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Augsburg

05.02.2021

Klimaaktivisten wollen mit spektakulärer Aktion Rodung im Stadtwald verhindern

In viereinhalb Metern Höhe befestigen Aktivisten des Augsburger Klimacamps ein Banner im Stadtwald.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Für die Augsburger Osttangente und die Erweiterung der Lech-Stahlwerke sollen in der Region Grünflächen verschwinden. Aktivisten des Klimacamps mahnen davor mit einer außergewöhnlichen Aktion.

Morgens um sechs Uhr, 90 Minuten vor Sonnenaufgang, im dunklen Wald, begann die Banner-Aktion, der Augsburger Klimaaktivisten. In 4,50 Metern Höhe wurden fünf Banner im Verlauf einer beliebten Joggingstrecke im südlichen Stadtwald gespannt. Der Ort war wirksam gewählt. Eine Fußgängerbrücke führt über den Lochbach, der südlich vom Stadtwald, im Lochbachanstich aus der Staustufe 22 entsteht. Er mündet in den Brunnenlech vor dem Roten Tor und ist Teil des Augsburger Weltkulturerbes. Mahnung, Hinweis oder nur genau der richtige Ort, um am angrenzenden Waldstück, aus Sicht der Klimaaktivisten auf Umweltsünden aufmerksam zu machen?

Die Aktivisten des Klimacamps waren am Freitag früh im Einsatz. Im Stadtwald mahnen sie vor Rodungen von Grünflächen für Verkehrsprojekte.

"Viele Augsburger wissen nicht, dass Teile des Lechtals gerodet werden sollen, um Platz für eine neue autobahnähnliche Straße zu machen", sagt Klimacamperin Linda Ruchti, 20. Die Lehramtsstudentin und Klimaaktivistin nutzt diese Strecke sonst als Joggerin. So entstand auch die Idee, diesen Laufpfad in einen "Lehrpfad" zu verwandeln. Die Banner verwiesen auf verschiedene Bauvorhaben, die sich, so die Klimaaktivisten, gegen die Natur richten. Nicht ganz ohne Humor. Gleich das erste Plakat mahnt: "Betreten verboten - Dieser Waldabschnitt soll gerodet werden."

Die Aktivisten des Klimacamps waren am Freitag früh im Einsatz. Im Stadtwald mahnen sie vor Rodungen von Grünflächen für Verkehrsprojekte.
Bild: Bernd Hohlen

Klimacamp-Protest in Augsburgs Stadtwald soll nachdenklich machen

Das ist natürlich ein Scherz, aber die Besucher des Waldes sollen nachdenklich gestimmt werden. Konkreter ist der nächste Banner, der den Lohwald bei Meitingen zum Thema hat. Für eine geplante Erweiterung eines Stahlwerkes müsste er um 17 Hektar gerodet werden. "Dabei ist der Boden des Lohwaldes laut Bund Naturschutz ökologisch wertvoll", sagt Linda Ruchti. Besonders konkret wird es aus Augsburger Sicht beim Thema Osttangente. Es ist der vorletzte Banner auf der Zwei-Kilometer-Strecke. Nicht weit vom Ort dieses Protestes soll die Osttangente, eine vierspurige Schnellstraße, gebaut werden. Nach Meinung der Klimaaktivisten, müssten 160 Hektar Heide und gesunder Mischwald für den Verkehr weichen. Und das ist die Kernthese dieser gesamten Aktion: "Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten. Dabei brauchen wir dringend eine systematische und planvolle Reduktion des Autoverkehrs sowie parallelen radikalen Ausbau und Vergünstigung des ÖPNV", sagt Linda Ruchti.

