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Augsburg

29.01.2021

Nicht jeder ist begeistert: Wie läuft es bei Augsburger Firmen mit Homeoffice?

Noch mehr Menschen sollen der Corona-Krise wegen ins Homeoffice. Für manche Eltern ist das Entlastung und Belastung gleichermaßen.
Foto: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolfoto)

Plus Unternehmen sind während der Corona-Pandemie dazu verpflichtet, die Arbeit von zuhause aus zu ermöglichen. Viele kommen der Forderung nach – aber es gibt auch Hürden.

Hildegard Duna leitet mit ihrem Bruder die Firma Elementbau Glogger in Lechhausen. Allen zwölf Mitarbeitern bieten sie die Möglichkeit für Homeoffice an – gemäß der geltenden Auflagen seitens der Politik. Doch so einfach, wie Arbeiten von daheim aus klingt, ist es oft gar nicht. Es gibt Hürden – und zwar nicht nur auf Seiten der Unternehmer. Wie ist der Stand beim Homeoffice bei den Augsburger Firmen?

Nicht jeder Mitarbeiter hat Zuhause eine starke Internetverbindung.
Foto: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolfoto)

"Nicht jeder Mitarbeiter hat an seinem Wohnort eine ausreichend starke Internetverbindung, um beispielsweise auch mit großen Datenmengen arbeiten zu können. Oder er hat kleine Kinder zu Hause, die ein ruhiges Arbeiten erschweren, vor allem wenn kein eigenes Arbeitszimmer zur Verfügung steht", nennt Duna einige grundsätzliche Beispiele. Das führe dazu, dass nicht jeder Mitarbeiter gleich begeistert davon sei, auf unbestimmte Zeit von zu Hause aus zu arbeiten.

Gleichzeitig, erzählt Duna, müsse sie als Arbeitgeber dafür sorgen, dass Arbeitsschutzmaßnahmen und Themen wie Datenschutz auch bei der Arbeit zu Hause beachtet werden. Dieser Spagat sei schwierig und in manchen Fällen auch mit hohen Kosten und Bürokratie verbunden. Bei Elementbau Glogger setzt man daher auf individuelle Lösungen. "Wir versuchen für jeden Einzelfall auszuloten, inwiefern Homeoffice für beide Parteien sinnvoll, gewünscht und umsetzbar ist", erklärt Hildegard Duna. Für alle im Büro biete man ein detailliertes Hygienekonzept. "Ich finde, die Politik sollte Homeoffice fördern, aber nicht fordern", sagt die Geschäftsfrau angesichts dieser Schwierigkeiten. Immerhin sei man so privilegiert und könne überhaupt weiter arbeiten - im Gegensatz zum Handel. Das schätze sie sehr.

Augsburgs Oberbürgermeisterin Weber fordert zu mehr Homeoffice auf

Dass das Thema Homeoffice als Mittel im Kampf gegen das Coronavirus zwar von den Unternehmen grundsätzlich angenommen wird, aber in der Umsetzung so seine Tücken bereit hält, zeigt auch eine aktuelle Pressemitteilung der Stadt. Darin fordert Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) die Augsburger Betriebe auf, noch mehr Mitarbeitern als bislang das Arbeiten von zu Hause aus anzubieten. "Bitte gehen Sie alle jetzt nochmal einen Schritt aufeinander zu und machen Sie das möglich, was geht“, wird die OB zitiert. Auch die Allianz für Arbeit, ein Zusammenschluss von Stadt, Gewerkschaften, den Wirtschaftskammern, sowie Verbänden und der Arbeitsagentur, bekennt sich in dem Schreiben zu dieser Forderung. Allerdings nicht uneingeschränkt. Der Teufel steckt offenbar im Detail.

