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Augsburg

02.12.2020

Fast 300 neue Apartments: Das Hochfeld wird zur Studenten-Hochburg

An der Firnhaberstraße im Augsburger Stadtteil Hochfeld werden an zwei Stellen rund 280 weitere Apartments für Studierende gebaut.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Im Hochfeld entstehen weitere Neubauten mit rund 280 Apartments für Studierende. Auch sonst zieht es immer mehr junge Leute in den Augsburger Stadtteil.

Der frühere Arbeiter-Stadtteil Hochfeld im Süden des Augsburger Zentrums entwickelt sich immer mehr zur Studenten-Hochburg. An der Firnhaberstraße werden jetzt an zwei Stellen rund 280 weitere Apartments für Studierende gebaut. Die kurzen Wege zur Universität und zur Hochschule für angewandte Wissenschaften machen das Quartier für studentisches Wohnen offenbar attraktiv. Auch aus einem anderen Grund zieht es mehr junge Leute dorthin.

Ein Schwerpunkt für den Bau neuer Apartments ist das frühere Bahngelände an der Firnhaberstraße. Die Firma Geba errichtet dort aktuell 192 Wohnungen für Studenten und Auszubildende. Der Rohbau sei bereits fertig, sagt Gerhard Kammerer, Miteigentümer des Unternehmens. Voraussichtlich Ende 2021 soll das Gebäude bezogen werden. Gleich nebenan ist 2019 ein weiterer Neubau für studentisches Wohnen in Betrieb gegangen. Er stammt von einem anderen Bauträger und hat knapp 100 Apartments.

In Augsburg gibt es einen Bauboom bei Kleinwohnungen

Auf einem Grundstück, das ein Stück weiter an der Firnhaberstraße liegt, werden gerade alte Bahngebäude abgerissen. Dort plant das Unternehmen CL-Holding 86 neue Studentenapartments. Wie Vorstand Reinhard Fischer mitteilt, startete das Projekt vergangene Woche. Nach dem Abbruch des Altbestands soll im zweiten Schritt eine Zufahrt für ein Firmengebäude dahinter verlegt werden. Danach kommt der Neubau an die Reihe. Bis zum Frühjahr 2022 soll er fertig werden.

Bei der Stadt beobachtet man die Aktivitäten der Bauträger aufmerksam. Schon in der Vergangenheit gab es in dem Segment von Kleinwohnungen einen Bauboom in Augsburg. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl um 78 Prozent gestiegen - auf 11.313 im Jahr 2019. Man registriere auch, dass in letzter Zeit vermehrt in Richtung von Mikroapartments oder gut ausgestatteter Studentenapartments geplant werde, sagte Baureferent Gerd Merkle (CSU) im Herbst. Dort gab es unter allen Wohnungsarten das stärkste Wachstum. In den kommenden Jahren setzt sich diese Entwicklung vermutlich fort. Weitere Projekte sind in der Innenstadt und in Oberhausen geplant. Einige Fachleute fragen sich schon, ob so viele Kleinwohnungen mittelfristig überhaupt gebraucht werden.

Wohnungen in Augsburg sind bei Kapitalanlegern extrem gefragt

Auch im Hochfeld ist das Angebot von privat finanzierten Studentenwohnungen gewachsen. Zudem gibt es im Stadtteil ein staatlich gefördertes Wohnheim des Studentenwerks mit günstigen Mieten im Prinz-Karl-Viertel. Gleich nebenan wird in den kommenden Jahren der dritte Campus der Hochschule entstehen. Reinhard Fischer spricht von einer großen Nachfrage von Investoren und Mietern nach seinem Projekt. Gerhard Kammerer sagt. "Wir haben innerhalb von sechs Monaten fast alles verkauft." Die Nachfrage bei Kapitalanlegern sei so groß gewesen, dass er zweimal die Verkaufspreise erhöht habe. Diese hätten zwischen 6500 und 6900 Euro pro Quadratmeter gelegen.

"Die Leute fürchten wegen Corona um ihr Geld und kaufen Immobilien", meint Kammerer. Er geht aber auch davon aus, dass trotz der Pandemie genügend Mieter zu finden sein werden. Viele Studenten wohnen bislang noch in Altbauten. Inzwischen sei auch bei jungen Leuten mehr Komfort gefragt. Durch den neuen Augsburger Medizin-Campus und den Innovationspark, der neben der Universität entsteht, sei ebenfalls mit einem weiteren Zuzug jüngerer Menschen zu rechnen.

 

Vermieter sieht anhaltende Nachfrage für Apartments für Studenten

Auch Vermieter sprechen von einer anhaltenden Nachfrage. Die Firma Künstner ist Verwalterin für die Wohnungseigentümergemeinschaft in der Firnhaberstraße 12. Sie kümmert sich auch um die Vermietung. "Aktuell sind die von uns betreuten Apartments zu hundert Prozent vermietet", teilt Geschäftsführer Constantin Künstner mit. Aufgrund der Auflage, dass lediglich an Studenten und Schüler vermietet werden darf, sei die Anfrage jeweils zu Semesterbeginn höher. Längere Leerstände einzelner Apartments gebe es bislang nicht.

Während auf dem alten Bahngelände viele neue Wohnungen entstehen, steckt dort ein anderes Projekt in der Warteschleife: das denkmalgeschützte frühere Eisenbahner-Übernachtungshaus an der Firnhaberstraße. Eine Investorengruppe wollte es in ein Wohnheim für Studenten und Auszubildende mit 26 Plätzen und "bezahlbaren Mieten" umwandeln. Doch die Stadt verwies auf eine hohe Lärmbelastung im Umfeld. Das Übernachtungshaus sei planungsrechtlich nur eine kleine Insel, umgeben von einem großen Eisenbahngelände. Sie erteilte keine Baugenehmigung.

 

Nicht weit weg vom Baudenkmal repariert die Firma FKA Eisenbahnwaggons. Nun entstehen in der Nachbarschaft die neuen Studentenapartments an der Firnhaberstraße. Deshalb könnte es auch Hoffnung für eine neue Nutzung des Eisenbahner-Übernachtungshauses geben, glaubt Marcus Weinrich, der Sprecher der Investorengruppe. Schon seit drei Jahren versuche man, eine Lösung zu finden. Aktuell lägen Anfragen von Bahnunternehmen vor, die Übernachtungsmöglichkeiten für Auszubildende suchen. Weinrich: "Wir gehen davon aus, dass wir jetzt eine Chance haben, uns in dieses Areal hineinzuentwickeln."

Azubis lernen jetzt im Bahnpark im Hochfeld

Jedenfalls ist es so, dass immer mehr junge Leute auf das alte Bahngelände im Hochfeld kommen. Nicht nur zum Wohnen, sondern auch zu Ausbildungszwecken. Im historischen Bahnpark werden seit dem Sommer verstärkt Kurse für angehende Lokführer abgehalten. Nach Angaben von Bahnpark-Geschäftsführer Markus Hehl beteiligen sich an dem Angebot drei verschiedene Eisenbahnunternehmen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Das Hochfeld hat immer noch einen Schandfleck

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