Der Wasserfall-Vorhang am Hochablass, dessen Verschwinden die Gegner des geplanten Kraftwerks befürchten, hat offenbar in den vergangenen 35 Jahren der wasserrechtlichen Genehmigung widersprochen. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte Umweltreferent Rainer Schaal (CSU) gestern auf Anfrage.
Wie berichtet fürchten Gegner des Kraftwerks, dass das Wehr auf der Ostseite künftig den Großteil des Jahres trocken liegen wird. Die Stadtwerke gehen davon aus, dass das Wehr in diesem Bereich künftig nur noch an 80 Tagen überströmt wird und somit etwa 280 Tage oberirdisch trocken liegt, weil das Wasser durch die Turbinen fließt. Allerdings ist es schon jetzt so, dass das Wehr bei Niedrigwasser, etwa im Winter, an vielen Tagen nicht überströmt wird.
Nach Genehmigungslage, die in den vergangenen 35 Jahren offenbar ständig ignoriert wurde, hätte es den Wasserschleier aber auch an vielen Tagen mit normalem Pegelstand gar nicht geben dürfen.
In einem Bescheid des Umweltamtes, das für das Wasserrecht zuständig ist, wurde 1976 eine Aufstauhöhe von etwa 480 Metern über Meereshöhe festgeschrieben. Faktisch wurde das Wasser aber offenbar immer 20 Zentimeter höher angestaut als zulässig, um den Wasserschleier zu erzeugen.
Künftig soll wohl ein höherer Aufstau beantragt werden
Die Weisung dafür erging offenbar im Tiefbauamt in den 70er-Jahren und wurde seitdem umgesetzt. Wie es sein konnte, dass das Tiefbauamt sich offenbar über einen Bescheid hinwegsetzte und das Umweltamt nichts unternahm, ist unklar. Offenbar wurde aber erst jetzt, als das Projekt genehmigt wurde, klar, dass gegen einen Bescheid verstoßen wurde. Offenbar soll nun ein höherer Aufstau beantragt werden, wie er faktisch ohnehin besteht.
Möglicherweise versucht man aber auch so, den Gegnern, die am Sonntag um 14 Uhr am Hochablass demonstrieren wollen, ein Argument zu nehmen. Denn wenn der Wasserschleier ohnehin unzulässig ist, dann können die Kraftwerksgegner schlechter argumentieren.
Wie Referent Schaal erklärt, der für Umwelt und Energie zuständig ist, soll die Praxis nicht von heute auf morgen geändert werden. Dann gäbe es nämlich gar keinen Wasserfallvorhang mehr, unabhängig vom Kraftwerk. „Wenn man so etwas jahrzehntelang gemacht hat, kann man es nicht von heute auf morgen beseitigen. Zudem müsste man ökologische Zusammenhänge bedenken“, sagt Schaal. Staue man nicht mehr wie bisher auf, hätte dies Auswirkungen auf den Oberlauf des Lechs. „Die ganze Ökologie hat sich aber auf den jetzigen Zustand eingestellt.“ Das Umweltamt müsse nun prüfen, wie es weitergeht.
Grundsätzlich spricht sich auch Schaal für das Kraftwerk aus. Wenn man es mit der Energiewende ernst meine, müsse man jede Möglichkeit zur Stromerzeugung prüfen. „Sonst müssen wir uns in zehn Jahren fragen, wie wir diese Chance vergeben konnten“, so Schaal.
„Für die Stadt eine einmalige Chance“
Das Lechkraftwerk, das ins bestehende Hochablass-Wehr integriert werden soll, sei eine in der Stadt einmalige Chance. Es soll für 3900 Haushalte Strom erzeugen. „Das Kraftwerk ist mit seiner Fallhöhe von sechs Metern und den Wassermengen deutlich effektiver als viele andere Kleinkraftwerke in Augsburg zusammen“, sagt Rainer Schaal.