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Augsburg

31.08.2019

Die V-Partei will den Plärrer zum veganen Volksfest machen

Fleisch - zum Beispiel Hendl - steht bei den Besuchern auf dem Plärrer nach wie vor hoch im Kurs. Die Wirte arbeiten inzwischen verstärkt mit Bio-Produkten, beim Fleisch allerdings ist die Umstellung aus Kostengründen schwierig, argumentieren sie.
Bild: Symbolfoto/Stefan Sauer, dpa

Plus Roland Wegner von der V-Partei plädiert auch aus Klimaschutz-Gründen für ein veganes Volksfest. Statt Hendl könne man vegane Bosna essen, schlägt er vor.

Es war ein harmloses Foto, welches der Augsburger SPD-Politiker Dirk Wurm im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlichte. Zumindest auf den ersten Blick. Das Foto zeigte, wie er am ersten Plärrer-Samstag mit seiner Familie im Bierzelt sitzt und ein halbes Hendl verspeist. So, wie es in diesen Tagen tausende Augsburger machen. Die Reaktionen auf das Bild darauf waren allerdings ziemlich kontrovers. Mehrere Facebook-Nutzer kritisierten ihn scharf dafür, dass er Fleisch isst. Die Rede war davon, dass er seine Kinder dazu erziehe, „Tierleichen“ zu essen. Ein Nutzer sprach Dirk Wurm die Intelligenz ab, weil er sich nicht vegan – also komplett ohne tierische Produkte – ernähre.

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V-Partei will tierische Produkte auf dem Augsburger Plärrer verbieten

Nun legt eine kleine Partei nach. Die V-Partei, gegründet von Roland Wegner, hat es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, für eine vegane Lebensweise einzutreten. Wegner wohnt im Landkreis Augsburg und ist als begnadeter Treppen- und Rückwärtsläufer bekannt geworden. Auch in der TV-Show „Wetten, dass...?“ trat er schon auf. Roland Wegner regt angesichts der schweren Waldbrände in Brasilien in einem Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) an, tierische Produkte vom Plärrer komplett zu verbannen. Er macht dafür auch konkrete Vorschläge. Statt Grillbraten, Haxen und Hendl schlägt er Spaghetti mit veganer Bolognese, vegane Burger mit Pommes oder Riesenbrezen mit veganem Obazda und Rettich vor. Auch Erbsenschnitzel mit Knödel oder Pommes, Rahm-Curry mit Reis oder vegane Bosna und Bratwürste seien eine Option, schreibt er an Gribl.

Roland Wegner hat die V-Partei gegründet.
Bild: Buk-Kluger (Archiv)

Hühner werden mit Soja vom Amazonas gefüttert

Ein Fleisch-Bann auf dem Plärrer? V-Parteichef Roland Wegner meint das ernst. Er argumentiert damit, dass die verheerenden Brandrodungen im Amazonasgebiet erfolgen, um mehr Anbauflächen, vor allem für Soja, zu gewinnen. „Geschrotet landet das dann in den Trögen der Rinder, Schweine, Puten und Hühner“, schreibt Wegner. Europa sei der drittgrößte Abnehmer dieses Eiweißfutters für die Massentierhaltung. Er argumentiert: „Jedes Brathähnchen facht diese Feuer an.“ Und er hat damit nicht unrecht. Tatsächlich wird gerade in der konventionellen Hähnchenmast verbreitet Soja als Futter eingesetzt. In vielen Fällen handelt es sich um Importsoja, auch aus Südamerika. Die Hendl, die in den Bierzelten auf dem Plärrer verkauft werden, stammen alle aus konventioneller Haltung. Bio-Hendl gibt es hier bisher nicht. Der Vorschlag der V-Partei wird daran in absehbarer Zeit aber wohl auch nichts ändern.

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Dirk Wurm, als städtischer Ordnungsreferent auch für den Plärrer zuständig, hält nichts von der Idee eines veganen Plärrers. „Jeder sollte selbst entscheiden können, was er auf dem Plärrer isst“, sagt Wurm. „Ich halte nichts davon, das von oben herab vorzugeben.“ Die Stadt als Organisatorin des Festes lege schon seit Jahren Wert darauf, dass Besucher beim Essen die Wahl haben und es auch vegetarische und vegane Gerichte gibt. Von den Festwirten werde diese Vorgabe auch umgesetzt. Bei der Vergabe von Plätzen für Imbissstände berücksichtige die Stadt auch, ob die Betreiber ihre Waren von regionalen Anbietern beziehen. Jeden Plärrerbesucher, der ein Grillhendl verspeist, als Regenwaldvernichter zu brandmarken, gehe allerdings viel zu weit, sagt Dirk Wurm.

