Sebastian Zanke ist 32 Jahre alt und hat vor Kurzem seine Doktorarbeit zum Thema „Johannes XXII. und die europäische Politik im Spiegel der kurialen Registerüberlieferung“ abgeschlossen. Seine Recherchen führten ihn bis in die Vatikanischen Geheimarchive in Rom. Er hat uns von seinen Erlebnissen dort berichtet.
Geheimnisvoll, verboten, voll von unentdeckten Schätzen… Man muss nicht den Film „Illuminati“ nach dem Bestseller von Dan Brown gesehen haben, um bei der Nennung der Archive automatisch an dunkle Geheimnisse und Verschwörungen in großem Stil zu denken. „Es ist nicht wie bei Dan Brown“, lacht Sebastian Zanke. „Aber ein bisschen Mythos ist schon da. Ich war von vornherein fasziniert, auch wegen der unglaublichen Masse an historischen Quellen“. Und die hat er dort ausgiebig erforscht.
Doch erst einmal zum Anfang der Geschichte: Nach seinem Magister im Jahr 2006 trug Professor Kaufhold, Inhaber des Lehrstuhls für mittelalterliche Geschichte, das Thema der Doktorarbeit an ihn heran. „Ich habe keinen Moment gezögert“, so Sebastian Zanke. Nach ersten Überlegungen haben ihn seine Recherchen dann nach Rom geführt. „Der Zugang zum Archiv funktioniert wie in jedem anderen Archiv der Welt, allerdings muss man sich zuvor einen Passierschein für den Vatikan selbst besorgen. Dafür ist eine gesonderte Genehmigung notwendig“, erklärt Zanke. Also doch ein bisschen außergewöhnlich.
Und so konnte er morgens, am Petersdom vorbei und vor den Augen der Touristen durch die Porta St. Anna, ein sehr kleines Tor, welches jedoch der Haupteingang des Vatikan ist, in den Kirchenstaat spazieren. „Das erste Mal fühlt man sich noch ganz wichtig“, lacht Zanke.
Doch das Archiv ist kein verstaubter Ort nur mit Schätzen aus vergangenen Jahrhunderten und ohne Gegenwartsbezug: „Im Archiv faszinierte mich der Kontrast zwischen Moderne und Vergangenheit – zwischen neuesten Computern und alten Dokumenten. Teilweise werden Quellen auch nur auf DVD ausgehändigt“, so Zanke. Die Bestände sind nicht digital erfasst, recherchiert wird unter anderem in Findbüchern, die bis in das 18. Jahrhundert zurückreichen.
Internationale Wissenschaftler
Auch das Arbeitsumfeld war weder ein ergrauter Kreis alter Wissenschaftler noch das erwartete Aufeinandertreffen diverser Geheimbünde. „Man arbeitet Seite an Seite mit renommierten und internationalen Forschern“, erklärt Zanke. Und das nur am Vormittag: Bis 13 Uhr ist das Archiv geöffnet. Am Nachmittag standen weitere Recherchen in anderen römischen Bibliotheken oder am Deutschen Historischen Institut auf dem Plan.
„Es war eine tolle Zeit“, meint Zanke rückblickend. Auch ohne Geheimbünde, mysteriöse Dokumente und ungeklärte Rätsel…