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Augsburger Geschichte

18.10.2017

Die Stadtmetzg ist rundum modernisiert

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3 Bilder
Eine Huldigung an Elias Holl und eine Erinnerung an die Reichsstädtische Akademie in den Obergeschossen der Metzg ist das Deckenfresko im nördlichen Treppenhaus.
Bild: Sammlung Häußler

Die Stadtmetzg bekam einen neuen Eingang, einen Aufzug und ein dichtes Glasdach. Das Sozialamt nutzt seit 1939 den einstigen Fleischmarkt.

Als „guter Nutzbau mit repräsentativer äußerer Erscheinung“ wurde schon 1957 die einstige Stadtmetzg am Fuße des Perlachbergs bezeichnet. Die Stirnseite sei „von beruhigt-klangvoller Reife“, schrieb der Kunsthistoriker Dr. Norbert Lieb. Am Fuß dieser Giebelfront zum Metzgplatz führen breite Treppenstufen zu zwei Portalen. Von 1609 bis 1930 betrat man durch sie die Fleischmarkthalle. Hier befanden sich ursprünglich auf runden Steinsäulen 127 Verkaufstische, an denen die Frauen der Augsburger Zunftmetzger Fleisch anboten. Innereien und Wurst durften in der Markthalle nicht verkauft werden.

Vier skelettierte Ochsenköpfe aus Stein erinnern an der Fassade noch an die ursprüngliche Zweckbestimmung des Gebäudes. An einem bronzenen Stadtwappen in der Giebelmitte ist die Jahreszahl MDCIX (1609) lesbar. Das ist das Jahr der Fertigstellung durch Stadtwerkmeister Elias Holl. Aus dieser Zeit stammt nur noch der Schaugiebel, das Innere des Gebäudes wurde seither mehrmals erneuert.

Kanal kühlte Fleischlagerkeller

Die Metzg steht auf problematischem Untergrund. Hier verlief vor Urzeiten ein Arm des Lechs und hinterließ einen Sumpf. Später durchfloss ein Lechkanal das Grundstück. Als Baugrund war der Untergrund denkbar ungünstig. Holl ließ Stämme in den Morast rammen und darauf einen Balkenrost für die Fundamente legen. Der Kanal floss unter dem Gebäude hindurch. Er sorgte für Kühlung in 22 Fleischlagerkellern.

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Ein Balken im Foyer des Südeingangs trägt seit 1939 die Aufschrift: „Elias Holl hat dieses Haus gebaut A. D. 1609. Über 300 Jahre schlachteten und verkauften hier die Metzger unserer Stadt.“ Das ist nur zum Teil richtig: In der Metzg wurde Fleisch verkauft, geschlachtet wurde darin nie! Das geschah ein paar Meter entfernt jenseits des Schlachthausgäßchens. Dort steht noch die 1850 erbaute einstige Schlachthalle.

Feuer zerstörte das Innenleben

Am 3. März 1634 gab es die erste Katastrophe: In einem Obergeschoss der Metzg brach Feuer aus. Es zerstörte nicht nur das gesamte Innenleben der Metzg, sondern sprang auf sieben benachbarte Bürgerhäuser über.

Die Metzg erstand nach den Holl’schen Plänen in Jahresfrist neu. Lediglich die zwischen 1606 und 1608 entstandenen Keller und Außenmauern waren wiederverwendbar. In den Obergeschossen wurden Räume für die Metzgerzunft und Wohnungen geschaffen. Von 1710 bis 1806 belegte die Reichsstädtische Kunstakademie die Etagen über der Fleischmarkthalle. Berühmte Augsburger Maler leiteten sie, bedeutende Künstler erhielten hier ihre Ausbildung. Hier fanden Ausstellungen und Prämierungen statt. Nach 1846 durfte im ersten Stockwerk der „Naturhistorische Verein“ eine Schausammlung mit Naturalien einrichten. Später wurde dort eine Marktgaststätte eingerichtet. Sie schloss am 9. Oktober 1930. Das war der letzte Verkaufstag in der Metzg. Die Metzger übersiedelten in den neuen Stadtmarkt.

Es dauerte ein paar Jahre, ehe der Stadtrat beschloss, daraus ein städtisches Verwaltungsgebäude zu machen. Am 11. März 1937 begann die Totalentkernung. Eine Fotoserie belegt, dass über den Kellern nur der Schaugiebel und Außenmauern stehen blieben. 1939 konnte das Wohlfahrtsamt in den Neubau einziehen.

Deckenfresko blieb erhalten

Im Februar 1944 wurde der Bau bei Bombenangriffen zwar schwer beschädigt, doch viele der 1938/39 eingebauten Türen, Holztreppen, Wandleuchten und das Deckenfresko im nördlichen Treppenhaus blieben erhalten. Auch der damals eingerichtete Lichthof im Nordteil überstand das Inferno. Von den Arkaden führen die Türen zu Dienststellen des „Amtes für Soziale Leistungen, Senioren und Menschen mit Behinderung“.

Der Innenhof wurde 1938 überglast. Nach der Erneuerung der zerstörten Scheiben fanden im ersten Nachkriegsjahrzehnt darin Konzerte, Vorträge und Ausstellungen statt. Die lichte Halle wurde 2015 restauriert und die Dachfläche isoliert.

Im Parterre zieht eine Kopie des mächtigen Bronzeadlers vom abgebrochenen Siegelhaus – es stand auf der Maximilianstraße – die Blicke auf sich. Bis um 1950 floss der Lechkanal unter dem Gebäude hindurch. Nach seiner Umleitung traten Mauerrisse auf. Die Ursache: Es befanden sich noch Reste des von Elias Holl gelegten Holzrostes im Untergrund.

Das Holz faulte nach der Kanaltrockenlegung und musste 1960 bis in sechs Meter Tiefe durch Beton ersetzt werden. Überlegungen, den Verwaltungsbau zur Stadtbücherei oder zur Musikhochschule umzufunktionieren, wurden verworfen. Stattdessen wurde der Gebäudekomplex saniert und etappenweise den heutigen Erfordernissen eines Verwaltungsgebäudes angepasst. Dazu zählten 2013/14 der Einbau eines Aufzugs und eines behindertengerechten Zugangs.

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