Newsticker
Impfstoff von AstraZeneca wirkt Berichten zufolge bei Senioren kaum
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Hermanstraße bekommt nach Protest vielleicht dauerhaften Radweg

Augsburg

20.08.2020

Hermanstraße bekommt nach Protest vielleicht dauerhaften Radweg

In der Hermanstraße hatten Unterstützer von "Fridays for Future" und Mitglieder des ADFC einen "Pop-Up-Radweg" mit Pylonen abgetrennt.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Sozialfraktion und Klimaaktivisten werfen der Stadt Augsburg im Blick auf die Hermanstraße zu verzagtes Handeln vor. Nun soll ein Verkehrsversuch kommen.

Die Stadt möchte im kommenden Frühjahr versuchsweise einen Radweg in der Hermanstraße einrichten und ihn 2022 dauerhaft abmarkieren. Die Situation in der Innenstadtstraße, die eine der Hauptachsen durch die Innenstadt in Nord-Süd-Richtung ist, ist für Fahrradfahrer seit Jahrzehnten problematisch. Zuletzt machte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club auf steigende Unfallzahlen in der Straße aufmerksam. Allerdings geht Klimaaktivisten und der Sozialfraktion das Vorhaben der Stadt weder weit noch schnell genug.

Die Aktivisten des Klimacamps belegten im Rahmen einer Kundgebung für eine halbe Stunde eine Autospur stadteinwärts. "Dem Änderungsplan von CSU-Baureferent Gerd Merkle fehlt es an Mut, er ist ein fauler Kompromiss und wie für die Radwegeplanung in Augsburg leider üblich nur Stückwerk", sagt Luzia Menacher, 19, vom Klimacamp. Die Stadt komme bei dem Thema seit Jahren nicht voran. "Wir alle haben uns viel zu sehr daran gewöhnt, dass es Unorte in Augsburg gibt, an denen wir uns wirklich ungern aufhalten", so Menacher.

Die Sozialfraktion fordert nun ein zügiges Handeln der Stadt und hat einen Dringlichkeitsantrag gestellt. Demnach soll ein Radweg noch während der Sommerferien eingerichtet werden und bis zum Ende der ersten Schulwoche ausprobiert werden. "Dann kann man sehen, wie sich diese Regelung auswirkt, zunächst unter ,vereinfachten Bedingungen‘ während der Ferienzeit, am Ende unter ,Ernstfallbedingungen‘. Die Stadt soll endlich ernst machen", so Fraktionsvorsitzender Florian Freund ( SPD). Der Radweg solle stadteinwärts direkt zur Kaiserhofkreuzung – dem Flaschenhals in der Hermanstraße – führen. Das ist einer der kritischen Abschnitte, weil hier mehrere Autospuren und die davon abgetrennten Straßenbahnschienen Platz finden müssen – für Radler ist dort bisher kein eigener Platz vorgesehen.

Die Wegführung ist nicht in beide Richtungen gleich einfach

Wie berichtet hatte Baureferent Gerd Merkle ( CSU) – er ist aktuell in Urlaub – zuletzt mehrere Varianten für eine Radwegführung vorgeschlagen. Während es stadtauswärts relativ unproblematisch möglich wäre (auch hier gibt es aber Engstellen), Radler auf einem eigenen Weg zu führen, sieht die Bauverwaltung stadteinwärts Probleme, speziell auf den letzten hundert Metern vor der Kaiserhofkreuzung. Eine von der Stadt vorgeschlagene Variante ist, stadteinwärts fahrende Radler ab der Beethoven- oder Völkstraße durchs Beethovenviertel zu leiten. Die Absperrung im Rahmen der Klimademo habe gezeigt, dass die Streichung einer Autospur direkt an der Kreuzung Rückstau für Autos und die Straßenbahnen bedeute, so Tiefbauamtsleiter Gunther Höhnberg. Dabei sei zu bedenken, dass es sich um eine Sperrung in der verkehrsärmeren Ferienzeit gehandelt habe. Man müsse feststellen, dass in Straßen mit begrenztem Platz Verbesserungen für ein Verkehrsmittel zulasten der anderen gingen, so Höhnberg. Die Entscheidung über die Verteilung sei eine politische Frage.

Radldemo in Augsburg - Pop-up-Radweg in der Hermanstraße
Video: Bernd Hohlen

Von der CSU kommt harsche Ablehnung für den Vorstoß der Sozialfraktion. "Die Forderungen von SPD/Die Linke sind rein populistisch und haben mit der Realität sowie der Erfahrung mit Verantwortung politischen Handelns nichts zu tun", so Fraktionschef Leo Dietz. Die Sozialfraktion stelle einmal mehr Forderungen, ohne sich mit Inhalten befasst zu haben. Die "unüberlegte Einführung eines Pop-Up-Radwegs" und ein Abbiegeverbot an der Kaiserhofkreuzung in die Schießgrabenstraße produzierten mehr Verlierer als Gewinner, so Dietz’ Befürchtung.

