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Kino: (Alb-)Traum Realität

Kino

(Alb-)Traum Realität

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    Arbeitsbesprechung am Set des Thrillers „Reality XL“: Regisseur und Autor Tom Bohn (Mitte) im Gespräch mit Heiner Lauterbach (l.) alias Professor Konstantin Carus; im Hintergrund Annika Blendl als Kriminalbeamtin Sophia Dekkers und Max Tidof als Staatsanwalt Spector.
    Arbeitsbesprechung am Set des Thrillers „Reality XL“: Regisseur und Autor Tom Bohn (Mitte) im Gespräch mit Heiner Lauterbach (l.) alias Professor Konstantin Carus; im Hintergrund Annika Blendl als Kriminalbeamtin Sophia Dekkers und Max Tidof als Staatsanwalt Spector. Foto: Foto: Indie Stars

    Es gibt sie noch, jene Filme, denen von der ersten bis zur letzten Minute anzumerken ist, dass sie mit Leidenschaft und Enthusiasmus, kurz: mit viel Herzblut, gemacht sind. „Reality XL“, ein Mystery-Thriller von Tom Bohn, ist ein solches Kino-Opus, das als unabhängig produziertes und bescheiden budgetiertes Werk so frisch und unverbraucht wirkt, dass es manche Hollywood-Großproduktion sehr alt aussehen lässt. Der „Tatort“-erfahrene Filmemacher, sein Komponist Hans Franek und seine Hauptdarsteller Heiner Lauterbach, Max Tidof und Annika Blendl stellten „Reality XL“ am Samstag im Augsburger Cinemaxx persönlich vor.

    Tatort des Films ist das Kernforschungsinstitut Cern im Schweizer Kanton Genf, wo 23 Quantenphysiker spurlos verschwunden sein sollen, was offensichtlich nur der einzig übrig gebliebene Wissenschaftler, Professor Carus (Heiner Lauterbach), aufklären kann. Hartnäckig nehmen zwei Ermittler (Max Tidof und Annika Blendl) den allzu selbstherrlichen Wissenschaftler, der jede sichtbare Realität infrage stellt, weil Materie nur eine Schöpfung unserer Gedanken sei, in die Mangel. Ein emsiger Stenograf (Godehard Giese) nimmt alles zu Protokoll und bildet mit den Ermittlern ein „Trio infernal“, das dem egomanischen Quantenphysiker kafkaeske Angstzustände zu bescheren versteht. Ist die Realität aber vielleicht doch nur ein (Alb-)Traum? Und sind Glaube und Liebe letztlich nicht doch stärker als alles Wissen dieser Welt?

    Gedreht wurde in Raisting nahe dem Ammersee

    „Reality XL“ ist ein packend inszenierter Wissenschaftsthriller, der in knapp eineinhalb Stunden eine Vielzahl interessanter Themen anschneidet. Gedreht wurde in Raisting nahe dem Ammersee, wo die dortige altgediente Erdfunkstelle mit ihren markanten Parabolantennen stimmige Science-Fiction-Atmosphäre garantierte.

    Regisseur Bohn lässt aber bewusst auch immer wieder die benachbarte Feldkirche im Bild erscheinen, um den Gegensatz von Glauben und Wissen auch optisch zu vermitteln. Dank vorzüglicher Darsteller und ausgezeichneter Bildgestaltung (Martin Schlecht) bietet der Film eine staunenswerte Produktionsleistung fernab von Filmförderung und Fernsehgeldern, fesselnde Unterhaltung mit Tiefgang.

    Im Cinemaxx erläuterte Tom Bohn seine „Vorliebe für das in Deutschland nur schwach entwickelte Genrekino“. Der Regisseur, der auch für Drehbuch, Verleih und Produktion (zusammen mit Komponist Franek) verantwortlich zeichnet, löste nach eigenen Worten zwei Lebensversicherungen auf, um den Film machen zu können.

    Um das Budget niedrig zu halten, wurden die zugesicherten Gagen der Schauspieler zurückgestellt. Heiner Lauterbach, seit 1986 mit Bohn bekannt, war vom Drehbuch „sofort begeistert“. Er betonte, das Buch in einem Rutsch gelesen zu haben. „Astrophysik hat mich fasziniert, aber seit diesem Film interessiert mich auch die Quantenphysik.“ Max Tidof, als Staatsanwalt Spector beim Verhör der unerbittliche, ausgefuchste Gegenspieler des Professors, assistiert von der attraktiven, unnahbar scheinenden Polizistin Sophia Dekkers (Annika Blendl), schätzte besonders den Versuch, „philosophische Fragen durch die Quantenphysik zu erklären“.

    Laut Regisseur Bohn gehe es in „Reality XL“ um Kernfragen nach dem Ursprung des Lebens, nach dem Urknall, nach Herkunft und Beschaffenheit von Materie. Dass der Film diese Fragen mittels einer vielschichtig angelegten Verhörsituation aufwirft und Thrillerspannung voller überraschender Wendungen sowie ein in Bestform agierendes Darstellerquartett aufweist, legt nur einen Schluss nahe: „Reality XL“ ist ein Muss für alle, die ungewöhnliches, intelligent konstruiertes Genrekino den allseits bekannten Effekt-Orgien herkömmlicher Actionfilme vorziehen. ****

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