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Beziehung

12.08.2013

Mit 16 geoutet: „Mama, ich bin schwul!“

Kim Linoh und Jonas Mattejat (von links) bekennen sich zu ihrer Homosexualität. Anlässlich des Christopher-Street-Day, der am Samstag in Augsburg gefeiert wird, erzählen sie ihre Geschichte.
Bild: Annette Zoepf

Kim und Jonas erzählen von ihrem Outing und der Gruppe Queerbeet

Vor Kurzem war Christopher-Street-Day, der Tag der Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen. An diesem Tag wurde informiert und demonstriert - aber auch gefeiert. Und mittendrin waren Kim Linoh (23) und sein Freund Jonas Mattejat (24). Die beiden sind schwul und stehen dazu.

„Im Alter von zirka 13 haben alle Jungs begonnen, sich für Mädchen zu interessieren. Und ich nicht.“ So beginnt die Geschichte von Jonas, ein paar Jahre später hat er dann akzeptiert, dass es eben so ist. Dieses „Es“, das ist seine sexuelle Neigung: Jonas ist schwul. Ebenso sein Freund Kim, mit dem er seit knapp drei Jahren zusammen ist. Auch Kim hat früh festgestellt, dass „Mädchen irgendwie nicht interessant waren“. Ein paar Jahre später kam für beide das Outing, also das öffentliche „sich Bekennen“. Jonas: „Ich habe mich mit 16 geoutet, vor meiner Mutter. Sorge vor einer negativen Reaktion hatte ich bei meinen Eltern nicht. Ich bin dann also zu ihr gegangen und habe gesagt: Mama, ich bin schwul!“ Sie sei überrascht gewesen, aber es sei okay für sie gewesen. Auch die Freunde hatten kein Problem damit.

Kim hingegen ist einen anderen Weg gegangen: „Mit 17 habe ich mich vor meinen Freunden geoutet, für die war das völlig in Ordnung.“ Das Schwierigste sei das Outing vor seinen Eltern gewesen, die Unsicherheit in Bezug auf die Reaktion. „Ich habe einen Brief geschrieben und bin dann wieder zu meinem Studium nach Augsburg gefahren.“ Am Abend kam dann der Anruf der Eltern – alles okay. „Sie fanden es schade, dass ich es ihnen nicht persönlich gesagt habe. Aber sie hatten es schon geahnt.“

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Seitdem Kim in Augsburg ist, geht er offen mit dem Thema um. Probleme wegen ihrer sexuellen Neigung hatten die beiden bisher größtenteils nicht, auch wenn das bei der anstehenden Urlaubssaison anders aussieht: „Bevor wir ins Ausland in den Urlaub fahren, informieren wir uns über die dortige Gesetzgebung hinsichtlich der Behandlung von Homosexuellen.“ Denn nicht in allen Ländern wird Homosexualität toleriert: Sie steht teilweise unter Strafe. Aktuelle Themen für die beiden sind die gleichgeschlechtliche Ehe und das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. „Wir befürworten sowohl die gleichgeschlechtliche Ehe“, erklärt Tim, „als auch das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare.“

Eine wichtige Anlaufstelle für junge Schwule und Lesben in Augsburg ist die Gruppe „Queerbeet“, in der sowohl Jonas als auch Kim als Gruppenleiter aktiv sind und die dem Verein auch vorstehen. „Wir besprechen Themen wie das Outen oder aber Beziehungsprobleme.“ Besonders beim Outing sei es wichtig, vorher mit jemandem zu sprechen, am besten mit einer Person, die Erfahrung darin hat. Das jüngste Mitglied ist momentan 14, das älteste 24. „Die Gruppe ist für viele ein Ruhepol, in dem sie sein können, wie sie sind.“ Bei Gruppenabenden wird sich ausgetauscht, aber oft wird auch gemeinsam etwas unternommen. Doch Kim und Jonas sind auch als Botschafter aktiv, gehen in Schulen und klären auf. Ihr Ziel: Normalität.

Weitere Infos gibt es hier: http://www.queerbeet-augsburg.de/

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