Augsburgs Bauausschuss berät im Oktober über Radweg in der Hermanstraße

In einem nächsten Schritt ist vorgesehen, dass der Bauausschuss des Stadtrats im Oktober über das weitere Vorgehen entscheidet. Merkle will dann vorschlagen, dass 2021 ein Versuch mit einem Radweg startet. Wo und wie er verläuft, sollen die Stadträte entscheiden. Noch in diesem Jahr einen Versuch zu starten, sei kurzfristig. Die gelben provisorischen Markierungen für den Radweg und die Verschwenkung des Autoverkehrs auf die Tramgleise müssten regelmäßig erneuert werden, was bei feuchter Witterung im Winter schwierig sei, so Höhnberg.

2022 soll der Radweg dann dauerhaft markiert werden. Eine frühere Umsetzung sei wegen der Fristen für Förderanträge schwierig. Unter anderem muss die Stadt Ampeln umprogrammieren, Fahrbahnmarkierungen abfräsen und Bordsteine umbauen.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Stefan Krog: Verkehrspolitik: Augsburg hat eine Chance verpasst

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

22.08.2020

.
Zu Peter P.:

Man könnte doch, wenn man denn will, prüfen, ob die Ampel-
schaltung passend verbessert werden kann

Übrigens: Auch an der Hermannstraße gibt es kein Dauergrün
für die Radler (und wird es auch nicht geben können).
.

Permalink
21.08.2020

>> Die Absperrung im Rahmen der Klimademo habe gezeigt, dass die Streichung einer Autospur direkt an der Kreuzung Rückstau für Autos und die Straßenbahnen bedeute, so Tiefbauamtsleiter Gunther Höhnberg. <<

Also wenn ich ein Polizeiauto mit Blaulicht und eine Demo sehen, gehe ich in diesem Bereich auf Schleichfahrt. Ich zweifle also schon an der Vergleichbarkeit.

Der Ehrlichkeit halber muss natürlich gesagt werden, dass vielfach am Tag auch durch Rechtsabbieger Rückstaus ausgelöst werden.

>> Die "unüberlegte Einführung eines Pop-Up-Radwegs" und ein Abbiegeverbot an der Kaiserhofkreuzung in die Schießgrabenstraße produzierten mehr Verlierer als Gewinner, so Dietz’ Befürchtung. <<

Teile der CSU fallen da offensichtlich in die 1990er zurück, wo schon manches Abbiegen vor der dahinter wartenden Tram immer ganz wichtig war.

Permalink
21.08.2020

.
Da die Konrad-Adenauer-Allee nun Fahrradstraße
geworden ist, drängt sich m.E. die Radwegführung
Völkstraße - Beethovenstraße - Konrad-Adenauer-Allee
geradezu auf.

Welche stichhaltigen Gründe sprechen denn dagegen?

Welche Vorzüge - bei Abwägung beider Alternativen -
sprechen für die Hermannstraße - nicht nur der Wunsch
auf Verdrängung der Autofahrer?
.

Permalink
21.08.2020

>> Die gelben provisorischen Markierungen für den Radweg und die Verschwenkung des Autoverkehrs auf die Tramgleise müssten regelmäßig erneuert werden, was bei feuchter Witterung im Winter schwierig sei, so Höhnberg. <<

Und jetzt wird auch noch der Autostau auf die Tramgleise verlegt.

Aber mit dem 250 Mio Tunnel unter dem HBF wird das alles wieder gut :lol:

Permalink
21.08.2020

Das ist tatsächlich ein Schildbürgerstreich. Erinnert an die 'Beschleunigung' der Straba in der Wertachstraße vor der Wertachbrücke, indem man dem MIV an der Kreuzung eine Spur nahm.

Permalink
20.08.2020

.
Auf eine durchaus zumutbare sicherere Radwegführung stadt-
einwärts über Völk- und Beethovenstraße (dort mit Ampel-
übergang zur Achse Konrad-Adenauer-Allee - Kö ohne Gleis-
oder Bahnsteigbefahrung - Fuggerstraße) ausweichen?

Da sträuben sich einem Fahrradaktivisten doch die Haare!

Nicht "wir", sondern die Autofahrer sollen dort weichen!
.

Permalink
21.08.2020

>> dort mit Ampel-übergang zur Achse Konrad-Adenauer-Allee <<

Bei der Radweg KAA Besichtigung sind mir hier sehr lange Rotphasen aufgefallen - das Ding sperrt noch, wenn 2 Trams nach Süden durch sind und am THP gerade ein Bus losgefahren ist. Die Akzeptanz des Rotsignals ist daher verhalten...

Permalink
20.08.2020

Nun, auf dem Bild trägt kein einziger Fahradfahrer einen Helm... Muss man mehr sagen?

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren