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Augsburg

11.07.2016

Bald 300.000 Einwohner: Was der Boom für Augsburg bedeutet

In Augsburg leben immer mehr Menschen. Für sie sind unter anderem auf dem Hasenbräu-Areal Wohnungen entstanden.
Bild:  Silvio Wyszengrad

In Augsburg leben immer mehr Menschen. Im April wurde die 290.000er-Marke geknackt. Wer zieht hierher und was bedeutet das Wachstum für die Stadt?

Der Bevölkerungszustrom nach Augsburg hält weiterhin an: Die Stadt, die vor fünf Jahren 270.000 Einwohner (Erst- und Zweitwohnsitz) zählte, hat Ende April zum ersten Mal die Marke von 290.000 Bürgern erreicht. Die Statistiker bei der Stadt gehen davon aus, dass dieser Trend vorläufig anhält: Laut einer Prognose wäre die 300.000er-Marke im Jahr 2019 überschritten. Danach, so die Vorhersage, wird sich das Wachstum aber stark abschwächen. Im Jahr 2030 gäbe es demnach 305.000 Einwohner.

Ursachen: Nach wie vor ist die steigende Bevölkerungszahl durch Zuzüge verursacht. Mehr als zwei Drittel der 2015 neu zugezogenen Augsburger kamen aus Deutschland, 24 Prozent aus dem EU-Ausland und acht Prozent aus dem sonstigen Ausland. Flüchtlinge spielen bei der Zahl von 290000 Bürgern eine Rolle, sofern sie nicht mehr in Erstaufnahmeeinrichtungen leben. In Augsburg sind das momentan um die 2000 Menschen, wobei viele auch schon länger in der Stadt leben. Für das aktuelle Wachstum sind sie also nicht die Hauptursache.

Zwar werden im Trend seit 2011 jedes Jahr mehr Augsburger geboren (rund 2800 pro Jahr), doch gleichzeitig steigt aufgrund der Altersverteilung die Zahl der jährlichen Sterbefälle (3100). Augsburg wäre schon längst eine schrumpfende Stadt, wenn es nicht so attraktiv für Menschen von auswärts wäre. Pro Jahr ziehen aktuell etwa 20.000 Menschen weg, zuletzt zogen aber um die 25.000 Menschen zu.

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Die Neubürger sind jung und gebildet

Wer kommt? Das ist die entscheidende Frage, wenn es darum geht, wie die Bevölkerungsstruktur der Stadt künftig aussieht – worauf muss sich die Stadt einstellen und was bringen die Neubürger im Umkehrschluss für die Stadt? Augsburg ist in Bayern die Stadt mit dem statistisch höchsten Armutsrisiko. Die Augsburger verdienen im Schnitt eher wenig, weil ihre Jobs oft niedrige Qualifikationen voraussetzen.

Die Neuzuzügler, so eine Umfrage der Stadt aus 2013, sind aber überdurchschnittlich gut gebildet. 40 Prozent haben einen Hochschulabschluss, weitere 30 Prozent Abitur. Und sie sind relativ jung und meist Single. Hier spielen Studenten eine Rolle, aber sie sind nicht der Hauptteil. Über 50 Prozent der Neubürger arbeiten in Vollzeit.

Offenbar zieht Augsburg, weil es in der Gewinnerregion Süddeutschland liegt und Nachbar von München ist, gut qualifizierte Menschen an. Dafür spricht, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gestiegen ist, ebenso wie die Zahl der München-Pendler.

Wo sollen die Neubürger leben? Die Wohnungssituation ist das größte Problem am Zuzug. Eine größere Nachfrage trifft auf ein Angebot, das zuletzt nicht Schritt hielt. In den vergangenen Jahren wuchs Augsburg jährlich um 5000 Menschen – gebaut wurden „nur“ 1500 neue Wohnungen. Geht man von einer durchschnittlichen Belegung durch zwei Personen pro Wohnung aus, fehlen 1000 – und das jedes Jahr. Die Stadt versucht, gegenzusteuern, soweit das in ihrer Macht steht. In den kommenden Jahren sollen zwar einige Bauprojekte auch mit jeweils mehreren hundert Wohnungen umgesetzt werden, doch voraussichtlich genügen diese nicht. Langfristig soll eine Ackerfläche in Haunstetten nahe der Inninger Straße zum Baugebiet werden (8000 bis 12000 Menschen). Bis das große Viertel in Haunstetten bebaubar ist, wird es noch Jahre dauern. Bis dahin bleibt die Situation angespannt.

