie Larven und Puppen verschiedener Ameisenarten.

    Warum der Wendehals Ameisen mag

    Auf der Roten Liste in Bayern wird der Wendehals als eine vom Aussterben bedrohte Art eingestuft. Denn alte Bäume mit Hohlräumen zum Brüten gibt es immer weniger. Auch magere Böden, die viele Ameisenarten als Lebensraum brauchen, verschwinden mit der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung. Damit fällt im ländlichen Raum die wichtigste Nahrungsgrundlage für den Wendehals schon mal weitgehend weg.

    Augsburg gilt als vergleichsweise grüne Großstadt mit großen, relativ intakten Naturräumen. Ob die seltene Spechtart hier noch Überlebenschancen hat, ist fraglich. „Die Bestandsentwicklung lässt befürchten, dass in absehbarer Zeit unser Gebiet um eine Vogelart ärmer sein könnte“, sagen Experten des LBV. In ganz Schwaben südlich der Donau stehe der Wendehals kurz vor dem Aussterben.

    In Augsburg brütet der Wendehals regelmäßig nur noch an einer einzigen Stelle, auf einer Wiese mit Streuobstbäumen des Preßmarschen Gutes in Siebenbrunn. Ein erster Versuch der LBV-Kreisgruppe Augsburg vor sechs Jahren, mit Nistkästen mehr dieser Spechte zum Brüten zu animieren, brachte allerdings keinen Erfolg.

    Ein Erfolg lässt Vogelschützer hoffen

    Dennoch gaben die Vogelschützer nicht auf. Beratung kam von dem Ornithologen Klaus Brünner. Er hatte zuvor erfolgreich mitgeholfen, Bestände des Wendehalses im östlichen Mittelfranken zu erhalten. Das gelang durch neue Nistkästen, die speziell

    konstruiert sind. Trapp sagt, im Prinzip sei es ein geräumiger Starenkasten mit ausreichend Platz für die großen Gelege des Spechtes mit sechs bis zehn Eiern. Das Flugloch am Eingang ist so klein, dass Brutkonkurrenten wie Stare oder Nesträuber wie Eichhörnchen

    Willi Behringer bringt Bruthilfen für den Wendehals an.
    Willi Behringer bringt Bruthilfen für den Wendehals an. Foto: H. Henderkes

    nicht hineinkommen. Der städtische Landschaftspflegeverband finanzierte zehn dieser neuen Brutkästen, die im April 2019 aufgehängt wurden. Was die Vogelschützer ermutigt: Immerhin ein Brutkasten im Bereich der renaturierten Wertach wurde von Wendehälsen angenommen. Im August wurden dort Jungvögel entdeckt. Trapp sagt, „dieser selten zu erbringende Brutnachweis bietet Anlass zu vorsichtigem Optimismus“. Damit sei bewiesen, dass geeignete Nisthilfen angenommen werden, wenn der Lebensraum passt. Dieses Jahr wollen die Vogelschützer weitere Brutkästen an der Wertach in Inningen und Göggingen installieren. Vielleicht können sie damit helfen, den Wendehals doch noch vor dem Aussterben zu retten.

    Diese Untersuchung ist in den neuesten Berichten des Naturwissenschaftlichen Vereins nachzulesen, die soeben erschienen sind. Mit acht Artikeln auf 144 Seiten bietet die Publikation ein breites Spektrum naturkundlicher Forschung aus Schwaben. Weitere Informationen gibt es unter www.nwv-schwaben.de.

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