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Kommunalwahl Augsburg

23.02.2020

"Die Partei" plädiert für mehr Humor in der Augsburger Politik

„Die Partei“ ist eine Satirepartei und mit der Parteivorsitzenden Anja Klingelhöfer auch in Augsburg zunehmend erfolgreich. Bundesvorsitzender Martin Sonneborn hält viel von der baldigen „Oberbürgermeister-Königin“ Lisa McQueen (Mitte).
Bild: Zoepf

Plus „Die Partei“ will in den Augsburger Stadtrat einziehen und erhält Rückendeckung vom Bundesvorsitzenden Martin Sonneborn. Viele Inhalte gibt es aber nicht.

Schwärzer als die CSU. Das verspricht „Die Partei“ auf einem ihrer Wahlplakate in Augsburg. Darauf zu sehen ist OB-Kandidatin Lisa McQueen. Sie fordert die Bürger auf: „Nicht denken. Einfach wählen“ – so steht es auf einem anderen Plakat. Zur Kommunalwahl tritt die Satirepartei in Augsburg mit elf Kandidaten an. Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde es für „Die Partei“ nicht ausreichend Unterstützerunterschriften geben. Am Ende setzte sie aber ein Ausrufezeichen.

"Die Partei" gewinnt in Augsburg an Unterstützung

Mit 612 Stimmen für die OB-Kandidatin und 552 für die Stadtratsliste sammelte „Die Partei“ mehr Stimmen ein als andere Mitbewerber, die ebenfalls das erste Mal im Rennen um das Rathaus antreten. Zwar hat die Partei das kleinste Budget unter allen Bewerbern, aber gerade unter jungen Leuten genießt sie eine enorme Popularität. Das liegt zum einen am öffentlichkeitswirksam geführten Wahlkampf, zum anderen an ihrem GröVaz Martin Sonneborn.

"Die Partei" plädiert für mehr Humor in der Augsburger Politik

GröVaz steht dabei für den „größten Vorsitzenden aller Zeiten“. Sonneborn war Chefredakteur der Satirezeitschrift „Titanic“, bis 2014 Teil der Satiresendung „heute-show“ im ZDF und, seit demselben Jahr, Mitglied des EU-Parlaments. Deutschlandweit sitzen laut Sonneborn 104 Parteimitglieder in Gemeinde- und Stadträten – in Bayern bisher nur mit einem Sitz in Dollnstein (Eichstätt).

Bei der vergangenen Europawahl schnitt „Die Partei“ allerdings deutschlandweit am drittbesten unter allen Erstwählern ab. Mancherorts waren es mehr als fünf Prozent aller Stimmen. In Augsburg verzeichnete sie 1,7 Prozent der Stimmen, womit sie gegenüber der Landtagswahl 2018 noch einmal um rund ein Drittel zulegte. Ein weiterer Trend zeigt nach oben: Die Mitgliederzahlen in Deutschland haben sich seit 2013 mehr als verdreifacht.

Das Programm der Satirepartei "Die Partei" bleibt kluge Unterhaltung

In Augsburg, erklärt McQueen, habe die Partei etwa 150 Mitglieder. Und die führen einen auffälligen Wahlkampf. So trugen Parteimitglieder ihre OB-Kandidatin („einmal gewählt, trage ich den Titel Oberbürgermeister-Königin“) auf einer Sänfte durch die Innenstadt. Mit Krone, Pelz und Bier. Das sorgte für Aufmerksamkeit unter den Passanten. Der größte Coup gelang wohl am vergangenen Dienstagabend in der Schwabenhalle.

Deichkind sind mittlerweile ein deutsches Pop-Phänomen. Ihr Auftritt in der Schwabenhalle war nicht nur ein Konzert, sondern eine Performance. Die Bilder der Show.
15 Bilder
Deutschlands klügste Party: Deichkind-Konzert in der Schwabenhalle
Bild: Bernd Rottmann

Die Band „Deichkind“ holte McQueen und Mitstreiter zu sich auf die Bühne, dort schwangen sie ihr Parteibanner vor 5000 Zuschauern. Für eine Partei mit elf Kandidaten und sehr niedrigem Budget viel mehr als ein Achtungserfolg. An den Programminhalten sollte die zunehmende Popularität nicht liegen.

Wie McQueen am Wochenende auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Sonneborn in dem von ihr betriebenen Café Käthchens erklärt, wolle sie Augsburg offiziell in Fuggerstadt Augsburg umbenennen. Weil dann in der gesamten Stadt Mieten von 88 Cent gelten – mit Ausnahme von Göggingen, wohin die Reichen gebracht werden. Finanziert werden soll der Plan durch den Verkauf des Rathauses an einen arabischen Investor. McQueen: „Wir brauchen viel mehr Graffiti in der Stadt, vor allem Blumen und Disko.“

Eine Anspielung, natürlich: McQueens Ehemann ist der bekannte Augsburger Graffitikünstler und Erfinder der Augsburg-Blume Bernhard McQueen, der für seine illegalen Graffiti eine Haftstrafe auf Bewährung, eine Geldstrafe und 400 Arbeitsstunden aufgebrummt bekam, nun aber von seiner Kunst lebt.

Wie ein Stadtrat von "Die Partei" in Augsburg arbeitet, muss sich zeigen

Im Wahlprogramm der Satirepartei liest man etwa Folgendes: „Wir fordern, dass das Modular wieder im Wittelsbacher Park stattfinden muss. Den Anwohnern im Umkreis von 500 Metern ist ein Gratis-Ticket auszustellen. Sollten sie dieses nicht annehmen, da ihnen die Musikauswahl nicht gefällt: Zwangs-Airbnb mit deren Wohnungen.“ Das steht exemplarisch für den Politikstil von „Die Partei“.

Themen, die Stadt und Menschen umtreiben, werden satirisch verdreht. Das Ganze ist klug gemacht und regt bisweilen zum Nachdenken an, nur muss man sich als Wähler fragen: Wie arbeiten die Kandidaten für die Stadt, sollten sie gewählt werden? Auf Nachfrage bei McQueen, ob man sich denn eine gemeinsame Ausschuss-Fraktion vorstellen könne oder wie man sich Sacharbeit vorstelle, bleibt die OB-Kandidatin ganz in ihrer Rolle als Vertreterin von „Die Partei“. Man gehe von einer Mehrheit im Stadtrat aus und werde dann die eigenen Punkte umsetzen.

Ernste und inhaltliche Themen sind auf der Pressekonferenz an diesem Samstagnachmittag nicht zu erwarten, es sei denn in persiflierter Form. Das entspricht ganz dem Politikstil Sonneborns, der zwar viele Missstände im EU-Parlament öffentlichkeitswirksam anspricht, als fraktionsloser Abgeordneter aber keine politische Schlagkraft entfaltet. Vielleicht auch nicht entfalten will. Oder, um es mit den Worten des GröVaz zu sagen: „Wählt Lisa McQueen. Damit sich alles ändert – oder alles so bleibt, wie es ist.“

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