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Kammerkonzert

04.12.2017

Bethlehem in den Alpen

Das gibt es nicht oft: Die Augsburger Philharmoniker führen Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ auf

So hört man die Augsburger Philharmoniker kaum – nicht mit Mahler’schen Dimensionen oder der Wucht Tschaikowskys. Nein, ein kleines Häufchen gut aufgelegter Musiker des renommierten Orchesters leistete am ersten Adventssonntag Widerstand gegen den Frack der E-Musik, schlüpfte in Dirndl und Lederhose und entführte in eine zauberhaft spirituell verschneite Welt. Im 1. Kammerkonzert brachten die Musiker dem Publikum im Kleinen Goldenen Saal die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma nahe.

Zwei Alphörner, gespielt von den Hornistinnen Katharina Hauf und Barbara Vogler, öffneten mit ihren weit rufenden Klängen den Vorhang und siedelten so die Geschichte zwischen verschneiter bayerisch-österreichischer älplerischer Bergwelt und der eiskalten Landschaft von Bethlehem an. Bayerns legendärer Heimatdichter, mal bissig-angriffslustig in seinem literarischen Werk, mal politisch unberechenbar, findet zum weihnachtlichen Geschehen einen innigen Ausdruck, der Freude und Frömmigkeit über die Geburt des Erlösers unverkrampft geschehen lässt. Schauspieler Thomas Prazak trug diesen Text der mühseligen Wanderschaft des Zimmermanns Joseph und der schwangeren Maria vor. Er balancierte zwischen Hochdeutsch und einem süddeutsch angedeuteten Idiom. Die Herbergssuche, die vollen Gasthäuser, die abweisende Haltung der Wirte, dann die sich dem golden erleuchteten Stall staunend nähernden Hirten – diese magische Nacht, in der Mensch, Tier und Natur bei der heiligen Geburt stillzustehen scheinen, kam in der Geschichte plastisch zum Ausdruck, worin sich auch (zu Thomas Zeiten) zeitgenössisches Personal wie ein Wandergeselle tummelt.

Zwischen den Stationen der Heiligen Familie ereignen sich aber in authentischer Färbung Thomas im wunderbaren bayerischen Dialektklang die stimmungsvollen Lieder des Dreigesangs. Eva Berschet, Katharina Hauf und Christine Steinbrecher trugen sie mit inniger Bewegung vor. Und sie waren mehrfach beschäftigt. Zwei Geigen (Eva Berschet, Beate Färber), die Alphornistinnen, Christine Steinbrecher an der wie Schnee glitzernden Harfe, dazu Kontrabassist Herbert Engstler, der auch das Hackbrett bediente, zauberten mit ihren Gstanzln, den samtig federnden Tänzen und mit perfektem philharmonischen Können den Musiktraum um die Geburt Jesu. Wiederholt wird das stark applaudierte Konzert am 8. Dezember um 19 Uhr im Zehentstadel von Dinkelscherben.

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