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Augsburg

06.04.2018

Augsburgs Hauptbahnhof hat einen miesen Flirtfaktor

Herzensmomente am Bahnhof, wie hier in Hamburg? In Augsburg laut einer Studie eher unwahrscheinlich.
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Vier Wochen lang wurde das Flirtverhalten von Menschen an 30 großen deutschen Bahnhöfen analysiert. Die Station in der Fuggerstadt kommt äußerst schlecht weg.

Der Augsburger Hauptbahnhof ist nicht gerade sexy, sofern sich das überhaupt von einem Bahnhof sagen lässt. Absperrungen, Lärm, in Container ausgelagerte Geschäfte und andere Baustellenzeugnisse tragen derzeit nicht zu seiner Attraktivität bei. Vielleicht ist das der Grund, warum der Hauptbahnhof in einer speziellen Umfrage deutschlandweit so schlecht abschneidet.

Geht es nämlich um den Flirtfaktor an den Hauptbahnhöfen von 30 großen deutschen Städten, dümpelt Augsburg ganz hinten auf Platz 28 herum. Nur Kiel und Braunschweig lässt die Fuggerstadt noch hinter sich. Nürnberg hingegen schafft es weit nach vorne auf Platz 7, München sogar auf Rang 6. Am besten flirten lässt es sich offenbar am Dortmunder Hauptbahnhof. Wie es zu dem Ergebnis kommt?

Warum in Augsburg der Flirtfaktor so schlecht ist

Das will man über die Dating-App „Jaumo“ herausgefunden haben. Das Flirt-Programm, das nach Angaben der Betreiber allein in Deutschland über zwei Millionen Nutzer hat, lässt sich auf Smartphones installieren. Jeder kann damit von sich ein Profil mit Steckbrief und Bild erstellen und in seiner näheren Umgebung nach einem passenden Flirtpartner suchen. Kennzeichnen sich zwei Nutzer gegenseitig positiv, können sie sich schreiben oder besser gesagt, miteinander chatten. Vier Wochen lang wurden die Aktivitäten der angemeldeten Singles an den 30 Hauptbahnhöfen analysiert.

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In Augsburg kam es in der Zeit nur zu 349 „Treffern“, in Dortmund waren es zum Vergleich über 2700. H. Gülmez, die in einem der Ladencontainer am Hauptbahnhof Backwaren und Kaffee verkauft, wundert das schlechte Abschneiden Augsburgs gar nicht. „Es ist hier gerade einfach nicht schön“, sagt sie. Die Baustelle vermiese vielen Bahnfahrern die Laune. „Die Leute ärgern sich, weil sie das Gleis oder das Reisezentrum nicht finden. Wie soll da Flirtlaune entstehen?“

Sophia Potthoff wartet vor dem Bahnhof auf eine Freundin, mit der sie verabredet ist. Hier zu flirten, um sich die Wartezeit zu verkürzen, kommt für die 23-Jährige nicht in Frage. Das liegt aber eher an ihren persönlichen Plänen. „Im Juli gehe ich für ein Jahr nach Australien. Da spare ich mir jetzt das Flirten lieber“, sagt sie und lacht. Die beiden 17-jährigen Freunde Daniel Manntz und Bully Probst würden gar nicht auf die Idee kommen, sich am Hauptbahnhof umzusehen. „Das ist hier wirklich kein Hotspot. Da ist der Plärrer besser“, finden die jungen Männer.

Baustellenchaos statt Flirtlaune

Cecilia S., die an Gleis eins auf ihren Zug wartet, findet Reisen schön. „Aber in Augsburg ist es eher trostlos“, sagt die 36-Jährige. Flirtlaune könne hier gar nicht aufkommen, weil allein Gelegenheiten zum Verweilen fehlen. „Bahnhöfe kann man doch attraktiv gestalten. Gäbe es hier ein paar schöne Cafés, würde das sicherlich zur Flirtlaune beitragen.“ Für Roland Kaschner liegt das Problem ganz woanders und nicht speziell an den Gleisen in Augsburg.

„Die Züge sind inzwischen so getaktet, dass man am Bahnhof nicht mehr viel Aufenthaltsdauer hat.“ Um länger Blickkontakt zu halten oder jemanden gar anzusprechen, bliebe nicht genügend Zeit. „Da halte ich den Flirtfaktor im Zug für wesentlich höher“, sagt der 51-Jährige. Kaschner glaubt, dass die Verhaltensweisen sich an Bahnhöfen generell nicht großartig unterscheiden. Das sieht Beatrix Weinrich, Sprecherin der „Jaumo“ Dating-App ganz anders.

Die Auswertung der Nutzer habe ergeben, dass Zug-Verspätungen den Flirtfaktor erhöhen. Und da gebe es schließlich genügend Wartezeit. Ausschlaggebend sei auch, ob es sich um einen klassischen Umsteigebahnhof handelt, von dem aus man in viele verschiedene Richtungen weiterfahren kann, wo also viel los ist. „Dortmund etwa ist ein großer Umsteigebahnhof.“ Während des vierwöchigen Erhebungszeitraums der Daten dort seien über die App 336.500 „Likes“ an andere Nutzer vergeben worden. Im Vergleich dazu hießen in Augsburg nur 35.313 Nutzer der App andere mit einem „Like“ für gut.

Ob der Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs den Flirtfaktor erhöhen wird, bleibt abzuwarten. Wer jedoch jetzt schon flirtet, könnte bis zu seiner Fertigstellung längst verheiratet sein. So viel steht fest.

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