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Augsburg

22.04.2020

Corona-Lockerungen: Augsburgs Kitas wappnen sich für verstärkten Zulauf

In der Kindertagesstätte St. Elisabeth gibt es im Eingangsbereich Informationen zum Thema Corona sowie eine Möglichkeit, die Hände zu desinfizieren.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Ab der nächsten Woche wird die Notbetreuung in Kitas erweitert. Wann der Regelbetrieb wieder läuft, ist noch offen. Was die Kinder vermissen.

Während es für Bayerns Schulen einen Zeitplan für das schrittweise Hochfahren in der Corona-Krise gibt, hängen die Kindertagesstätten nach wie vor in der Luft. Die Staatsregierung hat lediglich angekündigt, ab 27. April die Notbetreuung in den Einrichtungen „behutsam“ auszuweiten. Zur Zielgruppe zählen dann neben Kindern mit Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen auch Mädchen und Jungen mit einem alleinerziehenden berufstätigen Elternteil.

Für Familien, die weiterhin keine Betreuung beanspruchen dürfen, gibt es zumindest eine gute Nachricht. Sie werden für die nächsten drei Monate nicht zur Kasse gebeten, weil der Freistaat die Kita-Gebühren übernimmt. „Die Stadt wird ab Mai die Abbuchungen einstellen“, sagt Sozialreferent Stefan Kiefer. Er gehe davon aus, dass die Freien Träger ebenso verfahren.

Stadt Augsburg kann Notbetreuung nicht erweitern

Wie es mit der Auswahl der Eltern weitergeht, die für eine Notbetreuung infrage kommen, weiß Kiefer auch nicht. „Die Stadt selbst darf die Notbetreuung nicht erweitern“, sagt er. Sie sei an die Vorgaben der Staatsregierung gebunden. Diese beinhalte auch Fälle, in denen aus Gründen des Kindswohls eine Betreuung angebracht ist. Diese erfolge in der Regel in Absprache mit dem Jugendamt. Des Weiteren gebe es Signale, dass Eltern, die von ihrem Arbeitgeber aus nicht mehr im Homeoffice tätig sein dürfen, Anspruch auf Notbetreuung haben.

Bislang ist die Anzahl der Notbetreuungen in den Augsburger Kitas überschaubar. Von insgesamt mehr als 14000 Kita-Plätzen waren in den vergangenen Wochen rund 300 belegt. Kiefer rechnet damit, dass ab nächster Woche deutlich mehr Kinder in die Einrichtungen kommen.

Kitas in Augsburg rechnen mit verstärktem Zulauf

Von einem verstärkten Zulauf geht auch Maria Marberger aus. Sie führt die Einrichtung St. Elisabeth in Lechhausen, die mit 260 Kindern Augsburgs größte Kita ist. „Nächste Woche kann es ziemlich heftig werden“, sagt die erfahrene Leiterin. Wurden in den vergangenen Wochen rund 20 Kinder in ihrem Haus betreut, werde sich diese Zahl jetzt stark erhöhen, schließt Marberger aus entsprechenden Anfragen. Personell sei die neue Situation zu bewältigen. „Wir haben 43 pädagogische Fachkräfte.“ Da wegen Corona aber nur fünf Kinder statt 25 in einer Gruppe betreut werden dürften, habe sich die Chefin bereits nach zusätzlichen Räumen umgeschaut. „Wir können das Pfarrheim dazunehmen.“

Bereits in den vergangenen Wochen hat sich in St. Elisabeth eine gewisse Routine hinsichtlich der Hygienemaßnahmen entwickelt. So steht am Eingang das Desinfektionsmittel parat, die Kinder waschen sich sofort nach dem Betreten der Kita die Hände. Differenziert muss laut Marberger das Thema Mundschutz angegangen werden. Kleine Kinder damit auszustatten, sei schlichtweg nicht möglich. Die Mitarbeiterinnen, die für sich selbst und andere Einrichtungen Masken genäht haben, seien entsprechend ausgestattet. Ob sie diese allerdings während der Betreuung permanent tragen können, müsse individuell entschieden werden. Überlegt werde indes, das Bringen und Abholen der Kinder ins Freie zu verlagern.

Corona: Kitas in Augsburg müssen sich an Vorgaben halten

Laut Sozialreferent Kiefer wurden alle städtischen Kitas gebeten, sich mit der Umsetzung der Vorgaben wie maximal fünf Kinder in einem Raum, nur Nutzung eines Raumes durch die jeweilige Kleingruppe, konstantes Personal, regelmäßiges Händewaschen sowie kontinuierliche Desinfektion auseinanderzusetzen. Entsprechende Informationen seien auch an die Freien Träger herausgegangen. Gerade für kleinere Einrichtungen mit wenig Personal und begrenzten Räumlichkeiten könnte es schwierig werden, die Hygienevorschriften einzuhalten, mutmaßt der Sozialreferent. „Was sollen sie machen, wenn sieben Kinder in die Notbetreuung kommen wollen, es aber nur einen Raum gibt?“

Mit vier Krippen- und vier Kindergartengruppen zählt das Montessori-Kinderhaus Henisiuspark zu den größeren Einrichtungen. Erst ein halbes Jahr besuchte die vierjährige Johanna die Einrichtung, als die virusbedingte Zwangspause kam. Just in dem Moment, als auch ihre Eltern von der Firma ins Homeoffice wechselten. Seither versuchen Barbara Savu-Krohn und ihr Mann, den Spagat zwischen Kinderbetreuung, Job und Haushalt hinzubekommen. „Wir wechseln uns ab. Unsere Tochter mag glücklicherweise gerne Hörspiele, was praktisch ist, wenn wir beide gleichzeitig eine Telefonkonferenz haben.“

Barbara Savu-Krohn will ihrer Tochter Johanna auch zu Hause etwas Kindergarten-Atmosphäre bieten.
Bild: Christian Savu-Krohn


Da Johannas Eltern nicht in systemrelevanten Berufen – etwa als Pflegekräfte – arbeiten, kommt für sie eine Notbetreuung nicht in Frage. Um die Vierjährige zu fördern, hält Barbara Savu-Krohn Kontakt zu den Erzieherinnen und nutzt mit ihrer Tochter das Online-Angebot „Kita to go“. Den Besuch im Montessori-Haus kann die Plattform nicht ersetzen. „Kinder lernen am besten von anderen Kindern“, weiß Savu-Krohn. Sie merkt Tag für Tag, wie sehr ihrer Vierjährigen die Freunde fehlen. Und dann könne sie nicht mal zum Trost mit ihr auf einen Spielplatz gehen. Denn die sind nach wie vor geschlossen – ebenso wie die Kindertagesstätten für den Großteil ihrer kleinen Nutzer.

Unter der Internetadresse https://www.augsburg.de/umwelt-soziales/kindertagesbetreuung-in-augsburg finden Familien Tipps, um Kinder sinnvoll zu beschäftigen.

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