Mit Bannern aus alten Bettlaken warnen die Aktivisten des Klimacamps im Stadtwald vor Rodungen von Waldflächen.
Bild: Bernd Hohlen

Laurin Oberneder, 24, ergänzt: "Mit dem Lehrpfad tragen wir unseren Protest bildlich an die Orte der Zerstörung. Sollten die zuständigen Stellen unseren Lehrpfad sowie die Wälder zerstören, werden wir ihn erneut errichten." Die Klimaaktivisten geben sich kämpferisch, und ihre Aktion scheint formal durchdacht. So klettern sie mit baumschonenden Schlaufen die Stämme hinauf, verwenden sogar einen speziellen Knoten für das Baumklettern, den Blake-Knoten, und die Banner sind alte Bettlaken, keine synthetische Massenware. Dass sie hier eine Ordnungswidrigkeit begehen könnten, ist den Aktivisten bekannt. "Plakatieren ist im Wald verboten, aber es sind ja keine Plakate", sagt Ruchti, und Klettern im Wald sei erlaubt. "Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ich hier wieder jogge, und die Banner hängen noch."

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07.02.2021

Ich dachte die Stadt hat sich gegen diese Straße entschieden?
Kommt die Straße jetzt durch die Hintertür.
Eher sollte das Geld verwendet werden um in der Region Dieselbahnstrecken auf Strom umzurüsten oder die Staudenbahn wiederfahren zu lassen!
Projekte für den Klimaschutz, mache Politiker haben es immer noch nicht geschnallt!!

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07.02.2021

>> Dieselbahnstrecken auf Strom umzurüsten <<

Und das bringt für den Fahrgast bitte was?
Wie wird der ÖPNV gegenüber dem Auto attraktiver?

Viele Klimaaktivisten leben in einer populistische Blase!

Da stört nur die Wahrheit, dass in der Region Augsburg praktisch alle Dieselstrecken mit neuen Dieseltriebwagen bedient werden. Ab Ende 2022 wird sich durch bereits erfolgte Bestellungen ein Durchschnittsalter der Dieseltriebzüge von ca. 3 Jahren einstellen und diese werden weitgehend mit NOX Katalysatoren ausgestattet sein. Und mit den etwas unüblich starken Dieselmotoren der BRB Triebwagen ist der Nachteil bei der Beschleunigung der Lint 41 gegenüber einem Elektrotriebwagen erst mal nicht so wild.

Die Staudenbahn ist ja für die paar Leute in den Stauden ganz nett; die Verkehrsbedeutung für Augsburg ist gering und ändert wenig an der Konzeptionslosigkeit der Augsburger Stadtpolitik. Man baut fortlaufend Gewerbe- und Wohngebiete die mit dem ÖPNV absolut unzureichend erschlossen sind (Bus alle 15 bis 30 Minuten) und jeden arbeitenden Menschen dem Individualverkehr überlassen.

Die grünen Honoratioren geben ihr Stelldichein im Klimacamp, bejubeln ihren Klimaschutztunnel unter dem HBF und nicken Preiserhöhungen und Leistungseinschränkungen bei der Tram gelassen ab. Mit der Staudenbahn fehlt der Ruf nach einer Reaktivierung des Bahnhofes im Bärenkeller - will man nicht, könnte ja dem schrecklich langsamen swa-Bus im Bärenkeller die letzten paar Fahrgäste nehmen. Also fahren arbeitende Menschen die im Leben stehen im Bärenkeller eben mit dem Auto - und wenn man erst mal im Auto sitzt ist es einfach für alle anderen Lebensbereiche die bessere, zeitsparende und oft auch preiswertere Alternative.

Das haben viele Politiker durchaus geschnallt; die Grünen haben jetzt halt ihren Tunnel unter dem Hauptbahnhof bekommen - irgendein Tunnel geht mit der CSU immer.

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06.02.2021

>> Dass sie hier eine Ordnungswidrigkeit begehen könnten, ist den Aktivisten bekannt. "Plakatieren ist im Wald verboten, aber es sind ja keine Plakate", sagt Ruchti, und Klettern im Wald sei erlaubt. <<

???

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05.02.2021

Immer mehr Naturzerstörung für Abgasspuckende Blechkisten. Diese be-scheuer-te Verkehrspolitik gehört endlich gewandelt.
Digitalisierung und Homeoffice helfen dabei.

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