Plärrer-Festwirt Held: Nachfrage nach Fleisch ist gleich hoch

Vom Fleisch abzurücken, das können sich die Festwirte der beiden großen Bierzelte auf dem Plärrer auf keinen Fall vorstellen. Dieter Held vom Schallerzelt sagt, Hendl und andere Grillspezialitäten seien nach wie vor am meisten gefragt bei den Gästen. Er spüre keinen Rückgang der Nachfrage. Auf der Speisekarte im Schallerzelt stehen inzwischen auch eine Reihe vegetarischer Gerichte – etwa Gemüsemaultaschen, Gemüsereis, Gemüsestrudel oder Salatteller.

Im Vergleich zu den Klassikern führten diese Gerichte aber eher ein Schattendasein. Stark gefragt beim Plärrer-Publikum seien Kässpätzle, das sei aber schon immer so. Dieter Held sagt, er habe auch schon Hähnchen aus Bio-Produktion getestet. Sie seien aber im Geschmack nicht so gut gewesen, wie die Hendl seines bisherigen Lieferanten. Darauf aber komme es den Gästen vor allem an. Bei Beilagen und Salaten kauft Dieter Held eigenen Angaben zufolge teils auch Bio-Produkte. Er weise das aber nicht eigens auf der Speisekarte aus.

Festzelt Binswanger: Mehr Bio und regionale Lieferanten

Das ist im Binswangerzelt anders. Dort steht inzwischen bei einer Reihe von Gerichten und Zutaten, dass sie aus biologischer Landwirtschaft stammen. Wirtin Angelika Kempter sagt: „Wir haben damit vor einigen Jahren begonnen und wollen das auch ausbauen. Einer muss ja damit anfangen.“ So sind die Spätzle inzwischen Bio, die Ofenkartoffel, ebenso der Krautsalat, das Blaukraut, die Semmelknödel, das Apfelmus und die Vanillesoße, die zur Dampfnudel serviert wird.

Beim Fleisch allerdings sei es nicht ganz so einfach, sagt die Festwirtin. Ein Hähnchen aus Bio-Landwirtschaft ist um einiges teurer. Die Bereitschaft, deutlich mehr Geld für das Essen auszugeben, sei bei den Besuchern aber begrenzt, sagt Angelika Kempter. Man achte aber auf kurze Wege, die Grillhendl zum Beispiel stammen aus Bayern. Eine Spezialität im Binswangerzelt, der sonntags servierte Ochs vom Spieß, stamme von einem Mutterkuhbetrieb im Allgäu, der gerade dabei sei, auf Bio-Landwirtschaft umzustellen.

Schausteller verwenden Öko-Strom

Roland Wegner, dessen Partei inzwischen bundesweit rund 1600 Mitglieder hat, geht das alles nicht weit genug. Er spricht deshalb bewusst von „Regenwaldbrathähnchen“. Er ist überzeugt, dass ein fleischloser Plärrer funktionieren könnte. Schließlich vermisse das Rauchen im Bierzelt heute auch keiner mehr. Als es eingeführt wurde, hatten viele Festwirte in Bayern das Ende der Bierzelte und der Volksfestkultur befürchtet. Schaller-Wirt Dieter Held will das nicht vergleichen. Viele Besucher kämen extra aufs Volksfest, um eine Haxe oder ein Grillhendl zu essen, weil die Zubereitung zuhause zu aufwendig sei. Ohne Hendl blieben sie eben weg, ist er überzeugt.

Abseits vom Essen ist der Klimaschutz auf dem Plärrer aber schon länger ein Thema. Seit dem Jahr 2014 beziehen alle Beschicker des Plärrers von den Stadtwerken Öko-Strom, der nur mit Wasserkraft erzeugt wird. Der Verbrauch liegt laut Stadtwerken bei rund 280.000 Kilowattstunden. Der Strombedarf in zwei Wochen Festbetrieb ist damit etwa so groß wie der von rund 100 Augsburger Haushalten im Jahr. Allerdings bemühen sich die Schausteller – auch aus finanziellen Gründen – um Einsparungen. So wurde die Beleuchtung an den Fahrgeschäften nach Angaben von Schaustellerverbands-Chef Josef Diebold inzwischen fast komplett auf stromsparende LEDs umgestellt. Von der Stadt kommt zudem die Vorgabe, dass die Karussellbetreiber biologisch abbaubare Öle verwenden. Dirk Wurm ist trotz der Kritik, die ihm im Internet entgegenschlug, überzeugt: „Man kann den Plärrer mit gutem Gewissen besuchen.“

Alle Infos zum Plärrer finden Sie hier: Herbst-Plärrer 2019 in Augsburg: Programm, Reservierung, Parken, Feuerwerk

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Die Diskussion ist geschlossen.

02.09.2019

Sorry, aber das ist einfach nur lächerlich! Die haben echt ein an ihrer veganen Waffel...

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31.08.2019

Ob diese seltsamen Menschen wohl wissen wo das Soja für die Herstellung von Tofu für ihre veganen Ersatzprodukte angebaut wird . . . Aber bei veganer Ernährung leidet ja nachweislich die Leistungsfähigkeit des Gehirns, also muss man es ihnen nachsehen.

