Am Klinikum Augsburg werden so viele Patienten endoskopiert wie an den Unikliniken München-Großhadern und Regensburg zusammen: 13 000 sind es jährlich.
Diese Zahlen sind laut dem Chefarzt der III. Medizinischen Klinik, Prof. Helmut Messmann, in den vergangenen Jahren allerdings leicht zurückgegangen, weil die Abteilung im ersten Stock nicht angemessen und zu beengt untergebracht war. Jetzt konnte das rund sechs Millionen Euro teure neue Endoskopie-Zentrum eingeweiht werden – laut OB Kurt Gribl ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur versprochenen Uniklinik.
Unter Endoskopie versteht man die Untersuchung von inneren Organen, vor allem im Magen-Darm-Trakt, mittels eines Geräts, das in der Regel durch die Speiseröhre vorgeschoben wird. Zunehmend wird auf diese Weise auch operiert, was das belastende Öffnen des Bauchraums erspart.
Endoskopisch können Gallensteine oder kleinere Krebstumore entfernt, innere Krampfadern verödet oder Engstellen in Magen oder Darm aufgedehnt werden. Prof. Messmann gilt international als Kapazität dieser Disziplin und ist amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und bildgebende Verfahren.
Patienten warteten bisher oft auf dem Gang
Messmanns Vorgänger bezeichnete die Endoskopieräume am Klinikum gern als „Hasenställe“. Untersuchungsraum, Aufbereitung der medizinischen Instrumente und Büro waren räumlich kaum voneinander getrennt, wie Stationsleiterin Rita Hieber bei einem Rundgang sagte. Patienten mussten oft auf dem Gang auf ihren Eingriff warten und wachten dort auch wieder auf. Jetzt gibt es eigene Räume für Ultraschalluntersuchungen, Röntgen, die verschiedenen Operationen – sechs Kliniken nutzen das neue Zentrum –, einen Empfangs- und einen Aufwachraum, ein zentrales Instrumentenlager und Büros.
Die Geräte sind auf dem neuesten Stand – die Hersteller sind laut Messmann interessiert, mit dem Augsburger Klinikum zusammenzuarbeiten und an hier gewonnenen medizinischen Erkenntnissen zu partizipieren. Aktuelle endoskopische Bilder können von einem Raum in einen anderen übertragen werden.
Eine „Einrichtung von höchster Spitzenqualität“
Um das neue Endoskopiezentrum herum werden jetzt im Rahmen der Generalsanierung des Klinikums die gesamte Funktionsdiagnostik und die Intensivmedizin angeordnet, wie Klinikchef Alexander Schmidtke sagte. OB Gribl nannte das Zentrum eine „Einrichtung von höchster Spitzenqualität“.
Er erinnerte daran, dass der Ausbau des Klinikums und der speziellen Abteilung beinahe an den Finanzen gescheitert sei. Ursprünglich sollte die Endoskopie für rund drei Millionen Euro dort eingerichtet werden, wo sich der Dach-OP befindet. Um sie in der jetzt realisierten Form zu bauen, musste ein Nachtragshaushalt in Höhe von 2,7 Millionen Euro aufgestellt werden. Der Freistaat steuerte 2,1 Millionen Euro bei.
Die Klinikseelsorger Michael Mayr (katholisch) und Jürgen Floss (evangelisch) segneten die Räume. Im Anschluss daran konnten sich Besucher ein Bild von der neuen Abteilung und den neuen Räumen im Klinikum machen. Sie durften sogar selbst einmal mit dem Endoskop das Innere einer Puppe untersuchen. Viele nutzten die Gelegenheit.