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Augsburg

15.11.2018

Elias-Holl-Platz: Anwohner fühlen sich von Jugendlichen terrorisiert

Vor allem in den Abendstunden treffen sich zahlreiche Jugendliche auf dem Elias-Holl-Platz.
Bild: Annette Zoepf

Auf dem Elias-Holl-Platz steigt die Zahl der Polizeieinsätze. Das Problem sind Jugendliche, die zum Teil aggressiv auftreten. Ein Anwohner erzählt, wie er bedroht wird.

Nach seiner Neugestaltung vor fünf Jahren hat die Stadt den malerischen Elias-Holl-Platz unterhalb des Rathauses als einen „Ort der Stille“ auserkoren. Etliche Anwohner empfinden das als Hohn. Einige fühlen sich von Jugend-Gruppen drangsaliert, die sich dort vor allem in den Abendstunden treffen. Dabei drehen sie nicht nur Musik laut auf. Zwei Anwohner erzählen, was sie erleben. Und die Polizei räumt ein: Der Elias-Holl-Platz ist ein neuer Brennpunkt geworden.

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Dabei hat sich das von offizieller Seite vor wenigen Wochen noch anders angehört. Als unsere Redaktion bei Stadt und Stadtjugendring nachfragte, wie der diesjährige Sommer auf den Innenstadtplätzen verlaufen sei, war der Tenor: Die Situation auf Rathausplatz und Elias-Holl-Platz hat sich entspannt. Die Polizei sprach von zehn aktenkundigen Fällen von Ruhestörungen. Als Zoran Kikic dies in unserer Zeitung liest, platzt ihm der Kragen.

Anwohner wird auf Elias-Holl-Platz angegriffen

Der Anwohner, der mit seiner Frau seit acht Jahren am Elias-Holl-Platz lebt, wendet sich an unsere Redaktion. Er und Jürgen Benthele, der mit seiner Familie ebenfalls dort wohnt, packen aus. Der Frust sitzt bei ihnen tief. Kikic erzählt, er werde sogar bedroht. Bis vor wenigen Monaten noch ging Zoran Kikic persönlich hinunter auf den Platz, wenn ihn mal wieder laute Musik oder Geschrei störten. Der 43-Jährige arbeitet viel von zu Hause aus. Inzwischen aber meidet er das direkte Gespräch. Er ruft lieber die Polizei. Zwei Mal schon sei er von jungen Männern angegriffen worden. Er schildert einen Vorfall.

„Zwei Afrikaner, Anfang 20, hörten nachmittags laut Musik – über drei Stunden lang.“ Mit der Geduld irgendwann am Ende ging er zu ihnen. „Ich sagte guten Tag und dass die Musik zu laut ist.“ Die Lage eskalierte. „Einer stand auf und schubste mich über den Platz. Sie beschimpften mich. Erst als Leute vorbeikamen, ließen sie von mir ab.“ Der 52-jährige Nachbar Jürgen Benthele bestätigt, die Situation auf dem Elias-Holl-Platz sei aus dem Ruder gelaufen. „Das ist kein sozialkontrollierter Raum mehr.“ Beide berichten, dass sich an den Abenden im Sommer zum Teil bis zu hundert Jugendliche dort getroffen haben.

Es werde nicht nur laute Musik gehört, sondern untereinander auch gestritten und geprügelt, Alkohol getrunken und bisweilen auch Drogen konsumiert. „Die Klostermauer von Maria Stern wird zum Urinal.“ Unter den jungen Leuten seien viele mit Migrationshintergrund. Oft schon hätten sie oder andere Anwohner die Polizei gerufen. Und wie schätzt diese die Situation ein?

Hier hat ein Anwohner ein paar Szenen auf dem Elias-Holl-Platz gefilmt

„Insgesamt sind die Einsätze auf Innenstadtplätzen rückläufig. Nur am Elias-Holl-Platz gibt es in diesem Jahr eine Steigerung von 30 Prozent“, sagt Polizeisprecher Thomas Rieger. Das habe man nun in einer Bilanz festgestellt. 84 Mal seien seine Kollegen von Anfang Mai bis Anfang September zum Elias-Holl-Platz ausgerückt. Dabei gehe es vor allem um Ordnungsstörungen. Rieger bestätigt, dass die meisten Verursacher Jugendliche oder junge Erwachsene mit Migrationshintergrund sind. „Straftaten, wie Sachbeschädigung, Körperverletzung oder Drogenkonsum, spielen eine untergeordnete Rolle. Meist geht es um Lärm und Streitereien.“

