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Augsburg

21.01.2020

Direktor der Hessing-Stiftung beurlaubt: So geht es nun weiter

Die Hessing-Klinik in Augsburg erlebt gerade eine turbulente Zeit.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Weil der Direktor mit sofortiger Wirkung beurlaubt wurde, springt Thomas Schmidt-Tancredi ein. Der Beamte ist eine Art Feuerwehrmann der Stadt Augsburg.

Wer sich derzeit auf der Homepage der Hessing-Kliniken umschaut, könnte den Eindruck gewinnen, es laufe alles glatt bei der traditionsreichen Stiftung. Im Bereich „Aktuelles“ lässt sich etwa noch eine Einladung zum „Tag des offenen Kinderhauses“ aus dem vergangenen Jahr finden oder eine Meldung zur Therapie von chronischen Schmerzen. Alltag einer Klinik. Ein paar Mausklicks entfernt stellt sich die Leitung der Unternehmensgruppe vor, es gibt auch ein Organigramm. Ganz oben, direkt unter dem Verwaltungsrat: Direktor Markus Funk.

Die Homepage wirkt frisch, doch sie ist veraltet. Gut ist die Stimmung bei vielen Mitarbeitern der Stiftung schon länger nicht mehr. Und zuletzt gab es einen personellen Paukenschlag. Wie berichtet, ist der kaufmännische Chef der Hessing-Stiftung beurlaubt worden. Er erhält derzeit weiter seine Bezüge, darf aber die Stiftung nicht mehr leiten. Von Ärzten und Mitarbeitern hatte es Kritik am Sanierungskurs des seit 2016 tätigen Direktors gegeben, die Rede ist unter anderem von zunehmendem Druck und Arbeitsverdichtung. Zuletzt gab es bei Hessing nach Informationen unserer Redaktion auch ein Schreiben, das von fast allen Ärzten unterzeichnet worden ist. Darin schildern sie offenbar, dass sie kein Vertrauen mehr zum Direktor hätten.

Hessing-Stiftung in Augsburg erhält nach Eklat kommissarische Leitung

Kommissarisch hat der Augsburger Stadtdirektor Thomas Schmidt-Tancredi die Leitung übernommen. Schmidt-Tancredi, ein Jurist mit weitreichender Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung. Er scheint so etwas wie der städtische Feuerwehrmann zu sein, wenn es darum geht, Führungspositionen übergangsweise zu besetzen. Der 48-Jährige war zugleich der Vorgänger von Markus Funk – nachdem der damalige Direktor Wolfgang Winkler 2015 aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, übernahm Schmidt-Tancredi die Leitung für ein Jahr. Thomas Schmidt-Tancredi leitet derzeit auch kommissarisch die Augsburger Messe. Unter Stadträten genießt der 48-Jährige einen guten Ruf, Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) sagte zuletzt gegenüber unserer Zeitung, man habe mit ihm eine „kompetente Persönlichkeit“ gefunden.

Thomas Schmidt-Tancredi

Dennoch ist die Konstellation ungewöhnlich. Der neue Hessing-Chef selbst sagt auf Anfrage, es sei „toll und auch ein Vertrauensbeweis“, dass er solche Leitungen immer mal wieder übernehmen könne. Seine Aufgaben derzeit seien allerdings auch ambitioniert. Es helfe sicherlich, dass er das Haus und die handelnden Personen bereits kenne. Manche Probleme hätten sich seit seiner früheren Geschäftsführertätigkeit nicht geändert, etwa der „Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und der Patientenfürsorge“ bei der orthopädischen Fachklinik. Es gelte nun, Gespräche mit sämtlichen Berufsgruppen und Führungskräften zu führen, um ein Bild zu bekommen, wo man tätig werden müsse. Eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft soll nun auch einen Blick auf die Finanzen und Ausgaben werfen. Bei einer Betriebsversammlung am vergangenen Donnerstag habe er die Mitarbeiter als durchaus aufgeschlossen für eine Zusammenarbeit erlebt, sagt Schmidt-Tancredi – auch wenn die Situation für die Stiftung sehr schwierig sei.

Zur Stiftung in Augsburg gehören die Hessing-Kliniken in Göggingen

Zu der traditionsreichen Stiftung gehören unter anderem die Hessing-Klinik in Göggingen, drei medizinische Versorgungszentren in der Region Augsburg und zwei Sanitätshäuser. Beschäftigt werden dort rund 1400 Mitarbeiter. In dem auf Orthopädie und Chirurgie spezialisierten Krankenhaus ist die Stimmung schon länger angespannt. Markus Funk wurde 2016 als Geschäftsführer geholt, um das Haus effizienter zu machen. Es hatte in den Jahren zuvor zunehmend Verluste im einstelligen Millionenbereich eingefahren. Thomas Schmidt-Tancredi sagt, Ziel sei nun auch, eine dauerhafte Lösung für seine Nachfolge zu finden. Die Suche sei hoffentlich bis spätestens Jahresende abgeschlossen.

Lesen Sie auch: Mehr Druck und Sparmaßnahmen: Bei Hessing rumort es

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