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Augsburg

16.11.2020

Die Augsburger Uniklinik bekommt wegen Corona Hilfe von der Bundeswehr

Die Augsburger Uniklinik bekommt bei der Behandlung von Corona-Patienten Unterstützung von der Bundeswehr.
Bild: Alexander Kaya

Plus Bundeswehrsoldaten sollen unter anderem auf Corona-Stationen der Uniklinik eingesetzt werden. Grund sind Krankheitsfälle beim Personal. Unterdessen steigen die Infektionszahlen in Augsburg wieder an.

Angesichts steigender Corona-Patientenzahlen und einiger Infektions- und Quarantänefälle in den Reihen des Pflegepersonals hat die Uniklinik Unterstützung bei der Bundeswehr angefordert. Seit Montag sind vier Sanitäter und zwei medizinische Fachangestellte im Einsatz, die auf Corona-Stationen Dienst tun. Im Lauf der Woche sollen 18 weitere Soldaten kommen.

Hintergrund ist, dass im Pflegebereich Personal ausfällt, weil es selbst infiziert ist oder als Kontaktperson in die Quarantäne muss. Eine Zahl der ausgefallenen Mitarbeiter zu nennen, sei schwierig, weil diese täglich schwanke, so Klinikumssprecherin Ines Lehmann. Insgesamt sei das Krankenhaus voll handlungsfähig, angesichts möglicher weiterer Personalausfälle sei die Lage aber ernst. Darum habe der Vorstand die Bundeswehr um Unterstützung gebeten, die auch kurzfristig zugesagt wurde.

Uniklinik: Von 150 Betten für Corona-Patienten sind 110 belegt

Am Montagmorgen gab es 141 Corona-Patienten im Klinikum (inklusive Verdachtsfälle). Von den 150 betreibbaren Betten auf den Corona-Stationen waren 110 belegt (inklusive Verdachtsfälle), von den aktuell betriebenen 42 Intensivbetten waren 34 belegt. Die Uniklinik fährt seit Wochen die Strategie, Corona-Patienten in andere bayerische Krankenhäuser, die in weniger betroffenen Regionen liegen und noch aufnahmefähig sind, abzuverlegen, um Aufnahmekapazitäten in Augsburg zu erhalten.

 

Das Haus fahre personell unter Volllast, um die Augsburger Betten betreiben zu können, heißt es. "Da die Zahl der intensivpflichtigen Covid-Patienten täglich steigt, werden beispielsweise Pflegekräfte von anderen Stationen eingearbeitet, um bei einer weiteren Zuspitzung der Situation dort auch arbeiten und helfen zu können", so Lehmann. Das Personal leiste einen Kraftakt. Auf den Corona-Normalstationen sind um die 20 Ärzte und 145 Pflegekräfte im Einsatz. Bei beatmeten und schwerkranken Patienten sei die Pflege sehr aufwändig, so Lehmann. Eine Pflegekraft ist dort für zwei Patienten zuständig. Aber auch auf den Corona-Normalstationen ist die Arbeit nicht einfach. Als "großer, aber notwendiger Zeitfresser" gilt das An- und Ausziehen der Schutzkleidung vor und nach Kontakt mit Corona-Patienten.

Sieben-Tage-Wert in Augsburg steigt wieder

Unterdessen ging in Augsburg der Inzidenzwert (Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner) am Montag wieder nach oben und überstieg den Wert von 300. In den vergangenen Tagen pendelten die Werte um die 290, nachdem es vor einer guten Woche einen "Rekordtag" mit einem Wert von 380 gegeben hatte. Allerdings sind die täglichen Werte mit Vorsicht zu genießen, weil die Stadt zuletzt mehrmals einige Tage alte Neuinfektionen (etwa weil diese erst am Abend bekannt wurden) nachträglich einrechnete. Mittelfristig ändert das nichts an der Tendenz, tageweise kommt es in der Verlaufskurve dadurch aber zu Verzerrungen.

 

Für die Frage, ob Corona-Maßnahmen beibehalten oder verschärft werden, spielt der Wert von 300 aber ohnehin keine Rolle. Ministerpräsident Markus Söder ( CSU) sieht landesweit weiterhin einen Wert von unter 50 als Ziel an und schloss eine landesweite Beibehaltung des Lockdown light in den Dezember hinein nicht aus. Im bayernweiten Vergleich unter den Landkreisen und Großstädten lag Augsburg am Montag bei der Inzidenz auf dem dritthöchsten Platz.

Corona in Augsburg: Noch keine Entspannung in Sicht

Die Stadt sagte am Montag, dass sich die Fallzahlen zu stabilisieren begännen, wenn auch auf einem immer noch viel zu hohen Niveau. "Daher kann von Entspannung keine Rede sein." Nach wie vor gehe es darum, alle unnötigen Kontakte zu vermeiden, Maske zu tragen und Hygieneregeln zu befolgen. Nötig sei eine massive Senkung der Infektionszahlen. Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) hatte Ende vergangener Woche erklärt, dass eine Zwischenbilanz zum Lockdown frühestens Anfang dieser Woche möglich sei. Die sich abzeichnende Stagnation der Werte sei aber wohl noch keine Folge des Lockdowns, sondern der zuvor getroffenen Maßnahmen (Maskenpflicht in der Innenstadt).

 

Weber kündigte an, in den kommenden Tagen zum weiteren Vorgehen zu informieren. Vergangene Woche hatte die Oberbürgermeisterin angedeutet, dass man sich für den Fall, dass der Inzidenzwert partout nicht sinke oder gar wieder weiter nach oben schieße, Gedanken über eine Verschärfung der Maßnahmen machen müsse. Sie stehe dazu mit Gesundheitsreferent Reiner Erben (Grüne) in Kontakt. Weber nahm Bezug auf die Regelungen des Frühjahrs, als landesweit ein harter Lockdown herrschte. Dieser beinhaltete beispielsweise weitergehende Kontakt- und auch gewisse Ausgangsbeschränkungen. Auch in den zuletzt stark betroffenen Landkreisen Berchtesgaden und Rottal-Inn hatte es härtere Lockdowns gegeben. Welche Maßnahmen für Augsburg im Dezember gegebenenfalls infrage kämen, sagte Weber nicht.

Bürgerliche Fraktion fordert ein Expertengremium

Unterdessen fordert die Fraktion Bürgerliche Mitte die Stadt auf, tiefere Ursachenforschung für die explosionsartige Entwicklung der Infektionszahlen seit Anfang Oktober zu betreiben. Die Erklärung, dass man die Ursache nicht wisse und es sich womöglich um Zufall handle, sei nicht ausreichend, so die Fraktion. Sie fordert die Einsetzung eines externen Expertengremiums, um Erkenntnisse für die Zukunft und die nächste Welle zu gewinnen.

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