An der Ackermann-Brücke hat das Aufräumen begonnen, nachdem das Bauwerk am Dienstag bei Abrissarbeiten unvorhergesehen zusammenbrach und zwei Arbeiter mit in die Tiefe riss. Die Arbeiter, 46 und 53, befanden sich am Mittwoch noch im Krankenhaus, Lebensgefahr besteht aber nicht.
Wenn es gut läuft, sollen die Trümmer der Brücke bis Samstagabend aus der Wertach geborgen sein. Für die nächsten Tage ist weitgehend trockenes Wetter vorhergesagt. Das entspannt die Lage, denn bei einem Hochwasser würden die Trümmer wie eine Staumauer wirken – 1999 hatte ein verstopftes Wertachwehr zum Augsburger Pfingsthochwasser geführt.
Die Baufirma baute gestern eine Rampe, um einen weiteren Bagger ins Flussbett bekommen, der die Brückentrümmer zerlegen soll. Auch der mit dem Brückenteil acht Meter in die Tiefe gestürzte Bagger soll zum Einsatz kommen. Er ist noch funktionstüchtig. Mit einer Hydraulikschere werden die Stahlträger zerlegt und der Schutt mit Lkw abtransportiert. Was den noch stehenden nördlichen Brückenteil betrifft, steht noch nicht fest, wie er nun abgebrochen werden soll. Er wurde bei dem Absturz seines Nachbarn lädiert.
Sachverständige suchen nach der Ursache für den Einsturz
Zur Unglücksursache herrscht weiter Rätselraten. Noch am Dienstag machte sich der von der Polizei beauftragte Sachverständige daran, die Unglücksstelle zu untersuchen. Die Berufsfeuerwehr assistierte bei der Vermessung der Brückentrümmer mittels Laser mit einer Drehleiter. Am Mittwochvormittag gab die Polizei die Örtlichkeit frei. Bis das Gutachten fertig ist, dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Es wird sich mit dem Abbruchkonzept, dem tatsächlichen Vorgehen und der Materialbeschaffenheit der Brücke befassen – und wer gegebenenfalls die Verantwortung für das Unglück trägt.
Wie berichtet hatte der Führer eines Baggers, der auf der südlichen der beiden Abbruch-Brücken stand, mit einem Meißel den Beton auf der nördlichen Brücke bearbeitet. Für den Abbruch wurden die Bauwerke mit zwei dünnen Stahlträgern verbunden, um ein Umkippen zu verhindern, doch grundsätzlich stehen die beiden Brücken unabhängig voneinander. Darum ist es umso überraschender, dass die Brücke, an der zum Unglückszeitpunkt gar nicht gearbeitet wurde, einstürzte.
Eingestürzte Brücke war nicht mit Hilfsjoch gesichert
Fest steht, dass die Stadt vom Bauunternehmen eine so genannte Abbruchstatik erstellen und von einem Prüfstatiker gegenrechnen ließ. In einer solchen Berechnung wird berücksichtigt, dass sich die Standsicherheit einer Brücke im Zuge ihres Abbruchs ständig ändert. Sie wird leichter, verliert aber Stabilität, wenn tragende Teile abgebaut werden. Die Abbruchstatik legt fest, welche Teile in welcher Reihenfolge mit welchen Geräten abgebrochen werden dürfen.
Die eingestürzte Brücke war, anders als ihr zwei Meter weiter nördlich stehender Zwilling, nicht mit einem so genannten Hilfsjoch gesichert. Die Stadt hatte diesen Zusatzpfeiler in der Brückenmitte vor vier Jahren ins Flussbett der Wertach gestellt. Hintergrund war, dass die nördliche Brücke als instabiler galt als die nun eingestürzte Südbrücke und zudem die Schwertransporte von MAN-Schiffsdieseln tragen musste. Um diese Brücke nicht sperren zu müssen, wurde der Notpfeiler eingezogen. „Auf der südlichen Brücke war das nicht nötig. Sie war in besserem Zustand“, so Weber.
Bei der Stadt betonte man, dass Autofahrer, die noch vor einer guten Woche über die Brücken fuhren (pro Tag passieren insgesamt 40 000 Fahrzeuge den Übergang), nicht gefährdet gewesen seien. Auf beiden Brücken hätte aufgrund ihres Zustands bald eine Teilsperrung gedroht. „Aber sie waren nicht einsturzgefährdet. Wir haben sie genau im Blick gehabt“, so Weber. Aktuell läuft der Verkehr über eine Behelfsbrücke.