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31.08.2019

(edit/mod)

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31.08.2019

>> Er argumentiert: „Jedes Brathähnchen facht diese Feuer an.“ Und er hat damit nicht unrecht. <<

Lt. AZ Redakteur facht also jedes Brathähnchen das Feuer im Amazonasgebiet an.

Gut dann bekenne ich mich halt zum Kommando Teutonen-Bolsonaro
>> Deutschland verrecke durch Brathähnchenkonsum <<

Aber mal zu den Fakten:

https://de.wikipedia.org/wiki/Geflügelproduktion

Deutschland hat eine 112% Selbstversorgung mit Hühnerfleisch und ist global nur ein kleines Würstchen und nicht unter den Top 20 der Erde. Das ist Produktion für eine wachsende Überbevölkerung auf der Erde!

Blickt man mal in den qualitätsorientierten Markt der Schweiz wird man schon etwas klüger:

https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/themen/konsum/wie-poulet-im-ausland-anders-produziert-wird

Die Zukunft für Menschen-, Tier- und Umweltschutz liegt ganz klar in harten nationalstaatlichen Regeln. Freihandel und offene Grenzen schaffen hier keinen Fortschritt, aber bieten halt für manche ökonomische Vorteile.


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31.08.2019

Hier geht's eigentlich um die Fütterung der Hühnchen mit Soja aus Brasilien/ Amazonasregionen.
Wir argumentieren hier ohne die Situationen in diesen Ländern zu beachten/analysieren. Auch die dortige Bevölkerung will vom Wohlstand der restlichen (westlichen) Welt etwas abbekommen. Solange wir unsere subventionierten, billigeren Produkte in den Ländern Südamerikas und Afrika verkaufen, können die dortigen Bauern (speziell in Afrika) nicht kostendeckend produzieren. Ein weiteres Dilemma ist die rasant wachsende Bevölkerung. Wie soll die in Zukunft ernährt werden, wenn das Wachstum weiterhin ungebremst fortdauert?!? Eine fast unlösbare Aufgabe!

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31.08.2019

>> Solange wir unsere subventionierten, billigeren Produkte in den Ländern Südamerikas und Afrika verkaufen, können die dortigen Bauern (speziell in Afrika) nicht kostendeckend produzieren. <<

Grundsätzlich sehe ich Deutschland hier nicht relevant betroffen. Deutschland produziert wie oben dargelegt hsl. für den Eigenbedarf. Es gibt da keinen nennenswerten Export nach Afrika. Also spielt hier auch der Futtermittelbezug hinsichtlich Afrika keine Rolle.

Alternativen sind nicht so einfach:

https://mobil.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Futtermittelreport_Gefluegel.pdf

Und machen wir uns nichts vor; Geflügelfleisch erfährt aktuell eine immer stärkere Nachfrage - in den letzten Jahren wanderten sicher mehr Geflügelfreunde ein, als wir vegane Aktivisten im Land haben.

Es gibt hier Mehrheiten die sich einfach durchsetzen müssen!

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31.08.2019

Ich verstehe allmählich immer besser, daß der Beruf des Psychiaters eine immer wichtigere Rolle in unserer Gesellschaft spielt.

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31.08.2019

Warum denn nicht gleich den ganzen Plärrer verbieten?!? Aus Öko-Sicht ein Unding! Der ganzer Aufwand, die CO2 Bilanz beim Aufbau und Betrieb ist verheerend! Vielleicht kommt mal jemand auf die Idee, ein Spaß-Partei (S-PD) zu gründen. Warum muss den ein veganer Burger Burger heißen?!? Entweder ich esse einen Burger, oder eben etwas anders, Veganes! Muss man Veganes nach Fleischgerichten benennen, nur weil's dem Fleisch nachgemacht (aussieht) wird?!? Inkonsequent!
Wahrscheinlich fahren diese "protestierenden Veganer" auch mit dem Auto zum Plärrer, um sich dann über die (fleischigen) Brathendl zu beschweren.

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31.08.2019

Ha, ha, guter Aprilscherz... wenn wir nicht schon August hätten!

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31.08.2019

Mitten drinn statt nur dabei - auf dem Weg zur Öko-Diktatur !

Mich würde dann interessieren , was passieren würde , wenn man in so einer Öko-Diktatur dann selbst Hühner -im Geheimen- halten und -im Geheimen braten und dann essen würde ?

Um 5:45 Uhrr wurrdee derr Defäätist an die Wand gestelllt, jawoll !

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31.08.2019

Eine weitere V- (erbots) Partei brauchen wir nicht. Wir werden in Deutschland schon anderweitig genug gegängelt. Ich möchte mir nicht vorschreiben lassen ob ich mal eine Bratwurst oder Fischsemmel esse wenn ich das möchte.

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