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Gründung

16.12.2019

Er baut Brücken zwischen den Religionen

Henry G. Brandt

Ein neuer Verein will im Sinne von Henry G. Brandt wirken. Es geht um Verständigung mit dem Judentum

Er hat sein Haus bestellt. Das Lebenswerk von Rabbiner Henry G. Brandt geht in den kürzlich gegründeten Verein „Brücken bauen für interreligiöse Verständigung e.V.“ ein. Dieser ermöglicht es dem 92-jährigen jüdischen Geistlichen und Gelehrten, auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst an der Synagoge ein Büro in Augsburg aufrechtzuerhalten. Und es eröffnet der Stadtgesellschaft und jungen Menschen die Möglichkeit, in einen authentischen Dialog mit dem Judentum einzutreten.

Schließlich verfolgt der Verein nach den Worten seiner Vorsitzenden Tanya Smolianitski nicht allein akademische Ziele, sondern möchte sich auch sozial engagieren, etwa in der Hilfe für Obdachlose. Welche Ausstrahlung von dem neuen Verein ausgeht, zeigte sich an der prominenten Beteiligung bei der Gründungsfeier. Dem Augsburger Ehrenbürger Brandt (seit 2015) erwiesen die Bürgermeister Eva Weber und Stefan Kiefer ihre Reverenz, außerdem Vertreter der Religionsgemeinschaften wie Pfarrer Frank Kreiselmeier namens der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen. Nicht zuletzt der Vorstand des Sozialverbands SKM, für dessen Wärmestube Brandt eine Benefizlesung gab, der weiteres Engagement folgen soll. „Es ist uns ein Anliegen, das kostbare Erbe von Rabbiner Brandt, der nach der Shoa um der Vermittlung des Judentums willen wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, zu bewahren“, sagte Professor Franz Sedlmeier, der Altes Testament an der Katholisch-Theologischen Fakultät lehrt. Als Brandt vor 15 Jahren nach Augsburg kam, wollte er sofort mit Studenten und Schülern in Kontakt treten, um ihnen aus persönlichem Erleben das Judentum und seinen geistigen Reichtum zu erschließen. Es lag ihm daran, sowohl die jüdische Lebensweisheit der deutschen Gesellschaft zurückzugeben, als auch die Menschen für eine wehrhafte Demokratie zu rüsten, die sich gegen Antisemitismus und Ausgrenzung wendet.

Brandt, der 1927 in München geboren wurde, trat erstmals 1989 in Augsburg auf – bei einer Chanukkafeier der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. 2004 übernahm er die Israelitische Kultusgemeinde. Es gelang ihm, die Synagoge wieder in die Mitte der Stadtgesellschaft zu rücken. Brandt baute Brücken und knüpfte Kontakte, die in der 100-Jahr-Feier der Synagoge mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gipfelten.

„Auf dieser Basis sollten wir weiterarbeiten zum Besten von Augsburg“, so der Rabbiner. Er selbst („solange mir Gott noch ein bisschen die Kraft lässt“) möchte dazu beitragen, „dass Augsburg noch mehr die Friedensstadt sein kann“. Dabei komme es auf die Grundüberzeugung an, dass alle Menschen Gottes Geschöpfe sind und gleiche Würde haben, was sich in Solidarität niederschlagen sollte.

In den Räumen des Vereins, an dessen Tür die Mesusa mit dem jüdischen Hauptgebet „Höre Israel“ hängt, wird auch die Bibliothek von Brandt aufgestellt. Die Adresse wird nicht veröffentlicht. Dem Vorsitzenden der Allgemeinen Rabbinerkonferenz und Antreiber im christlich-jüdischen Dialog hat der Zentralrat der Juden in Deutschland unlängst den „Estrongo-Nachama-Preis für Toleranz und Zivilcourage“ in Würdigung seines Lebenswerks verliehen. In seiner Laudatio nannte Präsident Josef Schuster als Wesenskern von Rabbiner Brandt: „Er verbindet Menschen. Er geht mit einer Offenheit und mit einem Respekt auf Menschen anderer religiöser Richtungen und anderer Religionsgemeinschaften zu, wie es sehr selten zu finden ist.“ Dabei pflege er einen festen Standpunkt. Brandt sei „ein Glücksfall für die jüdische Gemeinschaft“ und ein Vorbild für nachfolgende Rabbiner-Generationen.

zum Verein per Mail: rhb@augsburg-verein.org

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