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Augsburg

20.10.2019

Leere Kirchen, hohe Kosten: Welche Lösungen gibt es in Augsburg?

Unser Bild zeigt St. Johannes in Oberhausen. Die evangelische Kirche wird in den nächsten Jahren in ein Zentrum der Diakonie umgebaut. Die Gläubigen bekommen einen Gottesdienstraum.
Bild: Annette Zoepf

Plus Katholischen und evangelischen Gemeinden in Augsburg machen Sanierung und Unterhalt ihrer Immobilien zu schaffen. Welche Entwicklungen es gibt.

Die Stadt ächzt unter der Last der Schulsanierungen. Auch die Instandhaltung der Kirchen und der dazugehörigen Immobilien wird für viele Pfarrgemeinden zum Problem. In Kriegshaber beispielsweise laufen gerade an der evangelischen Kirche St. Thomas Renovierungsarbeiten an der Westfassade. 680.000 Euro sind dafür veranschlagt. Der Eigenanteil von gut einer Viertelmillion Euro stellt für die Gemeinde einen Kraftakt dar. Pfarrer Dietrich Tiggemann fürchtet gar, dass der Kredit noch gar nicht abbezahlt ist, wenn in einigen Jahren die nächste Sanierung ansteht. „Es kommt der Punkt, an dem wir die Kirchengebäude wohl nicht mehr bezahlen können“, sagt der Pfarrer. Die Gemeinde diskutiert gerade Lösungsmöglichkeiten. „Ohne Denkverbote“, wie es Tiggemann formuliert. Dabei geht es auch um die Frage, ob St. Thomas seine große Kirche in 15 oder 20 Jahren noch braucht.

In Oberhausen zeigen sich die demografischen Entwicklungen deutlich

Überlegungen wie in der evangelischen Gemeinde in Kriegshaber gibt es auch andernorts in Augsburg. Im Nachbarstadtteil Oberhausen etwa zeigen sich schon heute die Auswirkungen der demografischen Entwicklung und der schwindenden Zahl der Gläubigen deutlich. Der überwiegende Teil der riesigen Kirche St. Joseph an der Wertachbrücke wird seit einigen Jahren als Diözesanarchiv genutzt. Die Verwaltung befindet sich in einem Neubau, der anstelle des abgerissenen Pfarrhauses errichtet wurde. Die Gläubigen von St. Joseph wiederum nutzen einen Teil der umgebauten Kirche als Gottesdienstraum und Gemeindezentrum.

In St. Peter und Paul und in St. Martin werden zwar noch die Kirchen in ihrer vollen Größe genutzt. Dafür haben beide katholischen Pfarreien in Oberhausen ihre Pfarrzentren abgerissen, weil sie ihnen zu groß und zu teuer geworden sind. An ihrer Stelle befinden sich jetzt eine Wohnanlage beziehungsweise der Neubau des St.-Vinzenz-Hospizes. Erlöse aus dem Grundstücksdeal und Zuschüsse der Diözese ermöglichen es St. Martin immerhin, dass sich die Gemeinde einen kleineren Pfarrsaal leisten kann. Er wird gerade gebaut.

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Wieder zurück an die Wertachbrücke. Denn auch in der evangelischen Kirche St. Johannes, die direkt neben St. Joseph steht, stehen die Zeichen auf Veränderung. Bei Gottesdiensten verlieren sich die Besucher in der einst für 800 Gläubige errichteten Kirche. Deren Unterhalt kann die Gemeinde seit geraumer Zeit nur noch stemmen, indem sie auf ihre Rücklagen zurückgreift. „Wir wissen schon lange, wenn nichts passiert, sind wir bald pleite.“ Pfarrerin Snewit Aujezdsky redet nicht um den heißen Brei herum, wenn sie die Finanzsituation der Oberhauser Gemeinde, zu der noch eine ganze Reihe anderer Immobilien gehört, beschreibt.

