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Interesse schwindet: Augsburger Puppenkiste: Jim Knopfs traurigste Reise

Interesse schwindet

Augsburger Puppenkiste: Jim Knopfs traurigste Reise

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    Wohl die bekannteste Marionette: Jim Knopf.
Foto: Fred Schöllhorn
    Wohl die bekannteste Marionette: Jim Knopf. Foto: Fred Schöllhorn

    Vor Jahren schon hat Jim Knopf uns  verlassen, ganz unbemerkt. Er hat seinen Freund Lukas und die  Lokomotive Emma genommen, und gemeinsam sind sie dann an einen  düsteren Ort gefahren, gegen den das unheimliche Drachenland ein  heimeliges Plätzchen ist: Jim Knopf ist ins Archiv der ARD  eingefahren. 1999 zeigte das Erste letztmals die zum Klassiker  gewordene Geschichte. Und wer nun denkt, dass es für die kleine  Marionette im Kinderkanal Kika ein neues Zuhause gibt, sieht sich  enttäuscht: 50 Jahre nach der Erstausstrahlung ist die Inszenierung  der Augsburger Puppenkiste den Kindern heute schlicht zu langweilig.

    So unähnlich sind die Programme der ARD vom Sonntag, dem 15.  Oktober 1961, und vom kommenden Sonntag gar nicht. Damals  diskutierte der Internationale Frühschoppen und lief die Premiere  von Jim Knopf mit der Folge "Auf Lummerland" - heute sind es der  Presseclub und die "Sendung mit der Maus", die es ja auch schon  seit vierzig Jahren gibt. Doch was hat die Maus, was Jim Knopf  fehlt, dass ihm nicht mal in seinem Jubiläumsjahr ein Sendeplatz  gegeben wird?

    Neue Ausstrahlungen der Serie sind bei der ARD nämlich nicht  geplant. Auch nicht im Kika, wo er das letzte Mal vor acht Jahren  lief. Nun, die Maus klimpert zwar noch wie eh und je mit den Augen  - sie ist aber zumindest bei den Sachgeschichten flotter geworden.  Bei Jim Knopf aber wirken die dünnen Marionettenfäden auf die  heutigen Kinder offenbar wie dicke Fesseln.

    "Marionettenspiel ist den Kindern zu langsam"

    "Den Kindern heutzutage ist das Marionettenspiel zu langsam",  sagt Kika-Sprecherin Gabriele Noll. Als der Kika zuletzt eine Reihe  der Augsburger Marionettenspiele zeigte, seien die Einschaltquoten  zwar ganz okay gewesen. Aber es schalteten Erwachsene ein - der  Kika hatte seine Zielgruppe verpasst. In der schnellen Comicfassung  dagegen schauen die Kids von heute weiter gerne den Klassiker von  Michael Ende.

    Nach Altersklassen unterschiedene Fernsehzuschauer gab es 1961  nicht. Es gab noch nicht mal Einschaltquoten. So ist unbekannt,  wieviele Menschen die Geburtsstunde von Jim Knopf verfolgten. Es  war Lukas der Lokomotivführer, der als Erster wieder Worte fand,  nachdem Frau Waas im Beisein von König Alfons dem  Viertelvorzwölften und Herrn Ärmel das vom Postboot auf die Insel  mit zwei Bergen gebrachte Päckchen geöffnet hatte: "Schwarz ist es  zwar, aber Lakritze ist es nicht", sagte er beim Anblick von Jim  Knopf.

    Insgesamt nur zwei Mal lief die Folge, die nun Jubiläum hat, in  der ARD. Die bekannt gewordenen Folgen in Farbe wurden erst 1976  und 1977 gedreht. Für beide Fassungen gilt, dass sie so nie auf der  Bühne zu sehen waren. Es handelte sich um eigens fürs Fernsehen  erdachte Produktionen, die mit viel Aufwand in der Sommerpause der  Puppenkiste gedreht wurden. Vor allem das aus Plastikfolie  erschaffene Meer um Lummerland ist vielen Fans in Erinnerung - die  drei Mann, die an jeder Seite mit gleichmäßigem Ziehen für  Wellengang sorgten, wären im Theater wahrscheinlich von den Kindern  ausgelacht worden.

    Produziert wurden die Sendungen der Augsburger Puppenkiste vom  Hessischen Rundfunk. Die einstigen Partner sind inzwischen  Kontrahenten - ausgerechnet, weil Jim Knopf und Co. noch einen  späten Erfolg verbuchen konnten. Als nämlich der HR im Jahr 2004  DVDs mit der Augsburger Puppenkiste veröffentlichte, fanden diese  reißenden Absatz. Direkt im ersten Jahr waren mehr als 600.000  Stück verkauft, den Fans der Ü-30-Generation sei Dank.

    Doch die heutigen Betreiber der Puppenkiste fanden ihren Anteil  an den Erlösen trotz bestehender Verträge zu gering und klagten. In  der ersten Instanz unterlagen sie, nun muss das Oberlandesgericht  Frankfurt entscheiden. Eine neue Zusammenarbeit ist nicht mehr  geplant. Wozu auch, wollte vor zehn Jahren doch kaum jemand die  letzte Produktion "Lilalu im Schepperland" sehen. Heute tanzen die  Marionetten nur noch im Archiv der ARD. afp/AZ

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