Der Polizeibeamte kann erklären, warum sich die Situation auf dem Altstadt-Platz in diesem Jahr zugespitzt hat. Weil bislang der Königsplatz der Brennpunkt war, hatte die Polizei dort ihre Präsenz intensiviert. „Es kam zu einem Verdrängungseffekt“, so Rieger. „Die Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die wir vorher am Kö mit Alkohol angetroffen haben, halten sich jetzt auf dem Elias-Holl-Platz auf.“ Zum Teil kämen sie sogar aus dem Umland zu dem Platz, an dem Bänke, Treppenstufen und neue Sitzmöbel zum Verweilen einladen. Die Anwohner Kikic und Benthele sagen, dass diese Gruppen über ihr Leben bestimmen. „Das ist absurd.“

Jugendliche wechselten vom Kö zum Elias-Holl-Platz

Bentheles etwa haben sich Klimageräte gekauft. Damit sie die Fenster wegen des Lärms geschlossen halten können. An Schlaf wäre sonst nicht zu denken. Zoran Kikic fährt mittlerweile oft nach München ins Büro. Er müsste es nicht. Doch dort kann der Softwareentwickler ungestörter arbeiten. Manchmal versuchen er und seine Frau, sich herauszuschleichen, wenn sie vom Fenster aus sehen, was unten los ist. Denn Kikic ist bei den Jugendlichen inzwischen als der Mann bekannt, der die Polizei ruft. Das zeigt ein Vorfall im Sommer.

Vor rund fünf Jahren wurde der Elias-Holl-Platz neu gestaltet. Er ist eigentlich ein idyllischer Ort in der Altstadt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Es passierte beim Festival „La Strada“ auf dem Rathausplatz. Die Kikics schauten sich die Künstler auf der Bühne an. „Plötzlich kamen sechs junge Männer auf uns zu“, erzählt er. „Sie waren angetrunken. Einer schrie mich in gebrochenem Deutsch an, ich hätte ein Problem mit Ausländern.“ Sie hätten ihn angegriffen und beschimpft. „Meine Frau stand wie versteinert da“, erinnert er sich. Erst als Umstehende aufmerksam wurden, seien die Männer gegangen. Kikic und seine Frau haben seitdem kein gutes Gefühl mehr. Sie verlassen nur noch getrennt ihre Wohnung am Elias-Holl-Platz, weil die Jugendlichen ihn kennen und er verhindern will, dass sie seine Frau mit ihm in Verbindung bringen. Die Anwohner wissen nicht mehr weiter.

Die Anwohner sind mit ihrem Rat am Ende

Sie fühlen sich alleine gelassen. „Es kann nicht sein, dass der Alltag der Bürger von solchen Gruppen beeinflusst wird“, sagt Polizeisprecher Rieger. Darum wolle die Polizei mit dem Ordnungsamt über ein Konzept für den Platz sprechen. Auch Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) sagt, man müsse sich für nächstes Frühjahr so aufstellen, dass man die Lage in den Griff bekommt. Die Anwohner sollten sich nicht gestört fühlen. Gleichwohl betont er auch, dass der Ordnungsdienst an 210 Tagen insgesamt 280 Kontrollen durchgeführt habe. „Es ist nicht so, dass wir nicht präsent wären.“ Die Anwohner hoffen, dass etwas passiert. Kikic und seine Frau erwägen, sonst auszuziehen. So wie es laut seinen Erzählungen auch schon andere getan haben. Sie sind nur Mieter. Benthele dagegen lebt in dem Haus, das schon seinem Urgroßvater gehörte. Es ist jetzt seines. „Die Fassade müsste längst neu gemacht werden. Aber so lange die Situation so bleibt, mache ich nichts.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Elias-Holl-Platz: Nur Kontrollen bringen nichts

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Die Diskussion ist geschlossen.

17.11.2018

@Klaus Huber
So pauschal würde ich sagen, dass dann ziemlich alle Autofahrer darunter fallen......

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17.11.2018

Die Kommentare von Nicola und Klaus sind absolut zutreffend. Der Punkt mit den "Jugendlichen" die keinen Platz finden ist nur die halbe Wahrheit. Hierbei handelt es sich nämlich nicht um gewöhnliche Jugendliche, wie im Video zu sehen und zu hören ist. Natürlich sind es nicht nur Geflüchtete, bestimmte Gruppen sind meist noch auffälliger.