Diakonie Augsburg als Retter von St. Johannes

Als Retter in der Not kommt jetzt das Diakonische Werk Augsburg ins Spiel. Der Wohlfahrtsverband übernimmt die evangelische, 1930 geweihte Kirche in Erbpacht und baut sie voraussichtlich ab dem kommenden Jahr zu einem diakonischen Zentrum um. Neben einem Sakralraum, in dem die Gemeinde weiterhin ihre Gottesdienste feiern kann, soll es darin künftig Büro-, Gruppen- und Besprechungsräume geben. 50 bis 70 Arbeitsplätze könnten in St. Johannes entstehen.

Das Evangelisch-Lutherische Dekanat Augsburg ist in die Pläne für die Diakoniekirche eingebunden. Laut Öffentlichkeitsreferentin Irmgard Hoffmann werden derzeit auch andernorts Konzepte entwickelt, um die Immobiliennutzung zeitgemäß anzupassen. Eine Umwidmung von Kirchen sei dabei aber nicht vorgesehen. „Alle Kirchen sollen weiterhin sakral als Kirchenraum genutzt werden“, sagt sie. Das Dekanat geht auch davon aus, dass auch St. Thomas in Kriegshaber „mit einem guten Konzept als Sakralraum erhalten bleibt und weiter genutzt wird“.

Die Diözese investiert nach Auskunft der Pressestelle „erhebliche Kirchensteuermittel in den Erhalt der Kirchen und kirchlichen Gebäude“. Der Instandsetzungsetat für Baumaßnahmen (inklusive Pfarrhäuser und -heime) sei in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht worden und liege im gesamten Bistum bei jährlich rund 50 Millionen Euro.

Diözese Augsburg sucht Lösungen, die der Würde des Ortes angemessen sind

Werden Kirchen nicht mehr vollumfänglich als solche genutzt, gehe es um Lösungen, die auf die Würde eines Gotteshauses Rücksicht nehmen, sagt Karl-Georg Michel, der Leiter der Pressestelle. Besonders gut gelungen sei dies in St. Joseph Oberhausen mit dem Bistumsarchiv. Aktuelle Überlegungen gibt es im Stadtteil Hochfeld für die Kirche St. Canisius. Hier könnten, so Michel, in Teilen des Kirchenschiffs Büros für die Caritas entstehen. Die Unterkirche und das frühere Pfarrhaus werden bereits seit geraumer Zeit von dem Wohlfahrtsverband genutzt.

„Auch im Bereich der Pfarrzentren gibt es immer wieder Beispiele von Teil-Vermietungen, um verfügbare Räumlichkeiten auch anderen kirchlichen Institutionen zur Verfügung zu stellen.“ Bibliotheken wie etwa die Bücherei Zwölf Apostel, die im Untergeschoss des Hochzoller Pfarrheims untergebracht ist, zählten dazu.

Nicht zuletzt spielt beim Immobilienmanagement die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum fürs Bistum eine große Rolle – häufig auf Grundstücken der Pfarreien. Diözesanweit gehe es um mehr als 750 Wohnungen in den nächsten Jahren. Michel nennt einige Beispiele aus Augsburg: Um Männern, deren Leben von Obdachlosigkeit und anderen Schwierigkeiten geprägt ist, Perspektiven zu eröffnen, werde derzeit in Lechhausen eine Wohnanlage mit 49 Appartements und zwei Wohnungen für 7,5 Millionen Euro errichtet. Mieter ist der Sozialverband SKM. Im Wolframviertel baut das St. Ulrichswerk mehr als 100 neue Wohnungen, in Oberhausen auf dem Gelände des ehemaligen Pfarrheims von St. Peter und Paul (Haus Emmaus) sind 33 barrierefreie Sozialwohnungen entstanden.

Lesen Sie dazu auch: Kann sich St. Thomas seine Kirche in Kriegshaber noch leisten?

Der dazugehörige Kommentar: Auch die Kirchen müssen sparen

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