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Augsburg

12.12.2018

In diesem Hotel sollen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten

Der Verein „Einsmehr“, in dem sich Eltern von Kindern mit Down-Syndrom engagieren, will ein Hotel mit über 60 Zimmern eröffnen.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Der Verein „Einsmehr“ plant ein Haus, in dem sich Menschen mit und ohne Handicap um die Gäste kümmern. Das Inklusionsprojekt hat bereits etliche Hürden genommen.

Menschen mit Handicap haben es in Deutschland schon an vielen Orten bewiesen: Gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung können sie einen Hotelbetrieb am Laufen halten. Das Stadthaushotel im Hamburger Stadtteil Altona gibt es etwa schon seit dem Jahr 1993. Augsburg erhält bald auch ein so genanntes Inklusionshotel. Im Oktober vergangenen Jahres ging der Verein „Einsmehr“ mit ihren Plänen an die Öffentlichkeit.

Im Westen der Stadt, nahe des Klinikums, wollen sie ein Hotel eröffnen, in dem Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten. Die Pläne haben sich seither ein gutes Stück konkretisiert. Vergangene Woche wurde der Mietvertrag unterschrieben, der Businessplan den getroffenen Modalitäten angepasst. Der Spatenstich ist ebenfalls in greifbare Weite gerückt. „Am 20. März geht es los“, sagt Vereinsvorsitzende Karin Lange. Wenn alles nach Plan verläuft wird das Hotel in der Alfred-Nobel-Straße auf dem Gelände der ehemaligen Flak-Kaserne im Spätsommer 2020 eröffnen können: 73 Zimmer sind geplant, 24 Mitarbeiter sollen dort einmal beschäftigt sein. „Elf bis zwölf Menschen mit Unterstützungsbedarf werden darunter sein“, berichtet Jochen Mack, der Geschäftsführer der inzwischen gegründeten gemeinnützigen GmbH ist.

Inklusionshotel ist Teil des "Westhaus"-Komplexes

Das Inklusionshotel wird Teil des „Westhaus“-Komplexes sein, das auf einem Grundstück gegenüber des Klinikums zwischen der Neusässer Straße und der Alfred-Nobel-Straße errichtet wird. In dem Neubau werden Begegnungsräume, Hotel, Büros, Bistro und Fitness integriert. Im Idealfall erzeugt das Energie-Plus-Gebäude seinen Energiebedarf künftig selber.

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Auf rund 1,6 Millionen Euro beläuft sich die Investition für das ehrgeizige Projekt des Vereins. Laut Businessplan muss der Verein selber 300.000 Euro aufbringen, damit das Projekt realisiert werden kann. Seit vergangenen Herbst wird deshalb kräftig die Spendentrommel gerührt. Mit Erfolg: 170.000 Euro sind bereits an Spenden zusammengekommen. Und auch sonst zeigten sich Förderer und Initiativen großzügig. Mack: „Von der Stadt Augsburg und dem Bezirk Schwaben haben wir jeweils 150.000 Euro an Investitionshilfe erhalten.“ Diese Finanzspritzen seien für den Verein besonders wichtig gewesen, um den Anfang zu schultern, so Mack. Anwälte müssten bezahlt werden, um Vertragsmodalitäten zu prüfen, ein Businessplan erstellt, das Hotel geplant werden. „Bei einem Hotel reicht keine Anschubfinanzierung, um in den laufenden Betrieb zu starten. Da muss jedes Hotelzimmer fertig sein“, betont Karin Lange. Damit stetig neue Spendengelder reinkommen und das Anliegen des Vereins im Gespräch bleibt, haben sich die Mitglieder auch einiges einfallen lassen.

Der Begriff Inklusion ist in aller Munde. Schulen, die dieses Schulprofil bekommen, erhalten zusätzliche Lehrerstunden und für Sonderpädagogik.
Bild: Sebastian Kahnert, dpa (Symbolbild)

Konzerte, Verlosung und ein Spendenlauf für das Augsburger Projekt

In den vergangenen Wochen fanden einige Konzerte mit unter anderem der Band Cash-n-Go zugunsten des Vereins statt. 1500 Gäste konnten so erreicht, 12.000 Euro an Spenden eingenommen werden. Für März ist eine Spendenaktion geplant, bei der jeder Geldgeber ein Los für eine große Verlosung erhält. Am 12. Mai wird es einen Spendenlauf am Standort des künftigen Hotels geben. Daneben ist eine Fotoausstellung mit Stadtansichten und Menschen mit Down-Syndrom in den Räumen der Volkshochschule am Willy-Brand-Platz geplant. Im Verein „Einsmehr“ haben sich in Augsburg und Umgebung 140 Eltern von Kindern mit Downsyndrom zusammengetan. Der Name „Einsmehr“ kommt daher, dass die Kinder ein Chromosom mehr haben als andere Menschen. Das 21. Chromosom gibt es dreimal. Deshalb spricht man auch von Trisomie 21 und aus diesem Grund ist am 21. März der Welt-Downsyndrom-Tag.

Der Verein will die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt vorantreiben und deshalb das Hotel eröffnen. Dabei werden sie auch von der Benefizaktion „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks unterstützt. „Wir erhalten 160.000 Euro, um zwei Jahre eine Pädagogin beschäftigen zu können, die sich um unsere Mitarbeiter mit Förderbedarf kümmert“, sagt Mack. Sie wird im Herbst des kommenden Jahres ihre Arbeit aufnehmen und soll auch Kenntnisse aus der Hotelbranche verfügen. Mack: „Sie soll Kontakt mit den Förderschulen aufnehmen, um bereits im Vorfeld geeignete Mitarbeiter zu finden.“ Bewerbungen liegen bereits vor. Karin Lange und Jochen Mack wissen, dass sie nicht früh genug mit der Suche beginnen können. „In den kommenden Jahren öffnen mehrere Hotels in Augsburg. Das Angebot an Hotelfachangestellten ist aber nicht riesig“, sagt sie.

Die gGmbh hat in Sachen Personal den ersten Schritt getan: Eine Bürokraft wurde in Teilzeit angestellt. Sie kümmert sich unter anderem um die Zuschussanträge für die „Aktion Mensch“ und das Inklusionsamt. Ein Hoteldirektor soll Anfang 2020 seine Arbeit aufnehmen. Mack: „Unser Projekt hat schon viele Hürden genommen und entwickelt sich gut. Wir wären froh, wenn sich die Linie 5 auch so gut entwickeln würde. Die Anbindung an den Bahnhof wäre uns sehr wichtig.“

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