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Natur
20.08.2019

Augsburg, deine Wälder

Die Stadt Augsburg ist die größte kommunale Waldbesitzerin Bayerns und die zweitgrößte innerhalb Deutschlands.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild: Erlebnispfad Stadtwald)

Die Stadt ist die zweitgrößte kommunale Waldbesitzerin Deutschlands. Die Einnahmen aus der Forstwirtschaft kommen unter anderem Seniorenheimen zugute. Zwei Wälder liegen direkt im Stadtgebiet

Der Wald gilt vielen als Metapher für die Natur, ihre Schönheit und Fruchtbarkeit. Als Gegenpol zu einer sich immer schneller entwickelnden Welt suchen Augsburger die Ruhe und Entspannung der Wälder in und außerhalb der Stadt. Sie gehen spazieren, Beeren und Pilze sammeln oder laufen ihre Runden mit dem Hund. Dazu haben sie viel Platz: Mit rund 38600 Hektar sind Landkreis und Stadt Augsburg zu knapp einem Drittel bewaldet.

Mit mehr als 7000 Hektar ist Augsburg – verglichen mit anderen Kommunen – die größte Waldbesitzerin in Bayern und die zweitgrößte innerhalb Deutschlands. Nur Berlin hat mehr Wald. Damit besitzt Augsburg eine Fläche so groß wie Haunstetten, Göggingen, Inningen und Bergheim zusammen. Diese Waldfläche verteilt sich auf sieben Forstreviere, wovon sich zwei innerhalb des Stadtgebiets befinden. Der Rest liegt außerhalb.

Das Jahr 2019 ist dabei ein besonderes für die Stadt. „1249 kam Augsburg durch eine Schenkung an Wald“, sagt Jürgen Kircher von der Forstverwaltung. Die Urkunde liege noch im Stadtarchiv. „Damit ist Augsburg seit 770 Jahren Waldbesitzerin – von mittlerweile 7700 Hektar Bewirtschaftungsfläche.“

Der Siebentischwald und der Haunstetter Wald liegen im Stadtgebiet und zählen zu den letzten erhaltenen, naturnahen Lechlandschaften. Fast ihre gesamte Fläche steht unter Naturschutz. Die Auwälder schützen Augsburg vor Hochwasser und dienen als Trinkwasserspeicher und -filter.

Die städtischen Reviere außerhalb produzieren jährlich mehr als 30000 Festmeter Holz. Dabei versuchen die zuständigen Behörden, auf eine nachhaltige Waldwirtschaft zu achten. „Es wird höchstens so viel abgeholzt wie nachwächst“, so die Stadt. Durch die Einnahmen kann die Forstverwaltung selbst für Pflege und Unterhalt ihres Walds aufkommen. Ein Großteil der Überschüsse etwa fließt an frühere Besitzer des Stadtwalds: vier Stiftungen, die Seniorenheime und andere soziale Einrichtungen.

Als Erholungsgebiet hat der Stadtwald für die Augsburger eine große Bedeutung. Pro Jahr sind hier etwa vier Millionen Menschen unterwegs – mit Tieren, dem Fahrrad, Freunden und allein. Deutschlandweit ist der Stadtwald sogar der erste PEFC-zertifizierte Erholungswald überhaupt. Seit 2000 verpflichtet sich die Augsburger Forstverwaltung, die Standards dieser unabhängigen Wald-Zertifizierungsstelle einzuhalten. Für dieses Siegel müssen 60 Kriterien erfüllt sein. Dazu gehört, dass Forstbetriebe und -verwaltungen nicht mehr Bäume schlagen dürfen als nachwachsen, dass sie keine gentechnisch veränderten Setzlinge pflanzen und dass sie die Artenvielfalt erhalten.

Zum Stadtwald gehört auch der Siebentischwald. Weshalb der Park gerade diesen Namen trägt, dazu gebe es viele Theorien, sagt Kircher. Nachvollziehbar aber sei diese: „Vor vielen Jahren hatte ein Förster des Waldes das Schankrecht inne und schenkte in seiner Vergnügungsgaststätte dementsprechend Bier aus.“ Eben diese Schänke soll „Zu den sieben Tischen“ genannt worden sein. „Wie vieles andere soll sie der Bombennacht von 1944 zum Opfer gefallen sein“, so Kircher.

1996 erhielt die Stadt den 50 Hektar großen Wald nahe Treuchtlingen von ihrem Ehrenbürger Max Gutmann. Die Erträge sind für karitative, soziale Zwecke und für die Förderung des Sports in der Stadt Augsburg zu verwenden.

Augsburg pflegt außerdem ein Waldstück in der Oberpfalz. Das Forstrevier Fuchsmühl liege im Naturpark Steinwald 300 Kilometer nordöstlich von Augsburg und verringere durch seine Lage das Betriebsrisiko für den städtischen Forstbetrieb. „Dies ist vor allem in Zeiten des sich drastisch wandelnden Klimas von unschätzbarer Bedeutung.“ Wie aber kommt Augsburg an ein Revier in der Oberpfalz? Auch diese Geschichte sei auf den Krieg zurückzuführen, so Kircher. Damals habe der NS-Staat den Bau von Truppenübungsplätzen forciert. Dazu benötigte er Land. So musste die Stadt 1937 rund 90 Hektar aus dem Stadtwald an das Deutsche Reich verkaufen. „Der Verkaufspreis lag bei 599537 Reichsmark.“ Dieses Geld wollte die Verwaltung wieder in Wald anlegen. Weil sie in Südbayern keine Flächen fand, erwarb die Stadt das Schlossgut Fuchsmühl mit Wald und Landwirtschaftsflächen zum Preis von 660000 Reichsmark. (AZ)

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