Denn während Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle und Elsa Koller-Knedlik, Vorsitzende der Geschäftfsührung der Agentur für Arbeit Augsburg, durch diese Entwicklung für einen über die Krise hinaus wirkenden positiven Schub bei der Digitalisierung sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf werben, fordert DGB-Chefin Silke Klos-Pöllinger den Arbeitsschutz ein. Auch im Homeoffice seien Arbeitszeiten einzuhalten und Arbeitsbedingungen dürfen sich nicht verschlechtern. Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben (Hwk), weist darauf hin, dass nicht in allen Teilen der Wirtschaft Homeoffice möglich ist. Während in den Bereichen Buchhaltung, bei der Angebotserstellung, im Vertrieb oder in der CAD-Technik das Arbeiten auch im Handwerk von zu Hause umsetzbar sei und unterstützt werde, sei die Forderung anderswo nicht lösbar. Beispielsweise bei Leistungen, die auf Baustellen, in Werkstätten oder Ladengeschäften erbracht werden müssen.

Arbeitgebervertreter lehnen Pflicht zum Homeoffice ab

Auf Nachfrage unserer Redaktion lässt Wagner wissen: "Deshalb ist die jetzt rechtliche Verpflichtung zum Homeoffice mit entsprechenden Sanktionen übermäßig und bringt unseren Handwerksbetrieben in diesen schwierigen Zeiten erneut zusätzliche Bürokratie und Belastungen." Aus diesem Grund habe man die Pflicht für Homeoffice immer wieder abgelehnt. Man setze stattdessen auf individuelle Regelungen, da wo diese möglich sind.

Individualität scheint bei mehreren Augsburger Unternehmen das Gebot der Stunde, unter anderem beim Baustoffspezialisten PCI. Man regle Homeoffice abgestimmt auf die Arbeitsprozesse und treffe abteilungsinterne Regelungen, lässt eine Unternehmenssprecherin wissen. Wie viele der 500 Beschäftigten am Hauptsitz in Augsburg derzeit ihren Arbeitsplatz zu Hause haben, könne man daher nicht konkret sagen. Allerdings: "Wir haben in all unseren Bereichen nochmals darauf hingewiesen, darauf zu achten, dass dies so umfassend wie möglich umgesetzt wird", heißt es weiter.

Firmen wie Premium Aerotec haben wegen Homeoffice Hardware und Software nachgerüstet.
Foto: Fabian Strauch (Symbolfoto)

Der Flugzeugteile-Hersteller Premium Aerotec lässt wissen, dass auch dort durch die Anschaffung zusätzlicher IT-Soft- und Hardware das Angebot an Homeoffice deutlich ausgeweitet wurde und sehr gut angenommen werde - von wie vielen Mitarbeitern lässt das Unternehmen offen. Beim Maschinenbau-Experten MAN Energy-Solutions ist laut eines Unternehmenssprechers bei 2500 der 4000 Arbeitsplätze ein Wechsel ins Homeoffice möglich. "Jeder ist angehalten, diese Möglichkeit auch zu nutzen." Weil das Unternehmen schon vor der Pandemie das mobile Arbeiten eingeführt habe, sei man hier gut vorbereitet.

Rund die Hälfte der Arbeitsplätze ist für Homeoffice geeignet

Dass das Thema Homeoffice die Unternehmen umtreibt, spürt man auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK). Zwar gibt es keine konkreten Zahlen, wie viele Beschäftigte in Augsburg im Homeoffice sind, aber die Kammer erreichen immer mehr Anfragen dazu. Vor allem die Bereiche Arbeitsschutz, technische Ausstattung im Büro und neue Kommunikationswege treiben hierbei die Unternehmen um. Dabei zeige sich: Wer viele Fragen rund um das Homeoffice schon vor der Corona-Krise beantwortet und Lösungen gefunden hat, der tut sich jetzt leichter. Die Größe der Unternehmen sei dabei weniger entscheidend als die Unternehmenskultur. Dazu kommen unterschiedliche Voraussetzungen. Während IT-Unternehmen viele Beschäftige mobil arbeiten lassen können, haben es Industrieunternehmen schwerer. Insgesamt, schätzt die IHK, liegt die Zahl der Homeoffice-fähigen Arbeitsplätze in Schwaben wegen der vielen produzierenden Betriebe etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Der wird mit 45 bis 60 Prozent angegeben.

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