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Augsburger Geschichten: Der Hofgarten – ein Kleinod in der Innenstadt

Augsburger Geschichten

Der Hofgarten – ein Kleinod in der Innenstadt

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    Der Hofgarten bildet eine idyllische grüne Insel der Ruhe inmitten der Stadt. 130 über den Park verteilte Sitzplätze laden zum Entspannen und Entschleunigen ein.
    Der Hofgarten bildet eine idyllische grüne Insel der Ruhe inmitten der Stadt. 130 über den Park verteilte Sitzplätze laden zum Entspannen und Entschleunigen ein. Foto: Franz Häusler

    Der Hofgarten ist seit 55 Jahren eine beliebte idyllische Grünoase in Augsburgs „Regierungsviertel“: Von Wind und Umweltgeräuschen abgeschirmt durch Gebäude der Regierung von Schwaben, vom staatlichen Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung sowie von einer Wohnhauszeile, bildet der Hofgarten eine grüne Insel der Ruhe in der Kernstadt. 2996,2 Quadratmeter Fläche errechnete das städtische Geodatenamt für die „Grünanlage 0055.01“ aus dem digitalisierten Stadtplan.

    Ein strahlender, vorsommerlich warmer Wochentag im Hofgarten im April: Am frühen Vormittag werden die ersten der 70 weißen Metallstühle belegt. Der im Juli 2003 aufgestellte „Bücherschrank für jedermann“ wird zum Anlaufpunkt. Er wurde aus der Müller-Spengler-Stiftung finanziert. Sie ist der Förderung öffentlicher Büchereien in Augsburg gewidmet. „Entsorgungsgut“ wird einsortiert, Nutzer“ lassen sich zum Schmökern nieder oder packen Lesestoff zum Mitnehmen ein.

    Junge Besucher reservieren sich "Deckenplätze"

    Nach und nach lockt die Sonne Freiluftgenießer jeglichen Alters in den Hofgarten. Es herrscht ständig Bewegung, aber keine Hektik. Das „Hofgarten-Gärtnerteam“ des Grünamtes, das den Hofgarten absolut chemiefrei pflegt, gießt Blumen und Sträucher. Es achtet darauf, dass der Rasen trocken bleibt. Einige Quadratmeter der Grasfläche verwandeln sich nämlich in „Deckenplätze“ junger Besucher. Bewohnerinnen benachbarter Senioren-Residenzen genießen im Hofgarten ganz offensichtlich nicht nur die Sonne, sondern auch die Szenerie, zumal ein Brautpaar Fototermin in der Gartenidylle hat.

    Für all diese Besucher ist die Geschichte des Hofgartens sicherlich unwichtig: Sie genießen ihn! Meist lesen nur Augsburg-Touristen das golden glänzende Schild am Eingangsportal mit einer Kurzinformation. Sie enthüllt allerdings nicht, woher die Bezeichnung „Hofgarten“ kommt. Die Erklärung: Er gehörte zum fürstbischöflichen Hof! Fürstbischof Johann Franz Schenk von Stauffenberg ließ sich 1739/40 diesen Hofgarten anlegen. Der intime Barockgarten mit einer Fontäne in seiner Mitte fand Platz zwischen Stallungen, Kutschenremisen, der Hofreitschule und einer hohen Begrenzungsmauer der Domstadt im Norden.

    Sieben schlanke Grazien stehen auf Pfeilern

    Die Einfriedung mit Eingangsportal und Gittern an der Südseite kam 1744 dazu. Dort stehen auf Pfeilern sieben schlanke Grazien mit Attributen, deren Symbolik sich uns nicht mehr erschließt. Als die Statuen vor 275 Jahren dort platziert wurden, war das anders. Der Hofgarten war dem Bischof und der Geistlichkeit vorbehalten. Diesen Herren waren die allegorischen Darstellungen der vier Kardinaltugenden (Starkmut, Hoffnung, Glaube, Liebe) und der drei theologischen Tugenden (Mäßigung, Gerechtigkeit, Klugheit) geläufig. Das Portal wird von zwei Löwen überragt. Der linke hält ein Schild mit dem Wappen des Domkapitels, der rechte das Wappen des Fürstbischofs Joseph Landgraf von Hessen-Darmstadt. Er regierte von 1740 bis 1768 und gab die Skulpturen in Auftrag.

    1806 übernahm das Königreich Bayern die fürstbischöfliche Residenz. Seit 1817 ist sie ein staatlicher Verwaltungssitz: Die Regierung von Schwaben „residiert“ darin. Als um 1820 eine Straßenverbindung zwischen dem Fronhof und der „Frauenvorstadt“ geschaffen wurde, war das nur durch Beschneidung des Hofgartens möglich. Es ist der Südabschnitt der Alten Gasse, an dem eine Mauer mit Durchblicken verläuft. In einem Plan um 1820 sind ein Brunnen und 79 Bäume eingezeichnet: Aus dem barocken Park war ein Obstgarten geworden. Er blieb es danach über 140 Jahre lang. Für die Öffentlichkeit war auch der nunmehrige Nutzgarten verschlossen – bis zum 1. Juli 1964.

    Pachtgebühr von 100 Mark im Jahr

    Augsburger hatten 1961 die Öffnung des Hofgartens für die Allgemeinheit gefordert. Sie fanden Gehör bei der Regierung. Im Mai 1962 unterbreitete die „Finanzmittelstelle Augsburg des Landes Bayern“ der Stadt einen Vorschlag: Für eine jährliche Gebühr von 100 DM sei der Freistaat Bayern bereit, ihr den ehemaligen fürstbischöflichen Hofgarten zur Umgestaltung in einen Park zu verpachten.

    Am 19. September 1962 beschloss der Stadtrat, „den staatseigenen Hofgarten am Fronhof zu pachten, um daselbst eine öffentliche Grünanlage anzulegen und zu unterhalten“ (Text des Sitzungsprotokolls). Der am 30. Mai 1963 unterzeichnete Vertrag schreibt eine vorerst 25-jährige Nutzungsdauer fest. Sie ist längst abgelaufen. Ein Ende der Pachtzeit ist nicht vereinbart, nur eine beiderseitige Kündigungsmöglichkeit. Anlage und Pflege sind Sache der Stadt, die Integration eines Kinderspielplatzes in den Hofgarten schließt der Pachtvertrag aus.

    Am 1. Juli 1964 wurde der Hofgarten erstmals in seiner Geschichte für die Öffentlichkeit freigegeben. Die Stadt hatte sich für eine zeit- und nutzungsgerechte Parkgestaltung innerhalb der historischen Einfriedung entschieden. Rund 130 Sitzplätze (70 Metallstühle, 16 Holzbänke und eine Steinbank) laden zum längeren Bleiben ein. Man kann sich auf dem erhöhten Nordteil zwischen fünf pittoresken Steinzwergen platzieren (darüber demnächst mehr im „Augsburg-Album“).

    Tafeln an den beiden Zugängen informieren über die Öffnungszeiten: Von Anfang April bis Ende Oktober ist „die kleine Oase der Ruhe und Erholung“ (so die Aufschrift) täglich von 8 bis 21 Uhr zugänglich. Es wird darauf hingewiesen, dass der Hofgarten für Hunde tabu ist, Radfahren sowie Ballspielen nicht erlaubt sind.

    Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie im Online- Angebot unserer Zeitung unter

    www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-album

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