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Augsburg

08.12.2016

Lechumbau: Eisdecke behindert Messungen im Kuhsee

Sie kämpften bei ihren Messungen auf dem Kuhsee mit dem Eis: Bootsführer Herbert Vogl (links) und Andreas Tönnis vom Wasserwirtschaftsamt. 
Bild: Peter Fastl

Nach der groß angelegten Renaturierung des Lechs soll es keine nassen Keller bei Anwohnern geben. Daher werden jetzt großräumig die Grundwasserstände gemessen.

Für Spaziergänger war es eine rätselhafte Szene: Ein kleines Motorboot versuchte am Mittwoch, sich einen Weg durch die dünne Eisdecke auf dem Kuhsee zu bahnen. In dem Boot waren Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth mit einem Messgerät. Sie erkundeten den Grund des Kuhsees. Die Messungen sind wichtig vor der geplanten Renaturierung des Lechs. Planer des Freistaats müssen sicherstellen, dass Anwohner in Augsburg und Umlandgemeinden keine nassen Keller durch den Umbau des Flusses bekommen. Dafür wird ein Gebiet von 340 Quadratkilometern genau untersucht.

Zwar machte der Kälteeinbruch in Augsburg dem Team des Wasserwirtschaftsamtes am Mittwoch einen Strich durch die Rechnung. Wegen der Eisschicht mussten die Messungen auf dem Kuhsee abgebrochen werden. Es würde zuviel Zeit kosten, Schneisen ins Eis zu fahren, sagte Andreas Tönnis nach den ersten Versuchen. Das Messgerät, das Ultraschallwellen auf den Seegrund schickt, braucht offenes Wasser. Die Messkampagne für das Projekt „Licca liber“ (freier Lech) läuft aber weiter auf vollen Touren.

Wie viel Kontakt zum Grundwasser?

„Der Lech steht in Wechselbeziehung mit seinem umgebenden Grundwasser“, erklärt Projektleiterin Simone Winter vom Wasserwirtschaftsamt. Deshalb müssen auch der Kuhsee und Auensee genauer unter die Lupe genommen werden. Der Seegrund wird jeweils per GPS kreuz und quer vermessen. „So können wir feststellen, wie groß die Fläche ist, die mit dem Grundwasser in Kontakt steht“, sagt sie.

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Winter betont aber auch, dass der Kuhsee und Auensee nicht in die geplante stellenweise Verbreiterung des Lechs mit einbezogen werden. Beim großen Flussdialog zu „Licca liber“ sei auf Wunsch der Bürger festgelegt worden, dass der Kuhsee und Auensee nicht angetastet werden. Für das Großprojekt Licca liber sind viele Verfahrensschritte nötig. Aktuell müssen die Planer herausfinden, ob und wie der naturnahe Ausbau des Lechs technisch machbar ist, ohne den Hochwasserschutz für die Bevölkerung zu gefährden oder nasse Keller von Anwohnern zu riskieren. Dafür wird ein computergestütztes Grundwassermodell erstellt, mit dem Veränderungen und deren Auswirkungen simuliert werden können. Die dafür nötigen Daten erheben Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes mit der Messkampagne. Es geht um den Ist-Stand. „Wir müssen realitätsnah abbilden, wie sich der Wasserstand im Lech auf den Grundwasserstand in einem größeren Umfeld auswirkt“, sagt Winter.

Messungen auch im Stadtwald

Nicht nur am Kuhsee und Auensee wird genau hingeschaut, wie groß die Austauschmenge zwischen dem Grundwasser und den Seen ist. Weitere Messungen gab es im Stadtwald. Dort wurden die Abflüsse ausgewählter Bäche aufgezeichnet, auch an der Paar und dem Verlorenen Bach im Kreis Aichach-Friedberg gab es Erhebungen. Insgesamt wurde im genannten Bereich an 35 Punkten dokumentiert, wie viel Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Messstellen passieren. Parallel wurde an über 40 ständigen Messstellen der Grundwasserstand in der Umgebung abgelesen. Im kommenden Frühjahr soll die ganze Prozedur bei höheren Wasserständen wiederholt werden, damit das Grundwassermodell die Verhältnisse das ganze Jahr über realistisch abbilden kann. Die Untersuchungen, Berechnungen und Prognosen werden laut Winter noch bis 2018 dauern. Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich von Langweid bis zur Staustufe 22 bei Unterbergen und von der Paar bis westlich der Wertach. Parallel will das Wasserwirtschaftsamt in Kürze direkte Informationen für die Bevölkerung bereitstellen. Vor Weihnachten soll der erste Newsletter über den aktuellen Stand von „Licca Liber“ an Bürger gemailt werden, die den Service bei der online-Befragung beantragt hatten. Der Newsletter wird auch auf der Homepage des Wasserwirtschaftsamtes veröffentlicht. „Eine offene Planung ist uns wichtig“, sagt Simone Winter.

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