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Augsburg

03.11.2018

Dem Grandhotel Cosmopolis droht das Aus

Die Zukunft des "Grand Hotel" in Augsburg ist ungewiss.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Reisende und Geflüchtete finden in dem weltweit beachteten Haus im Augsburger Domviertel ein Zuhause. Doch obwohl es nie um Geld gehen sollte, macht genau das nun Probleme.

Zum Mittagessen gibt es in der Großküche des Grandhotel Cosmopolis Kürbisgemüse mit Tahinisoße, Nudeln mit Linsenbolognese und Apfel-Cookie-Crumble. Doch dort, wo normalerweise Menschen unterschiedlicher Nationen zusammen essen und lachen, herrscht am Freitag gedämpfte Stimmung. Die Macher und ehrenamtlichen Helfer der einzigartigen Einrichtung sind mit einer besorgniserregenden Botschaft an die Öffentlichkeit gegangen: Das Grandhotel braucht Hilfe, genauer gesagt finanzielle Unterstützung. Bleibt sie aus, gibt es keine Zukunft mehr.

"Die Einnahmen und die Spenden, die wir derzeit erhalten, reichen nicht, um den Betrieb am Laufen zu halten", betont Stef Maldener, der wie Georg Heber ein Hotelier der ersten Stunde ist. 2011, lange bevor die große Flüchtlingswelle Deutschland erreichte, tat sich eine Gruppe Künstler und Aktivisten zusammen, die von einem besonderen Ort in dem leer stehenden Seniorenheim der Diakonie im Springergäßchen im Domviertel träumte. Sie wollten dort Menschen zusammenbringen: Künstler und Gäste mit und ohne Asyl – Reisende und Flüchtlinge.

2012 prüft die Stadt den Antrag der Künstlergruppe, die das Paul-Gerhardt-Haus in eine soziale Plastik verwandeln will. Diese soll nicht nur ein Dach über dem Kopf bieten, sondern einen Lebensraum schaffen. Anfang 2013 dürfen die motivierten Hoteliers samt einer Vielzahl von freiwilligen Helfern durchstarten. Bewegende Jahre folgen. Nationale und internationale Medien statten den preisgekrönten Machern einen Besuch im Augsburger Springergäßchen ab, Politiker geben sich die Klinke in Hand, Stiftungen strecken ihre Fühler aus – alle wollen selber erleben, wie dieses besondere Zusammenleben funktioniert.

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Das Grandhotel Cosmopolis im Augsburger Domviertel war und ist ein Ort des Miteinanders. Doch jetzt ist das weltweit beachtete Projekt ins Schlingern geraten: Das Geld fehlt.
Bild: Peter Fastl

Ohne die idealistisch handelnden Macher, denen es nach eigener Aussage nie um das Geld, sondern immer um das Projekt ging, hätte es sich nicht so entwickeln können. Eins war den Hoteliers wichtig: Sie wollten möglichst vielen Menschen helfen. "Wir haben natürlich einige Leute beschäftigt, die hier im Büro, als Reinigungskraft oder in der Küchenkoordination arbeiten", erklärt Stef Maldener. Viele Jahre ging das auch gut. Doch nun hat sich die Situation geändert: Für das Gebäude zahlen die Verantwortlichen der Diakone Miete. Alles Organisatorische und Finanzielle, was die Unterbringung der Asylbewerber betrifft, wird von der Regierung von Schwaben abgewickelt. Daneben gibt es eine finanzielle Zuwendung der Stadt, die den laufenden Betrieb unterstützt. "Doch das ist nicht genug. Wir müssen das Grandhotel auf andere Beine stellen, damit wir weitermachen können", sagt Maldener.

Die Macher haben bereits konkrete Pläne, wie sie das drohende Aus abwenden wollen. "Wir gründen einen Freundeskreis oder einen Förderverein, um Spendern zu ermöglichen, die Arbeit im Grandhotel dauerhaft und nachhaltig zu unterstützen", sagt Georg Heber. Daneben wollen sie zum Seminarhotel werden. Das Goethe-Institut und die Bundeszentrale für politische Bildung wollen das Angebot nutzen, sobald der Seminarraum fertig ist. Er wird gerade hergerichtet. Heber: "Das passiert durch viel Eigenleistung, ehrenamtliche Unterstützung und durch Spenden. Deshalb geht es nicht so schnell voran." Das Ziel ist es, auch künftig einen Lebensraum und Treffpunkt für Augsburger, Reisende und Flüchtlinge zu schaffen. Einen Ort, der einmalig ist.

Augsburger Grandhotel kämpft um seine Zukunft

Doch was macht dieses Haus besonders? Dort, wo mittags ehrenamtliche Helfer für Essen sorgen, finden abends abwechslungsreiche Konzerte statt. Das Grandhotel ist auch für andere Veranstaltungen bekannt: Im Rahmen des Friedensfestes gab es einen Theaterparcours durch das Domviertel, bei der Peace Conference wurde auf einer Wiese am Textilmuseum gezeltet. Man öffnet sich, jeder ist im Café, im Biergarten, beim Mittagstisch oder bei den Veranstaltungen willkommen. Maldener: "Die Vorbehalte gegen unser Projekt waren nicht so groß wie bei anderen Unterkünften. Wir haben uns der Diskussion mit der Stadtgesellschaft gestellt."

An diesem Freitag kommt Farhad Sidiqi Jooyenda zu Besuch und verteilt Gebäck. Er ist Vater einer Tochter geworden und strahlt über das ganze Gesicht. Die finanziellen Nöte des Grandhotels findet er bedenklich. Das Grandhotel war und ist für ihn ein wichtiger Ort. Hier schöpfte der Musiker in den Jahren, in denen er um Anerkennung und Bleiberecht kämpfte, Energie. "Das Grandhotel ist ein Teil meines Lebens. Wenn es überall verschlossene Türen gab, hier gab es immer eine offene." Es sei einer der wenigen Orte, in denen er als Flüchtling Kontakt zu Augsburgern knüpfen konnte, hier habe er Deutsch gelernt. Das Grandhotel profitierte von finanziellen Zuwendungen von der Kulturstiftung des Bundes und der Robert-Bosch-Stiftung sowie von der Spendenbereitschaft, die 2015 durch den anhaltenden Flüchtlingsstrom nach Deutschland einsetzte. Heute bekommen die Hoteliers keine Zuwendungen mehr aus den bundesweiten Fördertöpfen – die Spendenbereitschaft für Flüchtlinge ließ ebenfalls nach. Zeit für einen Wandel im Grandhotel Cosmopolis. "

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