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Augsburg

05.12.2019

Bürger stöhnen über Verkehr in Haunstetten

Verdreckt, zugeparkt und unattraktiv finden viele Haunstetter die Hofackerstraße, wie beim Stadtteilgespräch von mehreren Teilnehmern geäußert wurde.
Bild: Peter Fastl

Mit 28.000 Einwohnern ist Haunstetten einer von Augsburgs bevölkerungsreichsten Stadtteilen. Über 300 Teilnehmer diskutieren mit der Stadtregierung über Staus, Schulen und Fußballplätze.

Verkehr bedeutet Stress, Lärm, Gestank, Stillstand und Platznot. Gut zu beobachten in der kleinen Straße vor dem Gemeindesaal St. Pius, kurz vor Beginn des Haunstetter Stadtteilgesprächs mit der Referentenriege der Stadt Augsburg. Drinnen machten die Bürger ihrer Empörung immer wieder Luft. Zugeparkte Straßen, Staus und zu wenig Kontrolle durch Ordnungsdienst und Polizei – der zunehmende PKW-Verkehr im Stadtteil war das Hauptthema bei der Begegnung zwischen Bürgern auf der einen und Oberbürgermeister Kurt Gribl sowie den Referentinnen und Referenten auf der anderen Seite. Gut über 300 Menschen verfolgten die Versammlung, viele von ihnen vertraten Vereine, Schulen, Sozialinitiativen und Jugendhäuser.

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Schon zu Beginn sprechen Anwohner eine der kritischsten städtebaulichen Konfliktpunkte an. „Die Hofackerstraße ist die schmutzigste Ecke in ganz Augsburg. Kein Ordnungsdienst schaut vorbei, nur ab und zu die Polizei. Inzwischen nimmt das Chaos weiter zu, immer mehr große LKWs fahren durch die Straße oder rangieren dort“, berichtet ein Teilnehmer.

Schnelle Lösungen kann der Baureferent nicht bieten

Schnelle Lösungen kann Baureferent Gerd Merkle nicht bieten. Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das seit März 2018 auch vor Ort in vielen Runden diskutiert wird, geht im Frühjahr nochmals in die öffentliche Vorstellung und wird ab Sommer 2020 umgesetzt. Die Hofackerstraße, erklärt Merkle, hat dort oberste Priorität. Dass in der Straße Müll herumliegt, ist laut Umweltreferent Reiner Erben wild parkenden Autos geschuldet. Zwischen ihnen könnten Kehrmaschinen nicht reinigen, so Erben. Dirk Wurm versprach, die Klagen über zu schnelle Autos und LKWs in der Hofackerstraße ernst zu nehmen und in den nächsten drei Wochen mit Nachtschichten Geschwindigkeitsmessungen vorzunehmen. Im Januar werde er Bilanz ziehen lassen, erklärte er.

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Eine weitere Klage betraf die Via-Claudia-Straße. Sie sei inzwischen mit Schlaglöchern gepflastert. Merkle winkt ab. „Sanierungen werden jetzt mit den abgeschafften Straßenausbaubeiträgen schwieriger. Im Augsburger Norden gibt es noch sehr viel desolatere Straßen.“

Der Vertreter des Vereins Erhalt B17 alt befürchtet, die Haunstetter Straße, die als vierspurige Schneise das alte Zentrum des Stadtteils vom Rest Haunstettens trennt, könnte doch unter Ausschluss der Öffentlichkeit als zweispurige Straße entwickelt werden. Der Verein sei bereit, für den Erhalt der vier Spuren in den Wahlkampf zu treten. Merkle riet, davon abzusehen. Es gebe derzeit keine heimliche Planung hinsichtlich der Reduktion der Fahrspuren.

Bedacht hingegen werde, ob die Baustraße, die für den Bau der verlängerten Linie 3 bereits angelegt wurde, nicht bis auf Weiteres erhalten bleiben könnte. Sie könnte das Parkplatzangebot in der Postillion-straße verbessern. Merkle sagt eine Prüfung zu. Die Diskussion um die Parksituation in der Weddigenstraße nahm längere Zeit in Anspruch. Ein Anwohner erklärte, seine Wohnanlage sei wegen eines absoluten Halteverbots vor der Anlage für ältere Bewohner kaum zu erreichen. Tiefgaragen gebe es nicht, so dass unzumutbare Fußwege in Kauf genommen werden müssten. Merkle bat um einen schriftlichen Hinweis, um welchen Abschnitt der Straße es sich handelt und versprach, die Einrichtung von Kurzparkzonen zu prüfen.

Das Hallenbad in Haunstetten ist noch funktionsfähig

Zur Zukunft des Hallenbades in Haunstetten erklärte Sportreferent Dirk Wurm, das Bad sei funktionsfähig, ein Neubau erst mit dem Bau des neuen Stadtteils Haunstetten Südwest geplant.

Wie denn in Zukunft der zu erwartende zusätzliche Verkehr rund um den dann eröffneten Recyclinghof im Unteren Talweg organisiert werden wird, interessiert die Bürger. Verkehrskonzepte für Gewerbegebiete seien nicht üblich. Merkle: „Wenn zu viele Autos im Unteren Talweg fahren, kann man das nicht wegzaubern.“ Um Licht auf Sportflächen an der Johann-Strauß-Schule baten Azubis, die sich für die dunklen Monate einen Fußballplatz wünschen. Nach Auskunft des Referenten Wurm werden nicht an der Schule, aber an der Sportanlage Haunstetten Plätze mit Flutlicht ausgestattet. Gespräche mit Nutzern liefen bereits.

In Sachen Bildungsinfrastruktur meldete Referent Herrmann Köhler auf Nachfrage, die Johann-Strauß-Schule sei nach 40 Jahren – wie bekannt – dringend sanierungsbedürftig. Ein Erhalt sei nicht mehr sinnvoll, lediglich der Brandschutz werde so ertüchtigt, dass ein Weiterbetrieb möglich bleibt. Der Hochbauausschuss habe im Oktober Planungsaufträge beschlossen, die ersten Gewerke seien beauftragt. Eine neue Grundschule werde erst im Zuge des in den nächsten 30 Jahren neu entstehenden Stadtteils Südwest gebaut werden. Als weiterführende Schule habe man für die Kinder des neuen 10000-Einwohner-Quartiers kein neues Gymnasium, sondern – auch wegen der dann guten Erreichbarkeit mit der Linie 3 – das Gymnasium bei St. Anna im Blick.

Eine Befürchtung der Zuhörer konnte Gribl nicht ganz zerstreuen. Wird das Klinikum Süd in Haunstetten langfristig zugunsten des zentralen Uniklinikums geschlossen? „Mir ist hierzu nichts bekannt. Aber der bayerische Entwicklungsplan konzentriert sich auf das Haupthaus. Schon mal Ideen für eine Folgenutzung in der Haunstetter Klinik zu suchen, ist sicher nicht falsch“, riet der Oberbürgermeister. Ein Geriatrie-Schwerpunkt sei eine Möglichkeit.

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