Als nicht Betroffener ist es natürlich nicht nachvollziehbar welchen Psychoterror die Anwohner (im Sommer täglich) stundenlang ertragen müssen. Vor der Haustüre wird regelmäßig uriniert und gekotzt.

Den Punkt mit dem Ordnungsamt empfinde ich genauso, tagsüber werden die Fahrradfahrer aufgehalten abends allerdings sind die guten Seelen vom Ordnungsdienst am EHP leider nicht zu sehen.

Platzverweise sind übrigens nutzlos, denn diese gelten lediglich 24 Std. danach dürfen sie den Platz wieder betreten und die Polizei ist da ein wenig hilflos.

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16.11.2018

Ein Artikel über ein bekanntes Problem und schon drehen die Rechten wieder hohl und schreien von Ausweisung. Das diese Gruppen auch aus deutschen Jugendlichen bestehen wird natürlich überlesen. Das Problem wird wie an allen anderen Plätzen einfach immer weiter geschoben. Gestern der Kö, heute der Elias-Holl-Platz und morgen dann der Moritzplatz. Dann wird dort wieder gejammert und nichts am Ansatz verändert. Die Augsburger Innenstadt hat viel zu bieten, nur keinen öffentlichen Ort an dem Jugendliche geduldet werden.

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16.11.2018

Ich weiß nicht ob Ihnen das klar ist aber die Freiheit jedes einzelnen hört da auf , wo er andere mit seinem Tun belästigt oder verletzt. Das gilt übrigens sowohl für „deutsche“ als auch Immigranten und erst recht für jedes Alter

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16.11.2018

Wo lesen Sie was von deutschen Gruppen und warum ist jeder der von Zugewanderten das Einhalten von Regeln verlangt Rechts? Soll den alkoholisierten Jugendlichen ein Platz zum Saufen und Drogenkosumieren eingeräumt werden oder wie stellen Sie sich das vor? Vielleicht laden Sie einfach die "Jugendlichen" zu sich nach Hause ein? Keine Lust? Aber andere sollen das hinnehmen und sich vor ihrer Haustüre bedrohen lassen. Kann Ihnen ja egal sein, Sie sind ja nicht betroffen. Hauptsache man pflegt die eigenen Vorurteile.

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17.11.2018

Ganz einfach. "Unter den jungen Leuten seien viele mit Migrationshintergrund.", was im Umkehrschluss wohl bedeutet, dass es Jugendliche ohne Migrationshintergrund gibt. Das Einhalten von Regeln zu verlangen ist nicht rechts, dies aber explizit von Zugezogenen zu verlangen und direkt mit Ausweisung zu ahnden sehr wohl. Ich habe im übrigen auch schon in der Innenstadt gewohnt und oh Wunder es ist nicht leise dort. Wer hätte es gedacht. Die Stadt muss ein Platz für alle sein. Laute Musik und Alkohol sind für Anwohner sicher kein Zuckerschlecken, aber den Elias-Holl-Platz zu räumen ohne geeignete Ausgleichsflächen bereit zu stellen lässt das Problem nur weiter wandern. Sinnvolle Beschäftigung und Angebote müssen geboten werden.

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16.11.2018

Es gibt nur eine Lösung und die muss konsequent angewandt werden: wer sich nicht benimmt fliegt raus .... ganz gutes Beispiel übrigens Singapur .....

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16.11.2018

Im Rest der Welt wäre das ganz einfach: wenn so ein Migrant zum zweiten Mal z.B. wegen Körperverletzung oder Diebstahl verurteilt wird, muss er das Land verlassen. Aber in Deutschland ist das natürlich undenkbar, wir sind ja die Guten....................oder meinen es wenigstens!

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16.11.2018

Nennen Sie mal ein Land wo das so ist. Aber natürlich mit Quellen und Fakten. Danke!

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15.11.2018

Das Ordnungsamt ist noch besser!
Tagsüber verstöße mit voller „härte“ gegen Radfahrer etc. aussprechen und wenn es dunkel geworden ist wird erst nach langem hin und her sowie aufforderung der Anwohner die Polizei hinzugezogen. Ich verstehe die Welt nicht mehr....

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15.11.2018

Ich verstehe nicht, warum die Polizei hier nicht Platzverweise ausspricht und durchsetzt? Was meint denn der SPD Politiker damit "nächstes Frühjahr so aufstellen, dass man die Situation in den Griff bekommt"?

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16.11.2018

Platzverweise werden von denen genauso beachtet wie eine Pinkelverbots-Schild

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