Ein paar Wochen sind vergangen, seit das Bürgerbegehren gegen die geplante Form der Theatersanierung gescheitert ist. Sie waren einer der Initiatoren. Wie geht es Ihnen jetzt, Herr Idrizovic?
Kurt Idrizovic: Mir geht es gut. Ich fühle mich innerlich befreit. Ich habe auch das sichere Gefühl, dass man etwas erreicht und zusammen durchgestanden hat. Es ging ja nicht um unser Geld, sondern um das aller Bürger. Ich spüre aber auch in der Stadt eine gewisse Erleichterung. Die Spannung zuvor war ja greifbar.
Wie sehr hatte das Bürgerbegehren Ihren Alltag bestimmt?
Idrizovic: Das Thema hat mich gelegentlich beherrscht. Ich schlief manchmal schlecht und wachte morgens mit dem Thema Bürgerbegehren auf. Auch in meiner Buchhandlung war Spannung zu spüren. Aber ich will mich nicht beschweren. Das war Teil des Konflikts und im Wesentlichen absehbar.
Warum geht es Ihnen trotz des Scheiterns so gut?
Idrizovic: Weil ich mir in der Diskussion nichts vorzuwerfen habe. Ich habe versucht, sachlich zu bleiben, also die Sache von den Menschen zu trennen. Daher kommt das gute Gefühl. Dass die Bürger gegen unsere Initiative waren, ist zu akzeptieren. Trotzdem haben wir zu der Theatersanierung wichtige Fragen gestellt. Und wir haben auf den Sanierungsprozess Einfluss nehmen können. So war es auch gedacht.
Warum meinen Sie, dass Sie trotz Niederlage mit dem Bürgerbegehren etwas erreicht haben?
Idrizovic: Damit wurde in der Stadt ein intensives Gespräch über die Theatersanierung entfacht. Aber auch über die Frage, was ist einer Stadt wie Augsburg Theater wert und was soll es leisten? Wir sind jetzt alle ein Stück weiter. Die Augsburger sind sich dadurch vielleicht auch erst manchen Dingen bewusst geworden. Etwa, dass die Brechtbühne abgerissen wird. Sie wurden für das Thema sensibilisiert und schauen genauer hin, was die Stadt macht. Das schadet nicht, im Gegenteil.
War denn vor dem Bürgerbegehren die Auseinandersetzung mit der Theatersanierung nicht ausreichend?
Idrizovic: Eigentlich hätte die Diskussion über die Kosten der Theatersanierung im Stadtrat geführt werden müssen. Aber durch die politische Konstellation – CSU, SPD und Grüne sind in der Regierung – entsteht ein oppositionelles Vakuum. In dieses Vakuum sind wir mit dem Bürgerbegehren gestoßen. Vielleicht war auch das der Grund für die Heftigkeit der Diskussion. Aber Streiten muss sein. Wenn eine Auseinandersetzung nicht dort geführt wird, wo sie geführt werden sollte, wie im Bundestag oder in unserem Fall im Stadtrat, braucht es jemand anderen, der die Diskussion antreibt.
Sie sehen sich also nicht als Querulant?
Idrizovic: Warum sollte ich? Wir haben ein Recht in Anspruch genommen, das die Bayerische Gemeindeordnung Bürgern zugesteht. Ich bin kein Unruhestifter um der Unruhe willen. Ich sehe mich als interessierten Bürger, der sich informiert und der im Fall der Theatersanierung sagte, dass das so nicht geht. Dann muss man aber auch Verantwortung übernehmen, das habe ich gelernt.
Haben Sie geahnt, was mit dem Bürgerbegehren auf Sie zukommt?
Idrizovic: Mir war klar, dass es nicht einfach wird. Aber so schwer und so intensiv... Vor allem hatte ich mit der anonymen Wucht nicht gerechnet. Ich hätte nicht gedacht, dass es in einer zivilisierten Stadt nötig ist, sich mit Schmierereien und Boykottaufrufen auseinandersetzen zu müssen. Das war das Unangenehmste. Man hat auch keine Chance, auf anonyme Vorwürfe zu reagieren.
Erhalten Sie noch anonyme Schreiben?
Idrizovic: Ja, aber es ist weniger geworden. So etwas bekomme ich noch (Er zeigt einen Zettel. Darauf steht unter anderem: „…Geh doch wieder zurück, wo du hergekommen bist du Idrizovviicc... auf solche Dahergelaufenen wie dich legt hier sowieso niemand besonderen Wert“).
Sie waren neulich beim Bürgertalk der zur Sanierung...
Idrizovic: Natürlich gehe ich zu den Veranstaltungen, weil ich mich weiterhin für das Theater interessiere. Es gibt keinen Grund, sich zu verstecken. Ich spüre auch keine Ressentiments.
Wer oder was hat Ihnen in der turbulenten Zeit geholfen?
Idrizovic: Meine Buchhandlung ist meine Heimat. Das ist mein geschützter Ort. Außerdem hat mich berührt, wie meine Familie und meine Freunde die Zeit mit mir durchgestanden haben. Das gab mir eine gewisse Gelassenheit. Im Übrigen haben wir den Prozess ja als eine Gruppe von Augsburgern initiiert und durchgeführt, die sich trotz des politischen und öffentlichen Gegenwinds solidarisch verhalten hat.
Haben Sie für sich etwas gelernt?
Idrizovic: Ja. Ich habe gelernt, dass Emotionen wichtig sind, politisches Handeln allerdings, so wie die Initiative Kulturelle Stadtentwicklung Augsburg es wollte, Sachlichkeit und Fairness brauchen – auf allen Seiten.
Gibt es etwas, an dem Sie zu knabbern haben?
Idrizovic: Mir tut es leid, dass mein literarischer Salon nicht mehr möglich ist. Den habe ich sechs Jahre lang im Theater veranstaltet. Er ist mir wichtig. Und da die Veranstaltungen stets gut besucht waren, dem Publikum wohl auch. Ich suche nach einer neuen Lösung.
Würde eine Zusammenarbeit mit Frau Votteler noch funktionieren?
Idrizovic: Ja, aber diese Frage stellt sich nicht. Frau Votteler verlässt zum Ende der Spielzeit Augsburg. Mein Ansprechpartner wird, wenn er Interesse hat, ihr Nachfolger André Bücker sein.
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