Sorgen hat die Frau, da kann man nur den Kopf schütteln. Vor jedem Auftritt schickt Monika Gruber ein Stoßgebet zur verstorbenen Großmutter in den Himmel: „Oma, mach, dass die Leute lachen“. Viele Menschen haben jedenfalls keinerlei Zweifel, dass sie bei der derzeit wohl erfolgreichsten Kabarettistin Bayerns bestens unterhalten werden. Davon künden auf jeden Fall die enormen Vorverkaufserfolge ihrer Auftritte für das neue Programm „Irgendwas is’ immer“, das auch in Gersthofen blitzschnell für eine ausverkaufte Stadthalle sorgte.
Vom ersten Moment überschütten sie auch dort die Lachsalven aus dem Zuschauerraum, denn das Thema, mit dem sie in ihr Programm einsteigt, könnte nicht besser gewählt sein: die Frau und ihr Alter, das erzeugt immer Heiterkeit, sogar bei den Betroffenen. „Irgendwas hängt immer, das am Tag zuvor noch an einer anderen Stelle war“, weiß die 42-Jährige vom morgendlichen Blick in den Spiegel zu berichten, und führt vor, welche Konzentration und handfeste Unterstützung nötig sind, um heute noch einen Lidstrich am Auge zu schminken – mit zweifelhaftem Ergebnis: „Wenn ich mich heute schminke, schau ich aus wie ein alter Transvestit, der sich als Silvie van der Vaart verkleidet hat.“
Promis bekommen ihr Fett weg
Viele Promis bekommen ihr Fett weg bei Monika Gruber: Heidi Klum mit ihrer McDonald’s-Werbung, die den Burger als Slim-Fast preist, Angela Merkel, das Bond-Girl aus McPom oder Uli Hoeneß, dessen gerechte Strafe gewesen wäre, wenn man ihn zum Präsidenten von 1860 gemacht hätte. Am vergnüglichsten gelingt ihr aber der Seitenhieb auf Helene Fischer, die wirklich wunderschön anzuschauen ist – weil Gott „alles zusammengekratzt hat, was ihm zur Verfügung stand“ –, wenn man den Ton ausschaltet, und zur Demonstration legt sie sich mit einer Fischer-Pantomime mit Po-Wackeln und Arme-Wedeln ins Zeug.
Monika Gruber bringt vollen Einsatz und sie ist ein Vollprofi, ob als Schauspielerin oder als Texterin. Der lallende Stammtischbruder, die esoterische Freundin, der hämische Tätowierer – kein Problem für die ausgebildete Schauspielerin, einen Abend bestreitet sie mit Mimik, Körpersprache und Schlagfertigkeit. Ihre Auftritte leben von der Pointensicherheit, dem Timing, von der direkten Kommunikation mit ihrem Publikum, vor allem aber von ihrem herben bis deftigen Charme, mit dem ihr die „Drecksau“ lächelnd über die sorgfältig geschminkten Lippen kommt. Ja, eine gewisse Fallhöhe ist schon dabei, wenn die gut aussehende, schicke Blondine in tiefstem Oberbayerisch zetert und keift wie ein Waschweib: „Hey du Schachtel, wer hat denn dir grad die Ketten ausgehängt.“
Kinder sind kein Spaß, sondern ein Projekt
Sie redet sich schnell in Rage, regt sich auf über Eltern, für die Kinder „kein Spaß, sondern ein Projekt“ sind, und über die allseits geforderte politische Korrektheit. „Früher war jemand brunzhaferldumm, heute stammt er aus bildungsfernen Schichten.“ Sie wettert gegen die Beschwerde- und Klagewut, das Anspruchsdenken und den Gesundheitswahn. Grubers Programm ist eine kunterbunte Mischung, Politik kommt dabei nur am Rande zur Sprache, dafür viele Beobachtungen aus der Alltagswelt. Das kennt jeder, und deshalb kann auch jeder darüber lachen – selbst wenn er sich dabei hin und wieder ertappt fühlt.
Sie kommt vom Hundertsten ins Tausendste und landet schließlich bei der Partnerwahl, die für viele Frauen keinen Hauptgewinn, sondern eher einen Kompromiss bringt. Und wenn sie dann die Kriterien aufzählt, die ein Mann erfüllen sollte (spricht bayerisch, ist größer, verdient sein eigenes Geld, hat Humor), dann wird die Spaßmacherin durchaus auch nachdenklich und lässt die Bitterkeit und Torschlusspanik spüren, die manche Mittvierzigerin ergreift. Aber natürlich ist auch dieses Thema für Monika Gruber keine spaßfreie Zone. „So einen wie mich wirst du nimmer finden“, hat ihr einer mit auf den Weg gegeben, und sie findet: „Genau das ist der Plan.“ Lachen, auch über sich selbst, das war an diesem Abend der Plan.