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Augsburg

05.02.2020

Augsburger Theater: Zahlen zur Sanierung lassen auf sich warten

Die Theatersanierung wird wohl teurer. Neben dem Großen Haus, das aktuell saniert wird, sollen auf den umgebenden Flächen in einem zweiten Bauabschnitt Neubauten für Werkstätten, Verwaltung, eine zweite Bühne und einen Orchesterprobensaal entstehen. Politisch strittig ist, wie man damit umgeht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Im Sommer wurde bekannt, dass der geplante Erweiterungs-Neubau des Augsburger Theaters mindestens 20 Millionen Euro teurer wird. Seitdem wird umgeplant.

Zu den Kosten der Sanierung des Augsburger Theaters wird in absehbarer Zeit wohl keine Klarheit herrschen. Kulturreferent Thomas Weitzel sagte auf Anfrage, dass man noch Möglichkeiten für die Umsetzung des zweiten Bauabschnitts prüfe. Diese Zeit wolle man sich nehmen. "In der Planung gilt für uns der Grundsatz Gründlichkeit vor Schnelligkeit, da es um die Funktionalität einer dauerhaften Spielstätte geht", so Weitzel.

Wie berichtet, kündigte Architekt Walter Achatz im Juli an, dass der zweite Bauabschnitt (Neubau einer zweiten Bühne mit Orchesterprobensaal, Verwaltung und Werkstätten) mindestens 20 Millionen Euro teurer würde, und auch das klappe nur mit einer Verkleinerung. Ohne Einsparungen kam Achatz auf 53 Millionen Euro Zusatzkosten (bei zunächst geschätzten 73 Millionen Euro für dieses Bauteil).

Wie soll die Stadt mit Kostensteigerung bei Theatersanierung umgehen?

Achatz und Stadt kündigten im Sommer an, dass man in einem halben bis dreiviertel Jahr mit mehr Erkenntnissen in den Stadtrat kommen werde. Danach sieht es inzwischen nicht mehr aus. Achatz hatte, um beim Brandschutz Kosten sparen zu können, vorgeschlagen, die zweite Spielstätte und den Orchesterprobensaal, der ursprünglich in einem Anbau zur Volkhartstraße hin untergebracht werden sollte, zu tauschen. Dies ist allerdings nicht so einfach. Man müsse in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Fragen von Anlieferung, bühnentechnischen Abläufen und flexibler Bestuhlung durchspielen, so Weitzel. Erst dann sei es sinnvoll, dem Stadtrat eine Vorentwurfsplanung samt Kostenschätzung vorzulegen.

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Die Frage, wie die Stadt mit der Kostensteigerung umgehen soll, sorgt seit dem Bekanntwerden im Sommer für politische Diskussionen. Zuletzt machte SPD-OB-Kandidat Dirk Wurm im Herbst den Vorstoß, genauer zu prüfen, ob die Stadt aus dem Neubaukomplex nicht die zweite Bühne herausnehmen solle, um so den von der SPD durchgesetzten Kostendeckel von 189 Millionen Euro für die Gesamtsanierung zu halten. Die Interimsspielstätten im Gaswerk und im Martini-Park, die während der bis 2023 dauernden Sanierung des Großen Hauses in Betrieb sein sollen, würden gut angenommen und seien auch als Dauerlösung für eine zweite Spielstätte denkbar. CSU und Weitzel winkten schnell ab. Unter anderem verursache die Aufteilung auf zwei Standorte erheblichen logistischen Aufwand.

Nachdem SPD und Grüne dazu Zahlen verlangt hatten, ist laut einer Berechnung der Stadt inzwischen klar, dass der Weiterbetrieb des Gaswerks als zweite Spielstätte jährlich etwa eine Million Euro (Miete, Personal, Logistik) mehr kosten würde als eine zweite Spielstätte am Innenstadt-Theaterstandort.

Die Theatersanierung im großen Haus
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Bild: Silvio Wyszengrad

Am Dienstag schaltete sich FW-Stadtrat Volker Schafitel in die Diskussion ein. Es sei absehbar, dass vor der Wahl keine Zahlen zur Sanierung mehr genannt würden. So laufe Politik, so Schafitel, der bei der kommenden Wahl nicht mehr antritt. Das, was SPD und Grüne geprüft haben möchten, stellt er als Forderung auf, nämlich den Bau einer zweiten Spielstätte zu streichen, um Kosten zu sparen. Das Gaswerk laufe klasse. "Zwei räumlich getrennte Spielstätten sind in Augsburg auch nicht neu. Die Bedingungen in der Komödie waren nicht ideal, aber es hat über Jahrzehnte funktioniert", so Schafitel.

Steht beim Theater eine Kostenexplosion bevor?

Er bekräftigte seine Befürchtungen, dass beim Theater noch eine Kostenexplosion bevorstehe, die über die sich bisher abzeichnende Steigerung hinausgeht. "Für Bauteil II wurde noch nichts gebaut. Aus anderen Maßnahmen wissen wir, dass das Gros der Kostensteigerungen kommt, wenn Bauarbeiten ausgeschrieben wurden", so Volker Schafitel. Dies betreffe das Bauteil II – also den Neubau einer kleinen Bühne, der Verwaltung und Werkstätten – genauso wie die momentan laufende Sanierung des Großen Hauses.

Die Stadt hatte vor Kurzem mitgeteilt, dass man sich beim Großen Haus gemessen am Baufortschritt im Kostenrahmen befinde (wir berichteten). Schafitel hält dem entgegen, dass in diesen Kosten viele Ausgaben für Planungen stecken. Entscheidend sei aber der Bau. Statt der anvisierten 189 Millionen Euro für Sanierung des Theaters und Neubauten sei ein Rahmen von 300 bis 400 Millionen Euro realistisch. "Man verabreicht der Öffentlichkeit die Kostensteigerungen in kleinen Dosen. Wenn die Leute die erste Verteuerung geschluckt haben, kommt die nächste. Das ist nicht das Ende der Fahnenstange, sondern der Anfang", so Schafitel.

Er fordert vor diesem Hintergrund einen Stopp der Planungen für Bauteil II. "Die Umplanungen haben nur noch damit zu tun, dass man von den Kosten getrieben wird und auf Probleme reagieren muss." Es lohne sich, noch einmal grundsätzlich zu überlegen.

Weitzel erteilte der Forderung nach einem Moratorium eine Absage. Die Planungen müssten vorangetrieben werden, um eine Entscheidungsgrundlage mit Kostenschätzung zu bekommen. "Ein kompletter Planungsstopp würde bedeuten, dass über einen längeren Zeitraum Kosten für die Interimsspielstätten anfallen würden", so Weitzel. Zudem sei das Große Haus für einen Spielbetrieb darauf angewiesen, dass das Bauteil II kommt. Ohne Werkstätten vor Ort werde der Spielbetrieb nur sehr aufwendig zu stemmen sein.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Nicole Prestle: Theater: Die Stadt entscheidet nicht mehr allein

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