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Geburt

08.10.2019

Der Hebammenmangel fordert die Kliniken

Im Augsburger Uniklinikum gibt es ein neues Angebot für werdende Mütter. Nach Kreißsaalschließungen in der Umgebung ist die Nachfrage groß.
Bild: picture alliance/Uli Deck/dpa

Der Start ins Leben ist für Säugling und Mutter oft nicht leicht. Das Uniklinikum hat deshalb ein neues Angebot aufgelegt: die Wochenbettambulanz. Was dahintersteckt und wie es angelaufen ist.

Noch gibt es viele freie Termine in der Wochenbettambulanz der Universitätsklinik. Dass es die Ambulanz im Mutter-Kind-Zentrum Schwaben, einer Abteilung der Kinderklinik im Uniklinikum, gibt, spreche sich erst langsam herum, erklärt Leiterin Linda Rittel. Sie selbst ist freiberufliche Hebamme, arbeitet mit der Kinderklinik zusammen und organisiert mit vier Kolleginnen die Sprechstunden der neuen Anlaufstelle.

Der Bedarf ist da: Die Schockwellen nach den Kreißsaalschließungen in Schwabmünchen, Friedberg und Aichach im vergangenen Jahr zeigten schon die Brisanz des regionalen Personalmangels in der Geburtshilfe. Wie eine Studie des bayerischen Gesundheitsministeriums im vergangenen Jahr zeigte, gab mehr als jede Vierte der in Bayern befragten jungen Mütter an, Schwierigkeiten bei der Hebammensuche gehabt zu haben. Der Verband der gesetzlichen Krankenversicherungen hat das Problem ebenfalls erkannt. Er bietet seit wenigen Wochen eine Online-Plattform an, die die Hebammensuche erleichtern soll. Ein Test mit dem Suchkriterium „Betreuung von Mutter und Kind nach der Geburt“ für einen Raum von zehn Kilometern im Umkreis der Augsburger Innenstadt ergibt 50 Treffer.

Betreuung für die schwierige erste Zeit nach der Geburt

Die Trefferzahl allein garantiert jedoch noch keine Betreuung für die schwierige erste Zeit nach der Geburt. Gül Arslan arbeitet als freischaffende Hebamme in Augsburg. Sie erklärt, sie bekomme seit mehreren Wochen tatsächlich sehr viele Anrufe von Frauen, die sie über diesen Suchservice gefunden hätten. „Ich muss im Monat etwa zehn Frauen sagen, dass ich keine Zeit für neue Patientinnen habe. Und das, obwohl diese Frauen am Telefon zum Teil sehr aufgeregt sind und dringend Schwangerschafts- und Geburtsunterstützung suchen.“ Arslan arbeitet mit der Frauen- und Kinderklinik des Josefinums zusammen, bei Geburten selbst ist sie wegen der dann fälligen hohen Prämien für die Berufsversicherung nicht dabei.

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Aber auch, weil Geburten eben nicht planbar sind. Ihr eigenes Familienleben als Alleinerziehende mit drei Kindern lasse sich nicht mit den plötzlich einsetzenden, oft über Stunden dauernden Geburtseinsätzen vereinbaren.

Einmal in der Woche bietet Arslan wie viele freie Hebammen eine Sprechstunde im Josefinum an. „Der Bedarf an Hebammen in Augsburg ist sehr groß“, sagt sie. „Das merken wir alle. Viele von uns nehmen keine neuen Patientinnen mehr an, weil wir keine Kapazität mehr haben.“ Schwangere und junge Mütter, die nicht oder kein Deutsch sprechen, seien von dem Engpass besonders betroffen. Es gebe zu wenig Geburtshelferinnen mit Sprachkenntnissen. Sie selbst spricht Türkisch, Kurdisch und ein wenig Arabisch. Viele ausländische Frauen wenden sich an sie, doch sie müsse vielen absagen, weil Kommunikation und Betreuung zu zeitaufwendig seien.

Die neu eingerichtete Wochenbettambulanz im Klinikum tut also not. Gedacht ist die Arbeit der vier freischaffenden Hebammen nicht als Notfalleinsatz und auch nicht als Ersatz für die sonst üblichen Hausbesuche, die von der Krankenkasse bis zu zwölf Wochen nach der Geburt übernommen werden.

Sie ist eine Leistung für Frauen, die keine Hebamme für die Kontrolle der Abheilungsprozesse sowie für Still- und Pflegehilfe zu Hause finden konnten. Die Kosten für die telefonisch oder online zu vereinbarenden Termine übernimmt die Krankenkasse.

Akupunktur-, Laser- oder Tape-Behandlungen bei Beschwerden, die durch die Geburt entstanden sein können, müssen die Frauen selbst zahlen. Das Josefinum bietet seit Mai ebenfalls eine Ambulanz für Schwangere und Frauen an, die gerade ihr Kind bekommen haben. Auch die Fachfrauen hier sind nicht fest angestellt, sondern als freiberufliche Beleghebammen in die Dienstpläne des Krankenhauses integriert.

Infos zum neuen Angebot gibt es beim Uniklinikum und beim Josefinum.

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