Mehr Menschen, mehr Verkehr

Kann die Stadt das schaffen? Das Plus an Einwohnern macht nicht unmittelbar neue Infrastruktur nötig. Die Stadt arbeitet an einem Stadtentwicklungskonzept, das zeigen soll, wo man hin will. 2018 soll es fertig sein. In der Ist-Analyse sind Probleme mit dem Verkehr kein großes Thema. Dauerstau gibt es – abgesehen von der B17 am Morgen – nicht. Klar ist aber: Mehr Menschen bedeuten mehr Verkehr. Wo genau, untersuche man noch, sagt die Stadt. Es könne aber sein, dass in den kommenden Jahren neue Straßen oder Angebote bei Bus, Tram und Zug nötig würden. Auch bei der Kanalisation wird man an einigen Stellen erweitern müssen. Mehr Bürger bedeuten für die Stadtverwaltung auch mehr Ausgaben für Personal und Investitionskosten, etwa bei Schulen oder in der Kinderbetreuung. Gleichzeitig gibt es auch Geld: Die Unterstützung durch den Freistaat (Schlüsselzuweisung) für Kommunen richtet sich auch nach der Einwohnerzahl. Zudem wird die Stadt mit 15 Prozent an der Einkommenssteuer beteiligt, die Bürger zahlen. Ob mehr Bürger für die Stadt einen finanziellen Gewinn bedeuten, hängt auch davon ab, wie viel sie verdienen.

Welche Stadtteile wachsen? Hohe Zuwachsraten sind für Viertel prognostiziert, in denen voraussichtlich viel gebaut wird. Das betrifft Göggingen, das Schäfflerbachviertel, Hammerschmiede, Oberhausen, Kriegshaber, Pfersee und Bahnhofs-/Bismarckviertel.

Wie verlässlich ist die Prognose? Nicht einkalkuliert sind bei der Vorhersage für 2030 die weitere Entwicklung der Flüchtlingsthematik oder die Schaffung einer medizinischen Fakultät an der Uni. Auch Baugebiete, die erst im Stadium der Planung sind, sind nicht eingerechnet. Und die Statistiker sagen, dass die Zuwanderung von außen, die der Motor des Wachstums in Augsburg ist, am schwierigsten zu prognostizieren ist. Vor fünf Jahren noch war eine Prognose von 280.000 Augsburgern bis 2030 ausgegangen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

12.07.2016

Ja die Einwohnerzahl ist stark gestiegen durch Zuwaderung. Ich muß es nicht haben!!

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12.07.2016

Nein, eben nicht durch Zuwanderung, wenn man unter dieser die klassische bezeichnet.

Es steht doch eindeutig im Bericht, dass zwei Drittel der Neuneinwohner Augsburgs aus Deutschland gekommen sind. Lediglich 8 % kann man als Zuwanderer bezeichnen.

Ich persönlich betrachte allerdings schnelles Wachstum keineswegs nur als Quell der Freude. Es ist nicht natürlich. Der Boom überfordert - vor allem eben im Wohnungssektor, aber auch hinsichtlich Kindergärten, Schulen, andere Gemeinschaftseinrichtungen.

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11.07.2016

Augsburgs Einwohnerzahl ist in den letzten 25 Jahren um ca. 35.000 Bürger auf ca. 290.000 angestiegen. Im gleichen Zeitraum wurden durch die Industrie ca. 20-25.000 sozialsteuerpflichtige Arbeitsplätze „gestrichen“.

Nicht nur Kaiser Augustus würde sich heute fragen: „Quo vadis mein Vindelicorum“?

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12.07.2016

Mag sein, dass 25.000 Industriearbeitsplätze gestrichen wurden. Das Jahrbuch der Stadt Augsburg gibt Auskunft:

sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse: 2003: 124.245; 2013: 132.641

Arbeitslose: 2003: 24.574 (8,6%); 2013: 15.001 (4,9%)

Quo vadis Vindelicorum? in die richtige Richtung!

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11.07.2016

Das ist doch insgesamt mal ein erfreulich ausführlicher und informativer Artikel, was man auch mal loben sollte :-)

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