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Stadtbefestigung

03.12.2015

Die Bastion Lueginsland

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4 Bilder
Breite Mauern durchziehen den unteren Bereich der Lueginslandbastion. Die Mauerkronen wurden jetzt mit Asphalt abgedichtet. Sie werden später begrünt.

Dem historischen Bollwerk drohte schon mehrfach der Verfall. Immer wieder musste es instandgesetzt werden. Auch aktuell laufen an der Stadtmauer Sanierungsarbeiten

Eine Inschrifttafel und die Jahreszahl 1553 an einer Ecke der Lueginslandbastion sind vor Ort die Hinweise auf die Historie der einstigen Befestigungsanlage, an der Sanierungsarbeiten im Gange sind. Schäden machten sie unumgänglich. Sie waren noch nicht so gewaltig um 1900. Damals waren Mauern am Zerfallen und überwuchert. Teile waren abgerutscht, das Areal war nicht mehr betretbar. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren zur Anlage der Herwartstraße bis an den Stadtgraben reichende Kasematten, Gewölbe und Mauern abgebrochen worden.

Erst als der Einsturz der restlichen Bastion drohte, erfolgte 1915 die bislang umfangreichste Erhaltungsmaßnahme. Vor 100 Jahren mauerte man erhaltenes Ziegelgemäuer wieder auf, ergänzte, sicherte und machte das weitläufige Verteidigungswerk für die Öffentlichkeit zugänglich. Bei den derzeitigen Arbeiten konnten die Restauratoren deutlich zwischen dem Urmauerwerk und späteren Ergänzungen unterscheiden. Mauerkronen sind durchwegs erneuert.

1915 fand keineswegs die letzte Sanierung statt. 1954/55 war die nächste „Runderneuerung“ fällig. Mit massiven Eingriffen in die historische Substanz versuchte man vor 60 Jahren, die Bastion zu einer Freizeitoase umzugestalten. Treppen, Wege, Terrassen, Brunnen und Spielbereiche wurden geschaffen. Die nächste „Pflegemaßnahme“ folgte schon 30 Jahre später. Ab 1983 koordinierten Denkmalpflege, Hochbauamt und Gartenamt eine denkmalgerechte Generalsanierung des historischen Ensembles samt Stadtmauer und Wall entlang der Thommstraße.

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Zur Geschichte der Lueginslandbastion: Anno 1538 vermerkt ein Chronist in seinen Aufzeichnungen, dass „beym Lug ins Landt und dem Gottsacker ein gewaltige Schantzen von Erdrich, gleichsam einem Berg aufgeschüttet“ wurde. Und zwei Seiten später: Nach Ostern 1539 „ward die Pastey bey dem abgebrochenen Thurn, das Lug ins Landt genannt, aufgebaut und vollendet“. Mit dem „Thurn“ ist der von 1430 bis 1437 errichtete achtstöckige Turm gemeint, den die Augsburger Lueginsland nannten, mit dem „Gottsacker“ der 1808 aufgelassene Friedhof, auf dem jetzt eine Kleingartenanlage liegt.

In den exponiert stehenden hohen Turm schlugen 1454 und 1498 Blitze ein und setzten ihn in Flammen. Bei einer Restaurierung anno 1515 wurden über 62 Zentner Kupfer für Dach, Spitzen und Knauf verbaut. Zum Vergolden des Knaufs schlug man 62 Dukaten. Bereits 1522 traf wiederum ein Blitz den Turm. 1532 verfügte der Rat die teilweise Abtragung. Aus dem Turmstumpf wurde ein Rondell.

1538 folgte die in der Chronik erwähnte Aufschüttung eines Walls an der Stadtseite. Darunter verläuft noch heute ein Tunnel mit bis zu 73 Zentimeter starken Gewölbemauern. Durch den Druck des Walls und die Auffüllung im Turminneren spaltete sich 1552 das Restgemäuer des Turms. Ein Teil hing über und musste abgetragen werden. Man war daraufhin gezwungen, um die Aufschüttung eine Mauer zu bauen. Der Schlussstein an der Herwart-straße mit der Jahreszahl 1553 weist auf die Fertigstellung der viergeschossigen Bastion, die zeitweise mit 21 Kanonen bestückt war.

Das Bollwerk bildete eine markante, weithin sichtbare Ecke in der Stadtbefestigung. An einer Seite schützte es der noch vorhandene Wassergraben, an der anderen Seite ein trockener Stadtgraben. Auf diesem um 1880 aufgefüllten Graben verläuft die Thommstraße. Das Plateau auf der Lueginslandschanze wandelte sich zum Vergnügungsplatz. 1733 wird es als bewirtschafteter Unterhaltungsplatz bezeichnet. Das am stadtseitigen Hang stehende Gebäude war an Wirte verpachtet. Sie errichteten auf dem mit Bäumen bestandenen Plateau Pavillons als Windschutz für ihre Gäste. „Wegen der schönen Aussicht und der Gemütlichkeit des Ortes“ solle man einen Besuch nicht versäumen, empfehlen im 19. Jahrhundert gedruckte Stadtführer. Der Bildungsreisende Carl Friedrich Zelter aus Berlin folgte 1827 diesem Ratschlag und berichtete, dieser Platz sei „wirklich das Schönste, was man hier sehen kann: Eine unabsehlich weite Ebene, aufs lieblichste mit vielen Armen des Lech durchstrichen, nahm sich im heitersten Sonnenglanze gar zierlich aus.“ Den Weitblick verhindern heute großteils hohe Bäume und das MAN-Hochhaus. Das Reizvolle an diesem Gebäude: In dessen Glasfassade spiegelt sich die Bastion. Deren Blankziegelmauern waren, wie historische Fotos und Untersuchungen belegen, ursprünglich mit dünnem Mörtel überzogen, der bereits beim Mauern aufgebracht worden war. Das war auch bei Augsburgs Stadtmauern so. Sie sahen deshalb verputzt aus. 1915 und nach dem Zweiten Weltkrieg sollte jedoch am Lueginsland der gewohnte „ziegelsichtige“ Zustand – so der Fachjargon – erhalten bleiben. Deshalb entschieden die Fachleute, diesen lediglich zu reparieren.

So wird auch bei der derzeitigen Sanierung verfahren. Die breiten Mauerkronen bekamen eine neue Asphaltabdichtung, die gegen das Eindringen von Wasser schützen soll. Die dunkle Schutzschicht bleibt jedoch nicht sichtbar: Sie wird begrünt.

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