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Prozess in Augsburg

29.10.2019

Kiloweise Drogen und ein blutiger Streit: Anklagen gegen Rocker

Welchen Rolle spielten Rocker bei einer blutigen Attacke im Augsburger Nachtleben? Mitglieder der Gruppierung „United Tribuns“ müssen sich nun vermutlich wegen verschiedener Vorwürfe vor Gericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Mitglieder der "United Tribuns" sollen in Augsburg an einem blutigen Streit im Nachtleben beteiligt gewesen sein – und massenweise synthetische Drogen hergestellt haben.

Als allzu gefährlich oder auffällig gelten Rocker eigentlich nicht. In anderen Städten gibt es oft Streit in der Szene und Schlagzeilen um blutige Auseinandersetzungen oder Geschäfte im kriminellen Milieu, in Augsburg hingegen warnt die Polizei davor, die Gruppierungen in der Region "pauschal zu kriminalisieren". Was einen aktuellen Fall umso außergewöhnlicher macht. Denn mehrere Mitglieder der "United Tribuns", darunter aus Augsburg, müssen sich demnächst wohl vor Gericht verantworten. Es geht um einen blutigen Streit im Nachtleben – und um mögliche Drogenproduktion im großen Stil.

Sollten die Vorwürfe zutreffen, droht beispielsweise dem Chef der Augsburger "Tribuns" eine längere Haftstrafe. Gegen ihn mittlerweile liegen zwei Anklagen vor. Die für den 32-Jährigen schwerwiegendere betrifft synthetische Betäubungsmittel. Es geht um den Vorwurf, dass der Mann an der Produktion chemischer Drogen in einer Art "Heimwerker-Labor" beteiligt gewesen sein soll.

Prozess in Augsburg: Chef der "United Tribuns" droht lange Haftstrafe

Die Rede ist von mehreren Kilogramm, der Prozess soll vor einer Kammer des Landgerichtes stattfinden. Nach Informationen unserer Zeitung haben Ermittler in dem Zusammenhang eine erheblich Menge Drogen in einem Gefrierfach aufgefunden. Neben dem "Präsidenten" der Augsburger Rocker-Ortsgruppe sitzt dem Vernehmen nach wegen dieses Vorwurfs auch ein weiteres Mitglied der "Tribuns" seit Monaten in Untersuchungshaft.

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Die Anklage richtet sich insgesamt gegen vier Angeschuldigte, wie die Augsburger Staatsanwaltschaft auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt.

Das ist der eine Komplex. Der andere betrifft eine Gewalttat im Augsburger Nachtleben. Bei einer Schlägerei vor einem Club in der Theaterstraße wurden Anfang April drei Männer verletzt. Ein 29-jähriger Afghane erlitt dabei zwei Messerstiche, das Messer verfehlte knapp seine Leber. Die Polizei ging schnell davon aus, dass es sich bei den Angreifern um Angehörige einer Rockergruppierung handelt – Zeugen hatten gesehen, dass die Angreifer dunkle Jacken und Rockerkutten trugen. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung gegen fünf Männer erhoben, darunter gegen den Chef der Augsburger "Tribuns" und weitere Mitglieder der Rockergruppierung. Neben dem 32-Jährigen sitzen zwei weitere Verdächtige in U-Haft.

Blutiger Streit im Nachtleben: Mann in Augsburg mit Messer verletzt

Einer der Männer soll den Mann aus Afghanistan mit einem Messer verletzt haben. Die Vorwürfe gegen andere Verdächtige, darunter den 32-Jährigen, sind weniger gravierend. Offenbar gehen die Ermittler davon aus, dass es nach dem Messerstich zu einer weiteren Auseinandersetzung zwischen dem Afghanen und Männern vor der Tür kam; der Chef der Augsburger "Tribuns" arbeitete an dem Abend offenbar als Türsteher vor dem Lokal. Hierbei soll der Mann aus Afghanistan weiter verletzt worden sein. Ein Messer war aber bei der zweiten angeklagten Tat nicht mehr im Spiel.

Angeklagt ist dieser Komplex zum Schöffengericht des Amtsgerichtes, das, anders als eine Strafkammer des Landgerichtes, Strafen nur bis zu einer Obergrenze von vier Jahren verhängen kann. Es dürfte also zu zwei Prozessen kommen, auch wenn es bei den Komplexen personelle Überschneidungen gibt.

Die Gruppierung der "United Tribuns" gibt es in Augsburg seit etwa fünf Jahren. Eine Reihe von Mitgliedern kommt offenbar aus der Türsteher-Szene. Die Augsburger Gruppe galt bisher bei der Polizei als unauffällig. Zwar wird die Vereinigung allgemein im aktuellen bayerischen Verfassungsschutzbericht erwähnt, wo es auch um kriminelle Machenschaften im Drogen- und Rotlichtmilieu geht – allerdings handelt es sich dabei um die Ortsgruppen in Ingolstadt und Ulm, nicht in Augsburg. In Augsburg hatten die Ermittler bisher keine Erkenntnisse zu mutmaßlich kriminellen Geschäften. Grundsätzlich sei das Augsburger Chapter als unproblematisch einzustufen, hieß es von der Polizei zuletzt auf Anfrage.

Walter Rubach, Verteidiger des Augsburger Tribuns-Chefs, wollte sich auf Anfrage nicht zu den Anklagen gegen seinen Mandanten äußern. Prozesstermine stehen noch nicht fest.

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