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Trailer und Kritik

10.01.2019

"Ben is Back" im Kino: Eine Mutter gibt ihr Kind nicht verloren

Julia Roberts und Lucas Hedges als Mutter und Sohn im Film "Ben is Back".
Bild: Tobis Film Gmbh

Er ist 19, heroinsüchtig und auf Entzug. Zu Weihnachten kommt er unerwartet nach Hause. Ein Kino-Film, der unter die Haut geht.

Diesen Blick muss man erst einmal hinbekommen. Panik, Verzweiflung, Liebe, Hoffnung und ein gutes Dutzend weiterer widerstrebender Gefühle liegen in Julia Roberts’ Augen. Sie spielt Holly, deren ältester Sohn Ben (Lucas Hedges) unangekündigt an Heiligabend in der Garagenauffahrt steht. Es sind nur wenige Sekunden, bis sie sich fängt, auf den Jungen zu rennt und ihn in die Arme schließt. Aber dieser kurze Augenblick lässt erahnen, welche Abgründe sich zwischen Mutter und Sohn in der Vergangenheit aufgetan haben.

"Ben is Back": Film über heroinsüchtigen Ben überzeugt

Ben ist 19, heroinsüchtig und seit 77 Tagen clean. 77 Tage sind eine Menge, aber bei weitem nicht genug, um sich halbwegs sicher durch ein neues Leben ohne Drogen zu bewegen. Gegen den Rat seines Therapeuten ist Ben aus der Entzugsklinik abgehauen, um Weihnachten bei der Familie zu verbringen. Die Freude ist verhalten. Schwester Ivy (Kathryn Newton) benachrichtigt erst einmal den Stiefvater (Courtney B. Vance), der wenig später im Wohnzimmer steht und Ben zurück in die Klinik bringen will. Aber schließlich siegt die weihnachtliche Barmherzigkeit. Ben darf 24 Stunden bleiben. Holly macht ihrem Sohn klar, dass sie ihn keine Sekunde aus den Augen lassen wird und versteckt Schmuck und Medikamente. Denn eins hat die Mutter in all den Jahren gelernt: einem Drogenabhängigen ist nicht zu trauen.

Zuhause und in der Stadt, wo Ben über Jahre als Junkie und Dealer gelebt hat, lauern unendlich viele Trigger, die ihn wieder in die Sucht hinein treiben könnten. Das fängt auf dem Dachboden an, wo der Weihnachtsschmuck lagert und Ben früher seinen Stoff versteckt hat. Aber auch eine Fahrt durch den harmlosen Vorort ist für ihn wie ein Gang übers Minenfeld: „Hier habe ich mir eine Spritze gesetzt“, „Hier habe ich jemand überfallen“, erklärt er seiner Mutter auf dem Beifahrersitz. Die Erinnerungen sind überall, und die Vergangenheit wird ihn schon bald wieder einholen.

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"Ben is Back" im Kino - Julia Robert spielt eine kompromisslos liebende Mutter

Als sie aus der Kirche zurückkommen, ist das Wohnzimmer verwüstet, der Weihnachtsbaum umgekippt und der geliebte Hund der Familie verschwunden. Ben rennt hinaus in die Nacht und will herausfinden, wer den Hund gestohlen hat. Holly folgt ihm, gemeinsam klappern sie die Verdächtigenliste ab. Aber wo anfangen? Es sind so viele, die mit Ben noch eine Rechnung offen haben. Der Vater, dessen Tochter er angefixt hat, die später an einer Überdosis gestorben ist. Der Geschichtslehrer, der Ben die Schmerzmittel seiner erkrankten Mutter verkauft hat. Der Drogendealer, der seine Schulden eintreiben will. Immer tiefer dringt Holly in das kaputte Leben ihres Sohnes ein. Dass sie ihn trotzdem nicht ihre Zuneigung entziehen kann, ihn gegen seine Selbstvorwürfe verteidigt, zeigt die Blindheit und Kompromisslosigkeit ihrer Mutterliebe.

Regisseur Peter Hedges glorifiziert diese bedingungslose Liebe nicht, sondern sucht einen solidarischen, aber auch ambivalenten Blick auf deren Unumstößlichkeit. Im kompakten 24-Stunden-Erzählformat zeigt „Ben Is Back“, welch enormes Zerstörungspotenzial Drogenmissbrauch auf die Familienstruktur und die Mutter-Kind-Beziehung hat. Lucas Hedges („Manchester By the Sea“) ist herausragend in der Rolle des Süchtigen, der im eigenen Schuld-Narzissmus gefangen ist und gegen machtvolle Dämonen aus der Vergangenheit ankämpfen muss. Und für Julia Roberts ist dies seit „Erin Brockovich“ die mit Abstand beste Rolle, die sie mit enormer Präsenz und beeindruckendem Differenzierungsvermögen ausfüllt.

Ben is Back (1 Std. 43 Min.), Drama, USA 2018, Regie Peter Hedges, Mit Julia Roberts, Lucas Hedges, Courtney B. Vance, Wertung vier von fünf Sternen.

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