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Interview: So reagiert der Handel auf die Wünsche der Kunden

Interview

So reagiert der Handel auf die Wünsche der Kunden

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    Seinen Arbeitsplatz hat Andreas Gärtner in einem Gebäude in der Schießgrabenstraße in Augsburg.
    Seinen Arbeitsplatz hat Andreas Gärtner in einem Gebäude in der Schießgrabenstraße in Augsburg. Foto: Silvio Wyszengrad

    Böse Zungen sagen, der Einzelhandel heißt deshalb so, weil jeder Händler einzeln handelt. Stimmt das? Was sagt der Chef des schwäbischen Einzelhandels dazu?

    Einzelhandel ist ein extrem anspruchsvoller Individualsport, der aber in einer Innenstadt nur im Team funktioniert. Das Streben um die Gunst und im besten Fall um die Loyalität der Kunden erfordert ein hohes Maß an Individualität und auch Alleinstellungsmerkmale.

    Wie geht man auf Kundenwünsche ein?

    Guter Service und beste Beratung ist für den Handel Pflichtprogramm. Unterhaltung, Erlebnis und eine gute Geschichte zum Produkt die Kür. Digitale Sichtbarkeit und digitales Marketing sind die Qualifikationskriterien.

    Wie wird Einkaufen zum Erlebnis?

    Attraktive Innenstädte erreichen wir trotz vielfach vorhandener individueller Klasse nur im Team. Nur wenn alle Spieler, gleich ob Gastronomie, Handel, Hotellerie und nicht zuletzt die Stadt- und Gemeindeverwaltungen koordiniert an einem Strang ziehen, entsteht die Aufenthaltsqualität, die unsere Kunden heute erwarten.

    Sie selbst vertreten den Handel in einem Verband. Warum ist diese Struktur wichtig?

    Die gebündelte Vertretung der Interessen des Handels gegenüber der Politik, ob auf kommunaler, Landes-, Bundes- und nicht zuletzt auf europäischer Ebene halte ich für extrem wichtig. Erst durch eine starke Gemeinschaft und Stimme findet der Handel entsprechendes Gehör.

    Und was sagen Sie in diesem Fall als Stimme des Handels?

    Wir treten für die Chancengleichheit mittelständischer Betriebe auch gegenüber globalen Konzernen ein.

    Herr Gärtner, seit 2010 sind Sie beim schwäbischen Handelsverband tätig. Heute sind Sie 48 Jahre alt. Was war für Sie damals der Grund, diesen Arbeitgeber auszuwählen?

    Durch meine Führungstätigkeit im Handel habe ich bereits viele Jahre eng mit dem Verband zusammengearbeitet. Ich kannte die Mitarbeiter und späteren Kollegen und den damaligen Bezirksgeschäftsführer Wolfgang Puff gut und schätzte deren Leistung sehr. Zum damaligen Zeitpunkt dachte ich, dies könnte gut passen. Und wie man sieht, lag ich damit gar nicht so falsch.

    Andererseits ist zu sehen, dass Ihr Vorgänger André Köhn nur ein Jahr lang in verantwortlicher Position tätig war. Warum kam es zum Abschied?

    Wir haben die Zusammenarbeit mit Herrn Köhn sowohl fachlich als auch persönlich sehr geschätzt. Aber wie man sagt: Reisende soll man nicht aufhalten.

    Mit welchen Erwartungen gehen Sie an die neue Aufgabe?

    Ich habe keine besonderen Erwartungen, jedoch immer den Wunsch, dass ich mit meiner Tätigkeit einen Beitrag zu einer positiven Entwicklung in einem Unternehmen, an einem Standort oder auch bei einer einzelnen Person leisten kann.

    Wo liegen die Herausforderungen für den Handel in der Wirtschaftsregion Augsburg?

    Die Herausforderungen für den Handel liegen vor allem in der fortschreitenden Digitalisierung und im geänderten Verbraucherbewusstsein und -verhalten. Da stellen sich viele Fragen.

    Welche?

    Wie reagiert der Handel richtig auf die Themen Verpackungsvermeidung, nachhaltige und nachvollziehbare Herstellung? Wie schaffen wir es, den unterschiedlichsten Kunden ein „gutes Gefühl“ beim Einkauf zu geben? Wie lösen wir das Problem der Zustellung auf der letzten Meile? Wie und wo finden wir die entsprechenden Mitarbeiter?

    Und wie sieht die Antwort aus?

    Vor allem werden wir uns aber auch auf immer schnellere Trend- und Anspruchszyklen einstellen müssen. Konzepte und Formate überleben sich immer schneller und damit auch die Bestandszeiten einzelner Geschäfte in unseren Innenstädten.

    Sehen Sie dabei Besonderheiten für die Stadt Augsburg?

    Insbesondere im Bereich der Mitarbeiter steht der Handel im Wirtschaftsraum Augsburg in enormer Konkurrenz zu anderen Branchen und zur Region München.

    Sie leben in Mering. Steht eigentlich der schwäbische Chef bei Mitgliedsbetrieben unter strenger Beobachtung, wenn er auf Einkaufstour geht? Wo kaufen Sie folglich ein?

    Ich gehe gerne in die Stadt und kaufe daher vorwiegend stationär, habe jedoch mit Ausnahme des Metzgers meines Vertrauens wenig Stammgeschäfte. Da ich berufsbedingt in ganz Schwaben unterwegs bin, kommt es durchaus vor, dass ich Schuhe in Kempten, Hosen in Augsburg und die Krawatten in Donauwörth kaufe.

    Worauf kommt es Ihnen bei diesen Einkäufen an?

    Die Dinge müssen mir gefallen, mich ansprechen und wenn dann auch noch die Beratung passt, dann kaufe ich gerne ein. Gott sei Dank sind wir gut strukturiert, sodass ich eigentlich immer und überall bei einem Mitgliedsbetrieb lande. Interview: Michael Hörmann

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